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Film

Angstraum aus Farbe

Tom Dorow über Antiporno

ANTIPORNO entstand in einer Reihe von Filmen, mit der das japanische Studio Nikkatsu die „Pinku Eiga“ bzw. „Roman Porn“-Tradition der 70er Jahre wiederzubeleben versuchte, in der Nikkatsu erotische Klassiker wie Oshimas IM REICH DER SINNE produziert hatte. Die Wände sind gelb, das Klo ist rot, das Bett ist blau, in einer Intensität, die an Barnett Newmans Gemälde „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue“ erinnert. Die Wohnung in Sion Sonos ANTIPORNO ist ein Angstraum aus Farbe. Auf dem Bett liegt die nackte Kyoko (Ani Tomite). Sie zieht sich einen Slip an, und beginnt ... mehr

Film

Randale im Reihenhaus

Stefanie Borowsky über Under The Tree

Ein Baum ist die Wurzel allen Übels. Er wächst und gedeiht im Garten von Inga und Baldvin und breitet seine Äste gen Nachbargrundstück aus. In der Reihenhaussiedlung in einem Vorort Reykjavíks scheint das nachbarschaftliche Miteinander harmonisch zu sein. Doch hinter den ordentlichen Fassaden tun sich tiefe Abgründe auf. Eybjörg, die mit ihrem deutlich älteren Ehemann Konráð und ihrem Schäferhund im Haus nebenan wohnt, kann sich nicht sonnen, weil der Baum Schatten wirft. Deshalb bittet Konráð Baldvin, den Baum zurückzuschneiden, doch die streitsüchtige Inga denkt gar nicht ... mehr

Veranstaltungen

Werkschau Gisela Uhlen

Die nächste filmhistorische Reihe im Bundesplatz-Kino erinnert an die Schauspielerin Gisela Uhlen (1919 – 2007), deren 100. Geburtstag am 16. Mai ist. Die fünf Filmtitel unternehmen eine Reise durch Uhlens abwechslungsreiche berufliche Laufbahn, die auch sehr stark durch ihr Privatleben geprägt wurde: Uhlen war sechsmal verheiratet, u. a. mit dem Flieger, Drehbuchautor und Regisseur Hans Bertram, mit dem Schauspieler Wolfgang Kieling und dem Regisseur Herbert Ballmann.
Bereits als 17-Jährige wird Gisela Uhlen ein UFA-Star im NS-Kino. Gleich in ihrem ersten Film, dem nationalistischen ... mehr

Film

Volksbühnen-Abschied

Susanne Stern über Macht das alles einen Sinn – und wenn ja, warum dauert es so lange?

Zwei Jahrzehnte lang ein Berliner Theatermythos, umstritten, glorifiziert und nun Geschichte: die Volksbühnen-Intendanz von Frank Castorf. Andreas Wilcke hat die letzte Spielzeit 2016/17 mit der Kamera begleitet. Momentaufnahmen von Proben zur Abschlussinszenierung „Faust“, von Gastspielen und hinter den Kulissen gesammeltes Material montiert er zu einer Collage, Aspekte eines Theaters, das man lieben oder hassen konnte. Überlang ausgewalzte Szenen aus Castorf-Inszenierungen, repetitiv und selbstverliebt, die man aussitzen musste für das eine brillante Bild, den einen großen ... mehr

Film

Simulation von Ordnung

Hendrike Bake über Der Boden unter den Füßen

Lola ist Unternehmensberaterin. Ihr Leben findet in den generischen Nichträumen der internationalen Geschäftswelt statt. An Flughäfen, in Hotelzimmern, in unvollständig eingerichteten Übergangsbüros. Ihre Gesprächspartner sind ihre Geschäftspartner und oft sind sie nicht einmal zugegen. Ihre Liebhaberin ist ihr Boss Elise. Wenn die anderen nach Hause gehen, arbeitet Lola weiter, die glatten Oberflächen und die teuren Kostümpanzer sind ihr lieber, als die Konfrontation mit ihrer Schwester Conny, die daheim in Wien nach einem Selbstmordversuch in der geschlossenen Psychiatrie betreut ... mehr

Film

Gläser voll Cider, aufsteigender Zigarettenrauch

John Peck über Ray & Liz

Richard Billingham wurde in der Öffentlichkeit zuerst durch seine Fotoserie „Ray’s A Laugh“ bekannt, die 1997 ein Teil von Charles Saatchis notorischer Ausstellung „Sensations“ war, an der neben anderen auch Damien Hirst teilnahm. Die Serie bestand aus Fotos von Billinghams verarmten Eltern, Ray und Liz, die vor dem Hintergrund der Blumentapeten ihrer Sozialwohnung ihr Leben vertranken und verqualmten. Die rohen, ungeschönten Bilder von „Ray’s A Laugh“ ließen Fragen nach Authentizität und Ausbeutung aufkommen, machten Billingham aber zu einem gewissen Grad berühmt und ... mehr

Film

Hermetisches Weltbild

Christian Klose über Kleine Germanen

Deutschland 1974: Eigentlich macht es Elsa gar nichts aus, dass ihre Eltern immer beschäftigt sind und meistens Opa auf sie aufpasst. Am liebsten spielt sie mit ihm Schlachten gegen die Rote Armee nach. Oder er liest ihr Geschichten über „Ungeziefer“ vor. Wenn die beiden wandern gehen, erinnert sie Opa daran, dass eine deutsche Soldatin keinen Schmerz kennt. Als Erwachsene wird Elsa beim Treffen einer nationalistischen Bewegung ihren Mann kennenlernen, mit ihrer Familie aufs Land ziehen, und fernab der Großstadteinflüsse, das, was Opa ihr beibrachte, an ihre eigenen Kinder ... mehr

Film

Sehnsucht nach Nähe

Susanne Kim über Jibril

Ein rotziges Grinsen, die Locken fallen ins Gesicht – der Kerl ist ein Hingucker. Doch erst bei der zweiten zufälligen Begegnung funkt es zwischen Maryam und Jibril. Maryams beste Freundin hatte sie gebeten, ein Paket für ihn im Knast abzugeben.
Man spürt, dass der Ort Gefängnis und die damit einhergehenden Umstände auf die Regisseurin Henrika Kull eine Faszination ausgeübt haben müssen, als sie ihr Drehbuch schrieb. Ihre beiden Protagonst*innen befinden sich in einem jeweils eigenen Käfig. Maryam, die dreifache Mutter, ist gefangen in einer Routine, zwischen Kindern und Arbeit. ... mehr

Veranstaltungen

MUSIC FOR CINEMAS: SUPERLUDE

Am 9.5. ab 19 Uhr gibt es im Filmrauschpalast „raumfüllende Sound-Explorationen“ mit Visualisierungen von Monocube /M. Kardinal (Odessa UKR/Berlin), ambioSonics (München) und Metunar (Ch). Die Sonderausgabe der „Music for Cinemas“-Reihe findet anlässlich der Synthesizer-Messe „Superbooth“ statt. Zur regulären Ausgabe am 21.5. werden DuChamp, Wry Eye und Logic Not/Flimmerkiste erwartet.

Bild: © M. Kardinal mehr

Film

Berliner*innen im Umland

Hendrike Bake über Von Bienen und Blumen

Lola Randl (DIE ERFINDUNG DER LIEBE, FÜHLEN SIE SICH MANCHMAL AUSGEBRANNT UND LEER?) ist aufs Land gezogen. Wie Julie Zeh, wie Max Moor, wie immer mehr Berliner*innen hat sie die Luft, das Licht, die Stille und die immer noch günstigen Immobilienpreise in Brandenburg entdeckt. Anders als die Vorgenannten sucht sie dort allerdings nicht die Kleinfamilienidylle auf dem Lande sondern probiert offene Liebes- und kommunale Aktionsformen aus. Vorbildlich und nicht selbstverständlich ist die konsequente Kontaktaufnahme zur einheimischen Bevölkerung, die zu den workshopartigen Aktionswochenenden ... mehr

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