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Film

Exzessrituale

Tom Dorow über Suspiria

Luca Guadagninos Remake von Dario Argentos Horror-Heiligtum SUSPIRIA macht alles richtig, was ein Remake richtig machen kann. Während hunderte von Argento-Adepten in den letzten Jahren versuchten, die einzigartige Kombination von Musik, Farben und Fetischismus in Argentos Film zu imitieren, hält sich Guadagnino keine Sekunde damit auf. Er nimmt die Geschichte – Die Tänzerin Suzie Bannion aus Ohio fliegt nach Deutschland, um an der Tanzakademie von Helena Markos zu studieren, und entdeckt einen Hexenzirkel – weitestgehend ernst, ernster jedenfalls als Argento, und verbindet sie stärker ... mehr

Film

Widrigkeiten der Lebensmitte

Hendrike Bake über Was uns nicht umbringt

Der Psychotherapeut Max (Anton Zwirner) kämpft mit den Widrigkeiten in der Lebensmitte. Zu Beginn des Films finden wir Max resigniert in seinem parkenden Auto sitzend vor, es regnet, der Scheibenwischer quietscht erbarmungswürdig und bleibt schlussendlich mitten auf der Strecke stehen. Der Scheibenwischer ist nur eins von vielen Dingen, die Max derzeit unlösbar erscheinen, und ein bisschen ist er auch wie Max selbst, der nach einer offensichtlich zielsicheren Lebensführung (holzvertäfelte Praxis, Exfrau, Teenager-Tochter) irgendwie zum Stehen gekommen ist. In seinen Therapiesitzungen ... mehr

Film

Audienz bei „ihm“

Lars Tunçay über Loro

Silvio Berlusconi wird in LORO so gut wie nie beim Namen genannt, und doch ist jedem klar, wer der stets breit grinsende Mogul im Mittelpunkt ist. Wer die Speichellecker sind, mit denen er sich umgibt. Auch wenn Paolo Sorrentino in seiner Abrechnung mit dem verkommenen Staatsapparat seiner Heimat weite Teile der Handlung ausschmückt, verarbeitet er doch auch viele Fakten, die eigentlich zu absurd klingen, um wahr zu sein. Sorrentino wählt zunächst den Blickwinkel des Emporkömmlings Sergio (Riccardo Scarmarcio). Der dauerkoksende Womanizer ist auf dem Weg nach oben. Alles, was ihm jetzt ... mehr

Film

Sekte alias „Schauspielunterricht“

Susanne Stern über Pink Elephants

Bernard Hiller vermarktet sich als „führender Schauspielcoach Hollywoods“, seine Kurse gelten vielen als lebensverändernde Erfahrung. Susanne Bohlmann hat für ihren Dokumentarfilm mehrere Workshops gefilmt und Teilnehmer interviewt. Von der Arbeit mit Hiller erwarten sie den Sprung ins große schauspielerische Business, vor allem aber quasi-therapeutische Hilfe bei persönlichen Blockaden.
Was man im Film erlebt, ist im besten Fall Hilfe zur Selbstfindung. Im gefährlichsten Fall ist es Manipulation eines machtbesessenen Gurus. Schauspielunterricht im eigentlichen Sinn – szenische ... mehr

Festivals

DOK LEIPZIG 2018

Festivaltagebuch von Ira Kormannshaus

Dok Leipzig beginnt nicht erst mit dem Eröffnungsfilm. Das vergangene Wochenende stand bereits im Zeichen von Fachveranstaltungen wie Pitchings etc. Dazu gehört auch die Veranstaltung „Preview“, bei der sechs deutsche Dokfilme vorgestellt werden, die kurz vor Fertigstellung sind und die z.T. noch weitere Finanzierung brauchen oder die einen Weltvertrieb oder interessierte Festivals suchen. mehr

Film

Illusion von Freiheit

Michael Meyns über Leto (2018)

Neben Oleg Sentsov ist Kiril Serebrennikov der zweite russische Regisseur, der momentan wegen fadenscheiniger Gründe inhaftiert ist bzw. unter Hausarrest steht. Dennoch gelang es ihm, Berichten zu Folge via Skype, LETO zu inszenieren, der zwar im Leningrad der 80er Jahre spielt und eine vergangene Epoche mit all ihren Hoffnungen und Träumen evoziert, aber auch viel über das gegenwärtige Russland erzählt.

Hauptfigur ist Viktor Tsoi, ein im Westen kaum bekannter, in seiner Heimat auch heute noch hoch verehrter Rock-Musiker, der 1990 mit nur 28 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. ... mehr

Film

Wir sind keine Musiker

Thomas Dorow über Here to be Heard: The Story of The Slits

HERE TO BE HEARD – THE STORY OF THE SLITS unterscheidet sich in einem Punkt von ähnlichen Filmen über andere Rock- und Pop-Bands: Die überlebenden Ex-Slits erzählen sehr genau, dass ihre Musik nicht in einem luftleeren Raum entstanden ist. Ihr erstes Album „Cut“ ist ein Meilenstein des Post-Punk und des feministischen Pop. The Slits könnten sich als geniale Innovatorinnen feiern lassen. Wovon sie aber erzählen, ist vor allem eine Idee und eine ebenso entschlossene wie widersprüchliche Geschichte von Kooperationen – und von Verletzungen. Gitarristin Viv Albertine sagt, es habe ... mehr

Film

Israelische Expats erzählen

Tom Dorow über Back to the Fatherland

Gil Levanon ist Israelin, Kat Rohrer ist Österreicherin. Die Filmemacherinnen sind seit langem befreundet, nun überlegt Gil, nach Deutschland auszuwandern. Sie weiß, dass ihr Großvater Yochanan das nicht gutheißen wird. Er misstraut den Deutschen, die er für unverbesserliche Antisemiten hält. Seine Eltern hat er nie wieder gesehen, nachdem sie ihn mit 15 Jahren aus Deutschland nach Israel schicken ließen. Warum ausgerechnet nach Deutschland, ins Herz der Finsternis? Das fragt auch Lea, die Großmutter des Bildhauers Dan, der nach Berlin gezogen ist, um hier zu arbeiten. Der einzige, ... mehr

Film

Wie fühlst du dich?

Hendrike Bake über Touch Me Not

Der Gewinner der Berlinale 2018 TOUCH ME NOT ist eine einzigartige, so noch nicht gesehene Mischung aus sehr persönlichen Interviews, extrem stilisierten Szenen und zurückhaltend beobachteten Therapiesitzungen. Immer verlaufen die Grenzen zwischen Dokumentarischem und Inszeniertem dabei fließend, und immer wieder klingt sich auch die Regisseurin ein, wird als Fragende und sich selbst Befragende sichtbar.

Vier Männer und Frauen sind auf der Suche nach ihrem Verhältnis zum eigenen Körper. Laura ist um die Fünfzig und hält körperliche Berührungen nicht aus. Sie setzt sich sexuellen ... mehr

Film

Marodierende Jesus-Sekte

Tom Dorow über Mandy (2018)

Nicholas Cage ist in den letzten Jahren weniger Schauspieler gewesen als ein Internet-Meme. „Nicholas Cage losing his shit“, eine Kompilation der Aus- und Zusammenbrüche von Cage ist eines der beliebtesten Videos auf Youtube. Nun könnte Cage sich einen schönen Arthouse-Film mit einer dramatischen Handlung über Freundschaft und Behinderungen aussuchen, oder irgendein Remake von LEAVING LAS VEGAS, um wieder Anerkennung als Schauspieler zu finden. Mit MANDY macht er genau das Gegenteil. Nie hat man Cage mehr die Nerven verlieren sehen als hier. In einer langen Szene auf ... mehr

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