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Film

Vorgetäuschte Niedlichkeit

Hendrike Bake über Das melancholische Mädchen

„Schätzelein, was machst du hier so allein?“ „Ich warte.“ „Auf den Märchenprinzen? Da kannst du lange warten.“ „Ich warte auf das Ende des Kapitalismus.“ „Da warte ich mit.“
Im ersten Film der Schriftstellerin Susanne Heinrich (So, jetzt sind wir alle mal glücklich, In den Farben der Nacht) driftet das melancholische Mädchen (Marie Rathscheck) unendlich kühl, unendlich gelangweilt, sehr schön und sehr melancholisch durch szenische Arrangements, die „Das Ende des Liebesmärchens“ heißen, oder „Post-erotische Zeiten“ oder „Sanfter Übergriff beim ... mehr

Film

Wer manipuliert wen?

Tom Dorow über Nuestro Tiempo

Die Kritiken zu Carlos Reygadas Film NUESTRO TIEMPO waren beim Filmfestival von Venedig gespalten, und es hagelte heftige Verrisse. Variety entdeckte in Reygadas Film nichts als „toxische Männlichkeit“ und eine „Geschichte, die selbst Reygadas Psychiater langweilen würde“, und auch der Hollywood Reporter befand, NUESTRO TIEMPO sei eine „nervtötende Nabelschau“. Reygadas ist nicht irgendwer, er hatte mit STELLET LICHT, einer Dreiecksgeschichte, die in einer deutschsprachigen mennonitischen Gemeinde in Mexiko spielte, internationalen Erfolg, BATTLE IN HEAVEN war ein komplexer ... mehr

Veranstaltungen

THE DRAGS OF OZ

Am Freitag den 28. Juni begeht das Sputnik gleichzeitig den achtzigsten Jahrestag der US-Premiere von THE WIZARD OF OZ, den fünzigsten Todestag Judy Garlands und den fünfzigsten Jahrestag des Beginns der Stonewall Riots in der New Yorker Christopher Street!
Das wird mit einem sehr bunten Abend gefeiert: Ab 21 Uhr gibt es die Drag Show “Somedrag under the Rainbow“ präsentiert von Gaby „the Wiz“ Tupper, mit Kaey „Dotty Gale“, Gerôme „The Cowardly Lioness“ Castell, Liliana „The Scared Crow“ Velasquez & Helen „The Tindame“ de Nore”. Ab ... mehr

Film

Grande Dame und Oma für alle

Anna Hantelmann über Mamacita

Wenigen Dokumentarfilmen gelingt es, ihre Geschichte so dicht an der Realität zu erzählen, dass beim Publikum die Grenze zwischen Leinwand und Außenwelt verschwimmt. In MAMACITA dokumentiert der junge Filmemacher Jose Pablo Estrada Torrescano das Leben seiner 96-jährigen Großmutter. Als Gründerin eines Schönheitsfarm-Familienimperiums ist María del Carmen Torrescano im Alter wohlhabend und wird von ihren treuen Bediensteten rund um die Uhr versorgt. Aber ihr Leben lang fühlt sich Mamacita gestraft: Im tief religiösen Mexiko wurde sie aus einer inzestuösen Beziehung als ungewolltes ... mehr

Film

Bertrand geht baden

Stefanie Borowsky über Ein Becken voller Männer

Bertrand (Mathieu Amalric) leidet an Depressionen. Jeden Morgen mischt er bunte Stimmungsaufheller in sein Müsli, um den Rest des Tages auf dem Sofa Candy Crush zu spielen. Seit zwei Jahren arbeitet der Familienvater nicht mehr. Eines Tages entdeckt er im örtlichen Schwimmbad einen Aushang: Das Synchronschwimmteam der Männer sucht neue Mitglieder – Anfänger willkommen. Als Neuer in der Riege merkt Bertrand schnell, dass es nicht nur bei ihm schlecht läuft. Laurent (Guillaume Canet) hat Probleme mit seiner feindseligen Mutter und dem stotternden Sohn, Marcus (Benoît Poelvoorde) steckt ... mehr

Film

Arzt im Dilemma

Sebastian Markt über Eine moralische Entscheidung

Am Anfang steht eine Kollision der Klassen, im wörtlichen Sinn: Ein iranischer Arzt, Chef einer gerichtsmedizinischen Abteilung, touchiert auf einer nächtlichen Autofahrt ein mit einer vierköpfigen Familie besetztes Motorrad, das zu Fall kommt. Dr. Nariman versucht zu helfen und untersucht den jungen Sohn flüchtig, der benommen wirkt. Moosa, der Vater, sichert zu, den Jungen ins Krankenhaus zur Untersuchung zu fahren, Begleitung lehnt er ab. Tags darauf liegt die Leiche des Jungen in der Gerichtsmedizin, die Obduktion lässt auf eine Fleischvergiftung als Todesursache schließen. Die ... mehr

Film

Nebeneinander, ineinander, übereinander

Yorick Berta über Happy Lamento

HAPPY LAMENTO gibt Rätsel auf. Zu großen Teilen besteht der neue Film von Alexander Kluge aus gefundenen Videoschnipseln - Begrüßungsfloskeln auf dem G20-Gipfel wechseln sich ab mit Aufnahmen von Tieren und Nonsens-Interviews mit deutschen Intellektuellen. Anhaltspunkte in diesem Durcheinander sind Kapitelüberschriften, die jedoch mehr verwirren als strukturieren, sowie wiederkehrende Themen. Der Mond ist ein solches Thema. Und der Zirkus. Besonders Zirkuselefanten.
Die Themen und Bilder wechseln sich jedoch nicht nur ab, sie stehen auch nebeneinander, oder übereinander, oder sogar ... mehr

Veranstaltungen

GRENZFÄLLE 1989-2019

Die evangelische Kirchengemeinde am Weinberg präsentiert bereits seit April die Veranstaltungsreihe „Grenzfälle“. Die Reihe ist nach der Zeitung „grenzfall“ benannt, die während der Proteste 1989 in der Zionskirche, die damals Anlaufpunkt für die Ost-Berliner Oppositionsbewegung war, gedruckt wurde. Die Veranstaltungsreihe will „Grenzgänger“ in verschiedenen Künsten zeigen, und ab Juni wird auch eine Filmreihe im Acud Kino hinzukommen. Als Eröffnungsfilm ist Heike Misselwitz‘ WINTER ADÉ (1988) geplant, in dem die Regisseurin eine Eisenbahnreise durch die ... mehr

Film

Neo-Noir & Neon

Christian Klose über O Beautiful Night

Es war einmal: Juri (Noah Saavedra) ist Hypochonder, hat wüste Träume von herzfressenden Raben, und sieht sich dem Tod schon nahe. Der Tod, in Gestalt eines russischen Kleinkriminellen (Marko Mandić), begegnet ihm da auch prompt in einer siffigen Spielhalle. Doch mehr Mephisto als Schnitter, schlägt er vor, dass Juri mit ihm noch etwas erleben könnte, bevor es an den großen Abschied geht. Das Geld dafür könnte man bei einer Runde Russischem Roulette mit den Betreibern einer Gokartbahn gewinnen. Bei der Drogendealerin des Todes, die nicht nur mit Pflanzen reden kann, trifft Juri auf ... mehr

Film

Moderne Screwball-Comedy

Susanne Stern über Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Schon der Bechdel-Test zur Überprüfung des Anteils von Frauenrollen ergibt bei Mainstreamfilmen meist verheerende Ergebnisse, von Stereotypisierungen gar nicht zu reden. LONG SHOT, von Charlize Theron und Seth Rogen nicht nur gespielt, sondern auch mitproduziert, dreht die gängige Rollenverteilung um und schlägt komödiantische Funken daraus. Theron ist Charlotte Field, Außenministerin der USA mit Präsidentschaftsambitionen, Rogen ist Fred Flarsky, aufbrausender Journalist mit kritisch-linken Ansichten und ohne Job, seit sein ... mehr

Indiekino Magazin

Interviews

Filme heute