Entfernung über GPS
ab PLZ

Film

DDR-BRD-Zeitgeschichte

Michael Meyns über Familie Brasch

„Eine deutsche Familie“ könnte man Annekatrin Hendels Dokumentarfilm auch nennen, oder müsste man ganz genau sagen: Eine ostdeutsche Familie? Horst hieß der Vater, 1922 geboren, der schon während des Zweiten Weltkriegs im englischen Exil die FDJ gründete und nach der Rückkehr zahlreiche, immer wichtiger werdende Positionen in der DDR einnahm. Thomas, Klaus, Peter und Marion heißen seine Kinder, zwischen 1945 und 1961 geboren, allesamt Künstler, Autoren, Schauspieler, Schriftsteller, mehr oder weniger radikal, zum Teil ausgebürgert, zum Teil angepasst – und bis auf Marion ... mehr

Film

Desperado des Cartoons

Tom Dorow über Don't worry, weglaufen geht nicht

Im Original heißt Gus Van Sants neuer Film DON’T WORRY, HE WON’T GET FAR ON FOOT, also eigentlich „Kein Problem, zu Fuß kommt er nicht weit“, nach einem Cartoon von John Callahan. Der Cartoon zeigt eine Westernszene: Eine Posse entdeckt in der Wüste den umgekippten Rollstuhl des Bankräubers, den sie jagen. „Weglaufen geht nicht“ ist eine lausige Übersetzung, die den Witz nicht verstanden hat, der eben nicht darin besteht, dass Rollstuhlfahrer nicht laufen können, sondern darin, dass da eigentlich ein erschossenes Pferd liegen müsste.
Der Rollstuhlfahrer als Desperado, so ... mehr

Veranstaltungen

ELVIS PRESLEY – ´68 COMEBACK SPECIAL

1968 war Elvis seit zehn Jahren nicht mehr live aufgetreten. Sein Konzert-Comeback in einer vor Publikum aufgenommenen TV-Show war eine Sensation. Die fett produzierten Anfangs- und Schlusssequenzen zeigten den Las-Vegas-Soul, den Elvis in seinen späteren Auftritten perfektionieren würde, aber vor allem der Mittelteil, die „Sit-Down-Session“ mit Elvis‘ Band aus Sun-Records-Tagen, Scotty Moore und DJ Fontana, waren so umwerfend und leidenschaftlich, dass Elvis es sich leisten konnte, über die neuen Bands als „The Beatles and The Beards“ zu spotten. So etwas wie Elvis‘ ... mehr

Film

Jeden Tag mehr Zorn

Christian Klose über In the Middle of the River

Gabriel kehrt aus dem Krieg zurück. Im Irak verwundet, braucht der 26-Jährige für seine Wunden an Körper und Geist ständig Pillen, um nicht vollends zu zerbrechen. Das ländliche New Mexico, in das er zurückkehrt, ist auf eigene Art ein Kriegsgebiet. Zwischen Wohnwagen und verfallenen Hütten trifft "White Trash" auf Native Americans, in einer Welt geprägt von Rassismus und Drogen, vor allem aber Gewalt. Gabriels kleiner Bruder will in die lokale „White Power“-Bewegung einsteigen und attackiert im Meth-Rausch mit seinen Freunden die Navajo aus der Nachbarschaft. Gabriels ... mehr

Film

Ausgebremste Ekstase

Hendrike Bake über So was von da

2011 hat Autor, Musikjournalist und Clubbetreiber (Uebel & Gefährlich) Tino Hanekamp den charmanten und sehr erfolgreichen Hamburger Kiezroman „So was von da“ veröffentlicht: Oskars Club-Projekt ist gescheitert, er muss dichtmachen. Und in der letzten Nacht, ausgerechnet einem Silvesterabend, kommt noch einmal alles zusammen, das Feiern und Verzweifeln, die besten Freunde und die wilden Nachtgestalten und Kiez-Kalle, der mit seinem Schlägertrupp droht, Oskars Finger zu brechen, wenn er nicht 10 Mille auf die Kralle kriegt. Ebenfalls seit 2011 dreht Jakob Lass, der von sich ... mehr

Veranstaltungen

HOMMAGE AN ROBBY MÜLLER

Am 7. Juli ist Robby Müller verstorben, der neben Michael Ballhaus wichtigste Kameramann des „Neuen deutschen Films“ und später des internationalen Independent-Films. Müller machte Licht und Bilder für Jim Jarmusch (DOWN BY LAW, MYSTERY TRAIN, DEAD MAN, GHOST DOG, COFFEE AND CIGARETTES), für Lars von Trier (BREAKING THE WAVES, DANCER IN THE DARK), für John Schlesinger, Andrej Wajda, Sally Potter, Alex Cox und Michael Winterbottom. Berühmt wurde Müller durch seine Zusammenarbeit mit Wim Wenders, die fast 30 Jahre dauerte: Von dem wegen ungeklärter Musikrechte selten ... mehr

Film

Violin-Virtuose im Alltag

Tom Dorow über Itzhak

Es ist nahezu unmöglich, Itzhak Perlmans Charme zu widerstehen. Der Violinvirtuose ist ein unprätentiöser, humorvoller und nachdenklicher Erzähler und Gesprächspartner, und Alison Cernick, die seit 2004 zahlreiche Künstlerporträts, unter anderem über Jeff Koons, Matthew Barney und Steve McQueen gedreht hat, zeigt Perlman vor allem in Gesprächen mit Freunden und Kollegen und bei der Arbeit, nie in Frontalinterviews. ITZHAK ist beinahe ein Alltagsporträt des Musikers, die Karrierehöhepunkte zeigt Cernick in einer kurzen Collage. Allmählich schälen sich Lebensthemen aus den ... mehr

Film

Zeitschleifen-Sekte

Tom Dorow über The Endless

Justin Benson und Aaron Moorhead haben begonnen, sich ein kleines Indie-Horror-Universum zusammenzubasteln. 2012 drehten sie ihren ersten Spielfilm RESOLUTION, in dem der mitteljunge Michael seinen Sandkastenkumpel Chris aus dem Drogenwahn befreien will. In der Umgebung einer heruntergekommenen Hütte finden sie Fotos, Videos und Filme, die Szenen ihrer eigenen Vergangenheit und Zukunft zeigen, bis das, was sie beobachtet und mit ihnen kommuniziert, sie offenbar vernichtet. RESOLUTION war ein wilder Medienmix, ein dreckiger kleiner, allerdings etwas studentischer Horrorfilm. Die zu ... mehr

Film

Alltägliche Hochspannung

Harald Mühlbeyer über Aus nächster Distanz

Der Mann auf dem Balkon gegenüber. Der Kioskverkäufer auf der Straße. Vielleicht auch der Nachbar, der freundlich grüßt. Hinter jedem kann ein tödlicher Feind stecken. Oder ein Helfer in der Not. Zwei Frauen sind zwei Wochen lang eingesperrt: Für Naomi (Neta Riskin) ein eigentlich einfacher Job – in der sicheren Wohnung in Hamburg soll die Mossad-Agentin die libanesische Hisbollah-Überläuferin Mona (Golshifteh Farahani) schützen. Doch Begriffe wie "einfach", "sicher" oder "Schutz" gelten nichts im unentwirrbaren Geflecht geheimdienstlicher Aktionen und Reaktionen. Geschickt spielt ... mehr

Film

Leben auf der Elektroschrotthalde

Hannes Stein über Welcome to Sodom

6000 Menschen leben auf der größten Elektronikmüllhalde der Welt im Stadtteil Agogbloshie von Accra. Sie nennen die einstige Lagune, die heute einer der giftigsten Orte der Welt ist, „Sodom”. Die österreichischen Dokumentarfilmemacher Florian Weigensamer und Christian Krönes haben drei Monate auf der Halde verbracht, obwohl mehr als zwei Stunden an diesem Ort als gesundheitsschädlich gelten. Sie haben einen unglaublichen Film zurückgebracht, der weniger von der Umweltkatastrophe handelt, die der Konsum der Industrienationen in Ghana verursacht, als von den Menschen, die auf der ... mehr

Indiekino Magazin

Interviews

Filme heute