Entfernung über GPS
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Regisseur Karim Ainouz lebt in der Nähe des Flughafens Tempelhof. Ein Jahr lang dreht er immer wieder den Alltag der Geflüchteten, die in den riesigen Hangars untergebracht sind und setzt ihr Leben in Kontrast mit den anderweitig Zugezogenen, die sich auf dem ehemaligen Flugfeld vergnügen.

Nach der Vorstellung am 14.7. (Samstag) kommt der Regisseur und die Hauptprotagonisten Ibrahim Al Hussein & Qutaiba Nafea ins Wolf Kino. mehr

Film

Großmeister des Glamours

Tom Dorow über Love, Cecil

Cecil Beatons Schwester Nancy schaukelt in einem Traum aus Zellophan-Folie in das Paradies der Kunststoff-Feen, 1929. Queen Elizabeth, vor einem hellblauen Hintergrund, in einem langen schwarzen Marinemantel mit goldenen Knöpfen, fast wehmütig nach links aus dem Bild blickend, statuarisch und sanftmütig, zugleich modern und deutlich auf Elizabeths militärische Vergangenheit verweisend: ein Bild der Herrschaft von Cecil Beaton, 1968. Seine Männer erst, die Glamourporträts von Gary Cooper, Marlon Brando oder Mick Jagger, die vor Erotik aus dem Rahmen zu springen scheinen. Lisa Immordino ... mehr

Veranstaltungen

Manga Monday: PATEMA INVERTED

Am Manga-Montag im Juni läuft SUMMER WARS (2009, OmU) von Mamoru Hosoda. Die schöne neue Digital-Kultur trifft hier auf eine traditionelle Großfamilie, die im Kampf gegen eine entfesselte Künstliche Intelligenz ihre Streitereien beilegen muss, um die Welt zu retten. Im Juli zeigt der Filmrausch das Langfilmdebüt PATEMA INVERTED (2013) von Yasuhiro Yoshiura, der als neuer Stern am Anime-Himmel gefeiert wird. Die junge Patema ist nicht nur außergewöhnlich neugierig, sie ist auch die Prinzessin einer Zivilisation, die tief unter der Erde in einem komplexen ... mehr

Film

Porträt des Avantgarde-Musikers

Yorick Berta über Ryuichi Sakamoto: Coda

Eine Coda bezeichnet in der Musiktheorie den separaten Schlussteil eines Stückes. Hier steht sie für das Spätwerk des japanischen Musikers und Komponisten Ryuichi Sakamoto, dem sich Stephen Nomura Schible in RYUICHI SAKAMOTO: CODA annähert. Sakamoto wurde in den 1970er Jahren als Teil vom Yellow Magic Orchestra bekannt, der japanischen Antwort auf Kraftwerk. Seit Mitte der 1980er widmete er sich der Filmmusik und schuf prägnante Scores, beispielsweise für DER LETZTE KAISER oder THE REVENANT.
Schible verzichtet auf eine streng lineare Erzählung des Lebens und Werks ... mehr

Film

Komplexes Porträt

Tom Dorow über Die Frau, die vorausgeht

1890 reist die Malerin Catherine Weldon nach Standing Rock, South Dakota, um ein Porträt des Lakota-Sioux Häuptlings Sitting Bull zu malen. Weldon gerät mitten ins Herz der Finsternis, in eine Situation, in der die US-Regierung die endgültige Vernichtung des Widerstandes der Allianz von Lakota, Cheyenne, Blackfeet und Arapaho plant, die von Sitting Bull angeführt wird. Catherine Weldon war eine historische Person, die tatsächlich als Privatsekretärin Sitting Bulls und Aktivistin der National Indian Defense Association agierte. DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT schildert eine komplexe ... mehr

Film

Höfliches Porträt

Hendrike Bake über Auf der Suche nach Ingmar Bergman

Als Margarethe von Trotta in den 1960er Jahren aus dem muffigen Deutschland nach Paris ging, lernte sie dort eine junge, aufregende Filmszene kennen, die sich um die Filmzeitschrift Cahiers du cinéma gebildet hatte – die Nouvelle Vague. Ein Idol der jungen Filmliebhaber war der schwedische Regisseur Ingmar Bergman (1918-2007), und als ihre neuen Freunde von Trotta ins Kino schleppten, um DAS SIEBENTE SIEGEL (1957) zu gucken, war das für sie die Initialzündung, selbst Regisseurin zu werden. Von Trottas Recherche zum 100sten Geburtstag Ingmar Bergmans orientiert sich an ihrem ... mehr

Film

Ständig pingt das Handy

Toni Ohms über LOMO – The Language of Many Others

LOMO, so heißt Karls Blog, der Titel steht für "The Language of Many Others" und Karl postet dort zum Beispiel Fotos von Menschen auf der ganzen Welt, die gerade dasselbe machen. Oder einen Link zu einem Video, das das gleiche Fleckchen Erde von immer weiter weg zeigt: Erst sieht man einen 1x1 Meter großen Ausschnitt, dann wächst der Ausschnitt auf 10x10, dann auf 100x100 und so weiter, bis man die ganze Erde vom All aus sieht. Schließlich ist sie nur noch als kleiner Punkt zu erkennen, dann gar nicht mehr. Klassisches Teenager-Lebensgefühl zwischen Größenwahn und Unsichtbarkeit ... mehr

Film

Verrottende Kolonialherrschaften

Tom Dorow über Zama

Der Kolonialbeamte Don Diego de Zama (Daniel Giménez Cacho) steht am Fluss und betrachtet das unspektakuläre Panorama. Als er sich umdreht, ist es, als würde ihn das Land auslachen. Er hört ein Kichern, kann es aber nicht verorten. Dann zeigt das Bild eine Gruppe nackter indigener Frauen, die sich vor dem Baden mit Schlamm einreiben, während sie Spanisch lernen. Zama beobachtet sie heimlich, bevor sie ihn entdecken und verspotten.

Lucrecia Martels Verfilmung des gleichnamigen Romans des argentinischen Autors Antonio di Benedetto aus dem Jahr 1956 erzählt die Kolonialgeschichte ... mehr

Film

Identitätsfindung

Toby Ashraf über Marvin

Der Unterdücker gibt dem Unterdrückten seine Identität, heißt es einmal in MARVIN, dem neuen Film der französischen Regisseurin Anne Fontaine (COCO CHANEL). Was das konkret für die schwule Hauptfigur Marvin Bijoux bedeutet, erfahren wir in Rückblenden. Das Wort „pédé“ (Schwuchtel) liest Marvin als Kind in einer Kleinstadt an der Bushaltestelle. In der Schule wird er bedrängt, beleidigt und sexuell angegriffen, was der Junge erst noch als erotische Fantasie umdeutet, bevor er als Erwachsener später in Paris selbst über Schwule schimpft. Unterdrücker sind nicht nur Mitschüler, ... mehr

Film

Ein Jahr in Tempelhof

Michael Meyns über Zentralflughafen THF

Die meisten Berliner kennen den Flughafen Tempelhof und insbesondere sein riesiges Feld vor allem als Naherholungsgebiet, das zum Radfahren, Picknicken und Sonnenbaden einlädt. Das in den riesigen Abfertigungs-Gebäuden ab 2015 hunderte Geflüchtete lebten, fand kaum Beachtung; der Zaun, der Feld von Hallen trennte, trennte auch zwei Welten, die wenig voneinander wussten.
Vielleicht bedurfte es daher auch eines Regisseurs von außen, der selbst einst ein Fremder in Berlin war, um einen Film über diesen Ort zu drehen: Karim Ainouz ist ein Brasilianer, der seit Jahren in Berlin lebt und mit ... mehr

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