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Slow

So nah und dann wieder so fern

SLOW, der litauische Oscar-Beitrag für 2024, ist ein romantisches Drama über die Liebe zwischen der Tänzerin Elena und dem asexuellen Gebärdendolmetscher Dovydas.

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Tänzerin Elena (Greta Grinevičiūtė) gibt einen Tanzworkshop für gehörlose Jugendliche und lernt so den Gebärdendolmetscher Dovydas (Kęstutis Cicėnas) kennen, der ihre Worte in Gesten übersetzt. Beide fühlen sich zueinander hingezogen. Als Dovydas sich als asexuell outet, ist Elena erst überfordert und fühlt sich abgewiesen. SLOW, der litauische Oscar-Beitrag für 2024, zeigt, wie die beiden sich einander annähern, wie sie mit viel Empathie, Zärtlichkeit und Humor versuchen, einander zu verstehen. Beide müssen sich die Frage stellen, welche Rolle Sexualität in ihrem Leben spielen kann oder sollte. Obwohl Elena modern und aufgeschlossen ist, möchte sie doch eigentlich gern einfach eine „normale“ Partnerschaft – so ganz realisiert sie nicht, dass sie sich in einer queeren Beziehung befindet.
SLOW ist nach SUMMER SURVIVORS der zweite Spielfilm von Marija Kavtaradze aus Vilnius, die auch das Drehbuch schrieb – eine fesselnde Regiearbeit mit klugen Dialogen. Metaphern umgeben die Erzählung, überall finden sich Parallelen zur Dynamik des Paares. Die beiden Hauptdarsteller*innen haben eine wahnsinnige Chemie und Körperpräsenz, die sie in fein choreografierten Tanz- und intimen Szenen zur Geltung bringen – etwa wenn Greta Grinevičiūtė im Studio und auf der Bühne mit vollem Körpereinsatz im Tanz aufgeht oder Kęstutis Cicėnas gefühlvoll und elegant ein Liebeslied in Gebärdensprache übersetzt. Der Soundtrack der schwedischen Künstlerin Irya Gmeyner alias April Snow streut etwas Feenstaub über die bodenständige, realitätsnahe Bildsprache.
Nah am Puls der Zeit und mit viel Sensibilität zeigt SLOW, wie eine Beziehung ihren Lauf nimmt, in der zwei sich oft so nah sind und dann wieder so fern. So wie eine Person in Lautsprache spricht und die andere in Gebärdensprache – eine ist nicht „richtiger“ als die andere, nur eben anders. Und manchmal, vielleicht auch nur für eine wunderbare Weile, versteht man einander ja doch.

Eva Szulkowski

Details

Litauen/Spanien/Schweden 2023, 108 min
Genre: Drama, Liebesfilm
Regie: Marija Kavtaradze
Drehbuch: Marija Kavtaradze
Kamera: Laurynas Bareiša
Schnitt: Silvija Vilkaite
Musik: Irya Gmeyner
Verleih: Edition Salzgeber
Darsteller: Greta Grineviciute, Kestutis Cicenas, Pijus Ganusauskas, Laima Akstinaite, Vaiva Zymantaite
FSK: 12
Kinostart: 21.03.2024

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IMDB

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Keine Programmdaten vorhanden.

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