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La Chimera

Fantastik meets Neorealismus

Rohrwachers Figuren jagen einem Wunschtraum nach, einer Chimäre. Dem schnellen Geld, der verlorenen Liebe, der Wiedervereinigung mit Verstorbenen oder einem sozialen Miteinander, das sich außerhalb des Kapitals bewegt.

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Das ländliche Italien stand bereits zweimal in Alice Rohrwachers Filmen im Mittelpunkt. 2014 in LAND DER WUNDER über eine Familie von Honigbauern und 2018 in GLÜCKLICH WIE LAZZARO auf den Tabakplantagen. LA CHIMERA soll nun diese Trilogie abschließen, mit einem Blick in die Welt toskanischer Grabräuber in den 1980er Jahren. Über allen drei Filmen steht die Frage nach dem Umgang mit der Vergangenheit, die sich nicht nur in die Menschen, sondern auch in das Land einschreibt. Auch hier vermischt Rohrwacher Realität mit poetischen, fast märchenhaften Elementen, trifft Fellinis Fantastik auf das Kino des italienischen Neorealismus.

In LA CHIMERA steht der Archäologe Arthur (Josh O’Connor) im Mittelpunkt. Er ist Engländer und Teil einer Gruppe von „Tombaroli“, Grabräuber*innen, die etruskische Grabbeigaben aus dem toskanischen Boden heben und an den geheimnisvollen Kunsthandelnden Spartaco (Alba Rohrwacher) verkaufen. Arthur ist dafür im Gefängnis gelandet und kehrt nun zurück in das kleine Städtchen auf dem Hügel, wo seine Bande wartet. Der Empfang ist groß, denn der Engländer hat eine besondere Gabe. Er spürt mit Hilfe einer Wünschelrute die antiken Grabkammern auf. Aber Arthur hatte nicht nur seine Freiheit verloren, sondern auch seine große Liebe Beniamina. Die sucht ihn in Tag- und Nachtträumen heim und lebt in seinem Kopf auf dem heruntergekommenen Schloss ihrer Mutter Flora (Isabella Rossellini) weiter. Dort trifft Arthur auch Italia (Carol Duarte), Gesangsschülerin und unbezahltes Dienstmädchen der ehemaligen Opernsängerin Flora, die als Einzige nicht nach Geld oder Vergangenem zu streben scheint, sondern eine gute Zukunft für sich und ihre beiden Kinder will.

Rohrwachers Figuren jagen alle einem Wunschtraum nach, einer Chimäre. Dem schnellen Geld durch den Verkauf gestohlener Kunst, die eigentlich Gemeingut ist, der verlorenen Liebe, der Wiedervereinigung mit Verstorbenen oder einem sozialen Miteinander, das sich außerhalb des Kapitals bewegt. Das erzählt die Regisseurin und Autorin mit melancholisch zwinkerndem Humor und nostalgisch wirkenden Bildern in körnigem Film. Immer wieder bricht sie dabei selbst die Trugbilder, etwa wenn die charmante Bande der Tombaroli ihre Fratze der Gier nach dem Fund eines reich bestückten Grabes zeigt oder im gehässigen Umgang mit Italia, die trotz ihres Namens eine Fremde mit seltsamem Akzent ist: eine, die nicht dazu gehört und gefoppt und ausgebeutet werden kann. LA CHIMERA ist eine Parabel auf die Ausbeutung von Mensch und Boden, die mit Wärme und Witz an das Zwischenmenschliche erinnert.

Clarissa Lempp

Details

Originaltitel: La chimera
Italien/Frankreich/Schweiz 2023, 130 min
Genre: Drama
Regie: Alice Rohrwacher
Drehbuch: Alice Rohrwacher, Carmela Covino, Marco Pettenello
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Nelly Quettier
Verleih: Piffl Medien
Darsteller: Josh O'Connor, Isabella Rossellini, Alba Rohrwacher, Luca Chikovani, Carol Duarte, Julia Vella, Vincenzo Nemolato
FSK: 12
Kinostart: 11.04.2024

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La Chimera

(La chimera) | Italien/Frankreich/Schweiz 2023 | Drama | R: Alice Rohrwacher | FSK: 12

Rohrwachers Figuren jagen einem Wunschtraum nach, einer Chimäre. Dem schnellen Geld, der verlorenen Liebe, der Wiedervereinigung mit Verstorbenen oder einem sozialen Miteinander, das sich außerhalb des Kapitals bewegt.

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