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Jesus Shows You The Way To The Highway

Cyberpunk-Afrofuturismus-Thriller

Der Cyber-Agententhriller nimmt die Realitätszertrümmerung ernst. Hier gibt es keinen verlässlichen Retter, keine ultimative Wahrheit, sondern nur die nächste Übergangsrealität, die sich aus 80er-Popkultur, Afrofuturismus, estnischem Brutalismus und spanischer Chiptunemusik speist.

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MATRIX zeigte 1999 den Cyberspace als begehbare Realität, aber die mindbending Impulse liefen bei den Wachowskis vor allem auf ein teures Effektspektakel mit einer attraktiven, weißen Jesusfigur und einer reaktionär klaren Moralität hinaus. JESUS SHOWS YOU THE WAY TO THE HIGHWAY von Miguel Llansó leistet sich nichts dergleichen. Sein Held ist D.T. Gagano, ein kleiner, dunkelhäutiger CIA-Agent mit verkrümmtem Rückgrat und Rückenschmerzen. Eine letzte Mission wird er noch in die virtuelle Welt des „Psychobook“ unternehmen, eine virtuelle Realität, in der Menschen sich wie Stop-Motion-Puppen bewegen, denen man Pappmasken von Stars aufgeklebt hat. Nach der Mission will er kündigen und mit seiner walkürenhaften Freundin Malin eine Pizzeria eröffnen, doch er wird vorher vom sowjetischen Computervirus Stalin gefangen genommen. Stalin braucht Gaganos Codes, um Psychobook zu zerstören, aber der Agent ist auch wichtig für einen Staatsstreich in Beta-Äthiopien, bei dem der kungfukämpfende Präsident Batfro (im rechtlich abgesicherten BATMAN-Kostüm) gestürzt werden soll, oder er ist der Messias, oder er trifft auf den Messias (der aber sagt, er wäre es gar nicht), und dann kommen noch zwei riesige Fliegenmenschen vor. Und kurz darauf wird es richtig kompliziert ...
JESUS nimmt die Realitätszertrümmerung ernst. Hier gibt es keinen verlässlichen Retter, keine ultimative Wahrheit, sondern nur die nächste Übergangsrealität, die sich aus 80er-Popkultur, Afrofuturismus, estnischem Brutalismus und spanischer Chiptunemusik speist. Bei aller Absurdität und dem DIY-Charme der Effekte wird der Film nie zur Parodie, auch wenn die interne Handlungslogik nicht gleich offensichtlich ist. Sollte der Filmgenuss also auch die „einvernehmliche Halluzination“ sein, als die der Cyberpunk-Urvater William Gibson seine „Matrix“ beschrieb, ist JESUS visionärer und näher an dessen Essenz als es glatte Hollywoodproduktionen je wagen würden.

Christian Klose

Details

Estland/Äthiopien 2019, 83 min
Sprache: Englisch
Genre: Action, Komödie, Science Fiction
Regie: Miguel Llansó
Drehbuch: Miguel Llansó
Kamera: Israel Seoane, Erik Põllumaa, Michael Babinec
Schnitt: Michael Babinec
Musik: Atomizador, Bill Dixon, Grosgoroth
Verleih: rapid eye movies
Darsteller: Daniel Tadesse, Guillermo Llansó, Agustín Mateo, Aris Rozentals
Kinostart: 10.12.2020

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