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Die Wand der Schatten

Heiliger Berg

Für die Sherpas verbietet es sich eigentlich, den heiligen Berg Kumbhakarna zu besteigen, aber die Familie braucht Geld und erklärt sich schließlich doch bereit, eine Gruppe aus drei europäischen Bergsteigern zu begleiten.

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Schnee kommt auf. Der Wind peitscht auf die Zeltplanen ein und lässt die Gebetsfahnen wie Gewehrfeuer knattern. Die kleine Sherpa-Familie – Vater Ngada, Mutter Jomdoe und der 16-jährige Dawa - sichern die Zelte des Basislagers mit zusätzlichen Leinen und Steinen, während sich der Himmel immer mehr verfinstert. Im Hintergrund ragt düster und unheilverkündend der fast 7.710 Meter hohe Berg Kumbhakarna auf, der im Westen auch Jannu genannt wird.
Von Anfang an stand die Expedition unter keinem guten Stern: Für die Sherpas verbietet es sich eigentlich, den heiligen Berg zu besteigen, aber die Familie braucht Geld, denn Dawa möchte gerne studieren und Arzt werden und nicht Bergführer wie sein Vater, und so erklärt sich Ngada schließlich doch bereit, eine Gruppe aus drei Europäern – dem polnischen Bergsteiger Marcin Tomaszewski und den beiden Russen Dmitrij Golowtschenko und Sergej Nilow – bei der Besteigung der "unbezwungenen" 3000 m hohen Ostwand des Kumbhakarna zu begleiten. Auf dem Weg zum Basislager springen wegen der schlechten Bedingungen die Träger ab, und auch unter den Alpinisten ist die Stimmung angespannt. Schließlich verschlechtert sich das Wetter weiter, und die erfahrenen Sherpas haben immer mehr Bedenken, unter diesen Umständen den Aufstieg zu wagen. Inmitten des Dramas der Berglandschaft, dass sich in atemberaubenden Bildern und beeindruckenden Soundcollagen entfaltet, spielt sich ein viel stilleres und nicht weniger existentielles Drama ab. Die Dokumentarfilmerin und Alpinistin Eliza Kubarska beobachtet bzw. inszeniert in ruhigen Einstellungen die frappierende Diskrepanz zwischen den Sherpas, die einen bescheidenen Alltag im Einklang mit den Bergen führen, und den per Hubschrauber eingeflogenen Bergtouristen mit der High-End Ausstattung, die eben mal einen Rekord aufstellen wollen.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Wall of Shadows
Schweiz/Polen/Deutschland 2020, 94 min
Sprache: Tibetisch, Nepali, Englisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Eliza Kubarska
Drehbuch: Eliza Kubarska, Piotr Rosolowski
Kamera: Keith Partridge, Piotr Rosolowski
Schnitt: Barbara Toennieshen
Musik: Marcel Vaid
Verleih: Rise and Shine Cinema
Kinostart: 17.12.2020

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