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Filmkritik

Unkonventionelle Königin

Harald Mühlbeyer über The Girl King

Anders als sein Bruder Aki inszeniert Mika Kaurismäki keine skurrilen Filme mit skurrilen Gestalten in skurrilen Geschichten. Doch er legt mit der multinationalen Produktion THE GIRL KING über die schwedische Königin Kristina, die 1632 mit nur sechs Jahren zur Thronfolgerin wird, trotz Kostümen, Schlössern und Historie auch keinen konventionellen Geschichtsfilm vor. Es gibt keinen schurkischen Bösewicht, obwohl wir es bei Hofe natürlich mit allerlei Intrigen und Machtspielen zu tun haben. Die großen weltgeschichtlichen Ereignisse werden beiläufig erzählt: Die Verhandlungen um den ... mehr

Filmkritik

Berichte aus dem „Sechs-Tage-Krieg“

Christian Horn über Censored Voices

Der Krieg, den Israel im Juni 1967 gegen Ägypten, Syrien und Jordanien führte, dauerte nur sechs Tage. In dieser kurzen Zeit verdreifachte Israel sein Staatsgebiet und eroberte unter anderem das Westjordanland, die Jerusalemer Altstadt samt Klagemauer und den Gazastreifen. Entsprechend euphorisch bejubelte die Bevölkerung den militärischen Triumph: „Dem Sieger ein Lobeslied, lobet den Herrn, ganz Israel“ lautet der Text einer fröhlichen Ballade, die Mor Loushy zum Auftakt ihres Dokumentarfilms CENSORED VOICES einspielt. Am Rande des Siegestaumels zeichnete der Schriftsteller und ... mehr

Filmkritik

Griesgram und Versagerin

Toni Ohms über Frühstück bei Monsieur Henri

FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI basiert auf dem robusten Boulevard-Theaterstück „Die Studentin und Monsieur Henri“ von Ivan Calbérac, der sein Stück selbst für den Film adaptierte und auch Regie führte. Einige der farcehaften Theaterelemente haben es auch in die Filmfassung geschafft, allen voran natürlich die, bei näherer Betrachtung, ziemlich verwegene Plotkonstruktion. Die junge Constance (Noémie Schmidt) geht aus Orléans nach Paris, um zu studieren, vor allem aber, um einer Zukunft als Gemüsehändlerin zu entgehen. Die Chancen dafür stehen nicht gut: als wir Constance ... mehr

Filmkritik

Bedrohlicher Unterton

Sebastian Markt über Ma Folie

Eine Reise nach Paris, ein Abend in einem Café, ein Blick, viele Blicke die sich treffen, bis man sich in den nächtlichen Straßen gegenübersteht. Im Urlaub lernt Hanna (Alice Dwyer) Yann (Sabin Tambrea) kennen. Ihre Geschichte beginnt als Romanze, in flüchtigem Glück, zwischen zwei Städten, bevor Hanna wieder nach Wien zurückkehrt, wo sie lebt. Dorthin schickt ihr Yann Liebesbriefe in der Form von Videos, die er mit seinem Handy dreht, poetisch-assoziative Vignetten von Verliebtheit und Verführung. Hanna ist angehende Psychotherapeutin und arbeitet in einer Einrichtung für Kinder, ... mehr

Filmkritik

Wanderung mit Prachtkuh

Jutta Vahrson über Unterwegs mit Jacqueline

Keine Autoverfolgungsjagden. Keine Verschwörung. Keine UFOs, keine Aliens, keine Zauberer und auch kein Sex. Dies ist ein Spielfilm über eine Kuh. Das war auch der Originaltitel in Frankreich, LA VACHE. Der deutsche Verleihtitel UNTERWEGS MIT JACQUELINE trifft es ebenfalls. Denn dieses Reisemovie begleitet den Kuhbesitzer mit seinem friedfertigen Tier auf einer Wanderung - hier und da ergänzt um Mittelmeerfähren oder Tiertransporter - vom Hinterland Algeriens bis in den Norden Frankreichs. Wo andere Wallfahrtsorten entgegen pilgern, hat diese Tour ein ganz eigenes Ziel.
Die Komödie des ... mehr

Filmkritik

Sung Hyung Cho in Nordkorea

Christian Horn über Meine Brüder und Schwestern im Norden

Ihrem eigenen Bekunden nach dreht die Südkoreanerin Sung Hyung Cho, die seit vielen Jahren in Frankfurt am Main lebt, Heimatfilme. Mit der beschwingten Erfolgsdoku FULL METAL VILLAGE über das Heavy-Metal-Festival in Wacken landete sie 2007 einen ersten Hit, bevor sie in ENDSTATION DER SEHNSÜCHTE und VERLIEBT, VERLOBT, VERLOREN die deutsch-koreanische Geschichte auslotete. Ihr neuster Dokumentarfilm führt Sung Hyung Cho nach Nordkorea, in ein abgeschottetes Land. Um dort einreisen zu dürfen, nahm Sung Hyung Cho die deutsche Staatsbürgerschaft an, da Südkoreaner das Land nicht betreten ... mehr

Filmkritik

Knackige Militarismus-Satire

Christian Horn über Atomic Falafel

Ein knallroter Imbissbus in der israelischen Wüste. Darin sitzen Mimi (Mali Levi) und ihre 15-jährige Tochter Nofar (Michelle Trevis), die ihre Falafel mit extrascharfer Soße an die Soldaten aus der Militärbasis nebenan verkaufen. Dort befürchten einige durchgeknallte israelische Militärs und Politiker einen iranischen Atomangriff und beschließen, binnen 72 Stunden einen atomaren Präventivschlag auf den Erzfeind zu starten. Parallel zu den hektischen Vorbereitungen unter der Aufsicht des nationalistischen Kommandeurs Haim (Shai Avivi) trudelt eine internationale Atomenergie-Kommission ... mehr

Filmkritik

Knallhart am Klischee vorbei

Tom Dorow über Toni Erdmann

So viele Fallstricke: zweieinhalb Stunden Komödie, eine Vater-Tochter-Geschichte, der Vater Winfried ein freundlicher Melancholiker, der durch kleine Blödeleien überlebt, hart am beliebten Klischee des Alt-68ers entlang, der die Lebensrealitäten des beschleunigten Kapitalismus verkennt. Die Tochter Ines eine knallharte Geschäftsfrau, knallhart am Klischee der verbitterten, erfolgreichen, einsamen Frau entlang. Maren Ades TONI ERDMANN gleitet diskret am Klischee vorbei. In jedem anderen Film würde Ines irgendetwas finden, das auch die Zuschauer und Zuschauerinnen erlöst: die Liebe, ihr ... mehr

Filmkritik

Ein Büffel weint

Jan Künemund über Bella e Perduta – Eine Reise durch Italien

In San Tammaro, nördlich von Neapel, verteidigt ein einzelner Schafhirte ein Bourbonenschloss, dessen Pracht durch Plünderung, Vernachlässigung und Missbrauch als Camorra-Versteck dem Verfall anheimgegeben ist. Er kann die Schönheit nicht sterben sehen. Eines Tages findet er ein verwaistes Büffelkalb, rettet es vor dem Schlachter und zieht es mit der Flasche auf. Bis hierher ist BELLA E PERDUTA ein Dokumentarfilm über einen einfachen Mann, Tommaso Cestrone, der einen Palast und ein Tier bewacht, in einer Landschaft, die von jahrzehntelanger illegaler Müllentsorgung vergiftet ist. ... mehr

Filmkritik

Susan Sarandon mischt sich ein

Toni Ohms über Mit besten Absichten

Der englische Titel von MIT BESTEN ABSICHTEN heißt THE MEDDLER, die Einmischerin. Susan Sarandon spielt diese Einmischerin, die energiegeladene New Yorker Witwe Marnie, die nach Los Angeles zieht, vorgeblich um ihre erwachsene Tochter Lori (Rose Byrne) zu „unterstützen“, eigentlich aber, um der Leere zu entkommen, die nach dem Tod ihres Mannes entstanden ist. Marnie ist die Sorte von fröhlicher Plaudertasche, die nach dem dritten Besuch im Apple Store – „Wie mache ich das Bild noch einmal größer? Fantastisch! Sie sind ein Genie!“ – den jungen Serviceangestellten zu ihren ... mehr

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