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Filmkritik

Leben im Belagerungszustand

Lili Hering über Innen Leben – Insyriated

Fünf abgedunkelte Zimmer, ein Bad und eine Küche mit beengten Fenstern zur Welt: Das ist der ganze, sichtbare Kosmos, in dem sich Philippe Van Leeuws INNEN LEBEN (INSYRIATED) innerhalb eines Tages abspielt. Virginie Surdejs Kamera verschanzt sich hinter Vorhängen, blickt durch Schlitze, Türspalten, Gitter auf das Draußen, das aus Trümmern und Ruinen – den Überresten einer Stadt – besteht.

Damit übernimmt sie konsequent die Sicht ihrer Protagonisten: Familienmutter Oum Yazan und ihre drei Kinder Yara, Aliya, Yazan, ihr alter Schwiegervater, der Freund ihrer Tochter, die ... mehr

Filmkritik

Disney als Tür zur Welt

Matthias von Viereck über Life, Animated

Wie grausam, wie unerträglich muss es für Eltern sein, wenn ein quirliger, wacher Dreijähriger seine mühsam erworbenen sprachlichen Fähigkeiten jäh wieder einbüßt? Wenn er gar, wie im Falle des Owen Suskind, Protagonist dieses Dokumentarfilms, komplett mit dem Sprechen aufhört. Ärzte diagnostizieren eine tief greifende Entwicklungsstörung, Autismus. Jahre vergehen, in denen Owen sich nicht nur immer mehr von der Außenwelt abkapselt, sondern er zudem von anderen Kindern gehänselt wird. Vater Ron Suskind aber, auf dessen Buch dieser Film basiert, macht sich zusammen mit seiner Frau ... mehr

Filmkritik

Wertschätzung, Respekt und Ernstnehmen

Hannes Stein über ACT! Wer bin ich?

Rosa von Praunheim begleitet die Theaterpädagogin Maike Plath bei einer Produktion ihrer Neuköllner Jugendtheater-Gruppe ACT. Maike Plath war Lehrerin an einem Gymnasium in Schleswig-Holstein, bevor sie 2005 an eine Hauptschule nach Neukölln wechselte. Dort entwickelte sie die Grundlagen ihrer theaterpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen, geriet aber auch mit der Schulleitung aneinander. Sie solle ihre „Privatvergnügungen“ gefälligst außerhalb der Schule betreiben, und ordentlich den Stoff vermitteln, wurde ihr mitgeteilt. Plath verließ den Schuldienst. Ihre Arbeit führt sie ... mehr

Filmkritik

Die Mütter der Mafia

Christian Klose über Das Land der Heiligen

In einem Küstenort in Kalabrien treten zwei Frauen eine neue Lebensphase an: Die getriebene Staatsanwältin Vittoria ist aus Norditalien gekommen, um die Strukturen der `Ndragheta aufzubrechen. Wie gefährlich das ist, merkt sie nicht erst, als sie die erste anonyme Botschaft bekommt. Fest in diesen Strukturen steckt Assunta, die nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes mit seinem Bruder Nando zwangsverheiratet werden soll. Glücklich darüber sind weder sie noch Nando, aber der Boss will, dass die Familie zusammengehalten wird. Als Nando bei einem Anschlag auf Vittoria festgenommen wird und ... mehr

Filmkritik

Cyrano de Bergerac digital

Lars Tunçay über Monsieur Pierre geht online

Pierre Richard war in den frühen Achtzigern für viele die erste Berührung mit dem französischen Kino. Sein stilles, körperbetontes Spiel stand im Gegensatz zum aufbrausenden Naturell seines Landsmannes Louis de Funès. DER GROSSE BLONDE MIT DEM SCHWARZEN SCHUH machte ihn zur Legende. In den folgenden Jahrzehnten wurde es ruhig um ihn. Stéphane Robelin holte ihn für seine Ensemblekomödie UND WENN WIR ALLE ZUSAMMENZIEHEN? zurück ins Kino. Richard versprach ihm damals eine erneute Zusammenarbeit und so schrieb ihm Robelin den Monsieur Pierre auf den Leib. Der Witwer lebt einsam in ... mehr

Filmkritik

Einfühlsam

Harald Mühlbeyer über Ich wünsche dir ein schönes Leben

Beim Amt hat Elisa keine Chance: Sie wird nicht erfahren, wer ihre leibliche Mutter ist. Denn die meldet sich nicht, und ohne Zustimmung ist nichts zu machen, auch nach über 30 Jahren. Schnitt. Wir folgen einer älteren Frau auf die Arbeit als Putzfrau und Mensa-Bedienung in einer Schule. Sie wohnt mit ihrer Mutter zusammen, hat zwei Hunde, wohnt in Dünkirchen… Es gehört nicht viel dazu, eins und eins zusammenzuzählen. Elisa jedenfalls reist hierher, in ihre Geburtsstadt, sie will es wissen - und wird aus eigener Kraft nichts erfahren.
ICH WÜNSCHE DIR EIN SCHÖNES LEBEN, der zweite ... mehr

Filmkritik

Unerschütterliche Liebe

Tom Dorow über Loving

Einen stilleren und zarteren Film über die Bürgerrechtsbewegung hat es noch nicht gegeben. Jeff Nichols LOVING erzählt die Geschichte von Mildred und Richard Loving, deren Gerichtsprozess „Loving gegen den Staat Virginia“ das Verbot von sogenannten „Mischehen“ zwischen Weißen und Schwarzen in den letzten Bundesstaaten der USA beendete. LOVING entwirft aber auch ein Konzept der Liebe, dass dem Kino sonst fremd ist. In Nichols Film gibt es keine großen, dramatischen Szenen zwischen Ruth und Richard, keine melodramatischen Liebeserklärungen. Nicht einmal wie die beiden sich ... mehr

News

Mitternachtskino mit Berlinklassikern

täglich im Kino Intimes

Manche Filme haben bereits wohlverdient ihren Klassiker-Status erreicht und dennoch gibt es viele Menschen, die sie noch nicht gesehen haben, erneut schauen wollen oder anderen als Empfehlung ans Herz legen möchten. Andere Filme blieben feine Geheimtipps für einen lokalen Markt und verdienen auch Jahre später noch eine gesteigerte Aufmerksamkeit, um sie einem größeren Publikum sichtbar zu machen. mehr

News

Back on Location

Filme kehren an ihre Drehorte zurück

"Back on Location" ist vielleicht die hübscheste Idee der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) zur 50-Jahrfeier: Filme kehren in die Bezirke zurück, in denen sie gedreht wurden, z.b. nach Neukölln (Klunkerkranich), Kreuzberg (Eiszeit Kino), Mitte (Filmrauschpalast Moabit) und Charlottenburg (KLICK Kino). mehr

Filmkritik

Essen, Gärtnern, Fliegen

Hendrike Bake über Der wunderbare Garten der Bella Brown

Der deutsche Titel von MY BEAUTIFUL FANTASTIC spielt nicht umsonst auf DIE WUNDERBARE WELT DER AMELIE an. BELLA BROWN fährt die volle Niedlichkeitsattacke und entwirft eine poppig bunte Zauberwelt, in der das Wünschen noch hilft. Bella (Jesssica Brown Findlay - Lady Sybil aus „Downton Abbey“), einst als Findling bei Nonnen aufgewachsen, und jetzt eine junge Frau mit Hut und einem Faible für Grau, hat zwei Obsessionen und einen großen Wunsch: Sie sortiert ständig alles bis hin zum Essen auf ihrem Teller, sie hasst die Natur und sie möchte Kinderbücher schreiben. Aber wenn sie ... mehr

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