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Filmkritik

Völkerverständigung

Hendrike Bake über Westend

Sigi und Conny und ihre 18-jährige Tochter Miriam bewohnen eins von diesen weißen Würfel-Gründerzeit-Häusern im Westend. Ihre Hippievergangenheit sieht man an den zahlreichen Halsketten, die Conny trägt, an ihren weiten Röcken und am weitgehend naturbelassenen Garten. Wenn die Familie zum Familienmeeting zusammen kommen soll, erfolgt die Einberufung per Gong. Die Stimmung in der Familie ist so lala, Miriam ist gerade mit der Schule in Zürich und wird ohnehin bald das Haus verlassen und zwischen den Eheleuten ist ein bisschen die Luft raus. Aus dieser Leerstelle, so legt es der Film ... mehr

Filmkritik

Radikalisierte Frauen

Christian Horn über Der Himmel wird warten

Die 16-jährige Mélanie (Naomi Amarger) sitzt in ihrem Klassenzimmer, kann sich aber kein Stück auf die Ausführungen ihrer Lehrerin konzentrieren. Mehdi, der Junge mit dem Löwen als Profilbild, schickt ihr im Sekundentakt Nachrichten via Facebook, die sie gewissenhaft beantwortet. Nach dem Tod ihrer Oma fand ihre Internet-Bekanntschaft die richtigen Worte, inzwischen hat der Anwerber des "Islamischen Staats" die Schülerin am Haken. Zum Islam konvertiert ist sie schon, über Skype wurde geheiratet, nun soll es nach Syrien gehen. Denselben Prozess hat die 17-jährige Sonia (Noémie ... mehr

Filmkritik

Engagement, Ökonomie und Medienwirklichkeit

Tom Dorow über Orientierungslosigkeit ist kein Verbrechen

Der größte Teil von ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT spielt sich in Griechenland ab, im Jahr 2014. Eine deutsche Journalistin recherchiert für eine Story irgendwas mit Flüchtlingen und Überwachung. Dabei trifft sie auf eine deutsche Aktivistin, mit der sie dann gemeinsam durch die Gegend stapft. Wie immer bei Turanskyj führen die Darsteller ihre Rollen mehr vor, als dass sie sie verkörpern. Ihre Handlungen verweisen immer auf irgendeine naheliegende Bedeutung, psychologisch motiviert ist nichts. Darüber hinaus werden die Szenen zweimal durch eine Art Chor nackter Männer gebrochen. Die ... mehr

Interview

„Im Vordergrund unserer Zusammenarbeit stand immer der Dialog“

Interview mit Céline Sciamma

Als Regisseurin und Drehbuchautorin hat Céline Sciamma mit WATER LILIES (2007), TOMBOY (2011) und BANDE DES FILLES (2013) bereits mehrfach Geschichten über jugendliche Befindlichkeiten gedreht. Im sensibel beobachteten WATER LILIES ging es um eine Gruppe von 15-jährigen Mädchen, den ersten Sex und Synchronschwimmen. mehr

Filmkritik

Spielball der Götter

Christian Klose über Der Hund begraben

Hans Waldmann (Justus von Dohnányi) ist ein Mensch, so leer und langweilig wie das Papier, das seine Firma herstellt. Er geht seinem Beruf ohne Ambition nach, hat keine Hobbies, ist bei bester Gesundheit und hat doch das Gefühl, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt. Als ihm überraschend gekündigt wird, weiß er nichts mit sich anzufangen, zieht wie immer seinen Anzug an und tut so, als ginge er zur Arbeit. Seiner Familie kann er sich nicht mitteilen, aber die interessiert sich ohnehin nicht für ihn: Ein süßer Streuner, der unvermittelt auftaucht, bekommt sofort mehr Aufmerksamkeit, ... mehr

Filmkritik

Streitbar

Lars Tunçay über Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens

Er ist der Stachel in der Ferse des Kapitalismus. Ein glühender Kämpfer gegen den
Hunger in der Welt, den er als Wurzel allen Übels erkennt. Ein aufrechter Kommunist und Bestsellerautor. Es ist leicht, einen Dokumentarfilm über Jean Ziegler zu drehen. Geboren in Thun, in gut situierten Verhältnissen, treibt es ihn bald raus aus der protestantischen Enge der Heimat in die Welt. Er geht als UN-Experte nach Afrika und erlebt dort die Schrecken der Diktatur unter Mobutu. Er war befreundet mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir und Chauffeur von Che Guevara, als Professor für ... mehr

Filmkritik

Die Logik der Lebensmittelproduktion

Jens Mayer über Bauer unser

Spezialisierung, Masse, Technisierung: Das Image vom beschaulichen Bauernhof mit einer Diversität von Tieren, zu denen der Bauer ein geradezu familiäres Verhältnis pflegt, ist eine Illusion, die eigentlich nur durch die Werbeindustrie aufrechterhalten wird, um den Konsumenten eine märchenhafte Idylle zu suggerieren, die mit der Realität der modernen Landwirtschaft nicht das Geringste zu tun hat. Dass diese Erkenntnis eine Binsenweisheit ist, ein offenes Geheimnis, das wir dennoch lieber verdrängen als zu hinterfragen, macht Filme wie BAUER UNSER umso dringlicher. Denn letztlich ist es ... mehr

Filmkritik

Brausefahrt

Lars Tunçay über Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

Vor drei Jahren wurde die Adaption von Jonas Jonassons Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ zu einem internationalen Hit. Allein in Deutschland schauten sich 1,2 Millionen Kinogänger*innen die Abenteuer von Allan Karlsson und seinen Reisebegleitern an. Regisseur Felix Herngren inszenierte nun eine Fortsetzung, die ohne Vorlage auskommen muss, aber ähnlich unterhaltsam daherkommt. Robert Gustafsson gibt wieder gut geschminkt den mittlerweile 101-Jährigen, der sich nach Bali abgesetzt hat und es sich dort mit seinem Kumpel Julius (Iwar Wiklander) und dem ... mehr

Filmkritik

Liebe oder Sextourismus?

Antonia Wolff über Happy

Ein sechzigjähriger deutscher Mann möchte eine junge Thailänderin heiraten. Sie ruft ihn täglich an, damit er pünktlich zur Arbeit kommt. Er schickt ihr monatlich Geld. Was zunächst nach einem handfesten Klischee klingt, erzählt HAPPY als mutige und sehr persönliche Familiengeschichte, denn Dieter Genreith ist der Vater der Regisseurin Carolin Genreith. Diese ist als kritische und besorgte Tochter auch Protagonistin des Films und nimmt so eine schwierige Doppelrolle ein, will sie dem Film und ihrem Vater gerecht werden. Sehr deutlich wird das gleich am Anfang, wenn sie ihren Vater ... mehr

Filmkritik

Ikone des Widerstandes

Yorick Berta über Pawlenski – Der Mensch und die Macht

Kein anderer zeitgenössischer Künstler durchschaut und instrumentalisiert die politische Wirkmacht von Bildern so sehr wie der Russe Pjotr Pawlenski. Als Aktionskünstler trat er erstmals 2012 in Erscheinung, als er mit einem Schild vor einer Kathedrale in Sankt Petersburg Solidarität mit den Mitgliedern von Pussy Riot demonstrierte – mit eigenhändig zugenähtem Mund. Das bei dieser Aktion entstandene Bild wurde zu einer Ikone des Widerstandes im zunehmend repressiv regierten Russland. In den nächsten Jahren ließ Pawlenski im Namen der Kunst und der politischen Aufklärung weitere ... mehr

Indiekino Magazin

Interviews

Filme heute