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Filmkritik

Kunstkritisches Kunstkino

Hendrike Bake über The Square

Der diesjährige Gewinner von Cannes ist, je nach Sichtweise, eine Satire auf den Kunstbetrieb oder selbst ein Stück Performance-Kunst. Wie schon in HÖHERE GEWALT knüpft sich Östlund auch diesmal wieder bürgerliche Befindlichkeiten vor, und wieder ist ein Mann in der Krise. Christian – immer top gekleidet auf der Grenze zwischen schick und lässig - ist Kurator eines großen Museums. In der neuen Ausstellung „The Square“, soll es um das soziale Miteinander gehen. Zentrales Ausstellungsstück ist ein im Boden eingelassenes Quadrat mit der Aufschrift „The Square ist ein ... mehr

Filmkritik

Unterm Brennglas

Sarah Amir, Kairo über Clash

Der ägyptische Film CLASH von Mohammed Diab kam in Ägypten 2016 in die Kinos, nachdem er für den Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes ausgewählt worden war und dort beachtliche internationale Anerkennung erhalten hatte. In Ägypten lief der Film sehr erfolgreich im Kino, weil das Thema und die Repräsentation verschiedener Charaktere und Gruppen – vor allem der Polizei und der Muslim-Bruderschaft – große Aufmerksamkeit generierten. CLASH ist Diabs zweiter Film, nach seinem Debüt CAIRO 678, in dem es um die sexuelle Belästigung von Frauen in Ägypten ging.

CLASH beginnt in einem ... mehr

Filmkritik

Porträt des Geigenvirtuosen

Jens Mayer über Daniel Hope – Der Klang des Lebens

Es ist kein Wunder, dass sich der Hamburger Autor und Filmemacher Nahuel Lopez bei seinem zweiten Dokumentarfilm für ein Porträt des 44-jährigen Geigenvirtuosen Daniel Hope entschieden hat: Der im südafrikanischen Durban geborene Musiker wächst nach der Flucht seiner regimekritischen Eltern vor dem Apartheidsregime in London auf, wo er als kleiner Junge eher zufällig im Hause des großen Yehudi Menuhin mit der Leidenschaft für die Königin der Streichinstrumente infiziert wird. Während es mit seiner Karriere steil bergauf geht, erfährt er zudem von der Geschichte seiner jüdischen ... mehr

Filmkritik

Tennis als Psycho-Druckkammer

Tom Dorow über Borg/McEnroe

Tennis ist keine filmaffine Sportart. Es gibt legendäre Baseball-, Football-, Basketball-Filme, Tanz-, Segel-, Box- und sogar ganz ordentliche Fußball-Filme, aber keine legendären Tennisfilme. Tennis ist für die Filmkamera schwer einzufangen, die Bewegungsabläufe sind schwierig nachzustellen und kaum fragmentierbar wie etwa ein Boxhieb oder ein Football-Pass. Beim Tennis braucht man das ganze Bild und die ganze Dauer, um die Dramaturgie zu verstehen. Nun kommen im Oktober zwei Filme über Tennislegenden ins Kino. BATTLE OF THE SEXES startet im November und erzählt eine feministische ... mehr

Filmkritik

Hochkultur bis zum Abwinken

Tom Dorow über Happy End

Michael Hanekes Film HAPPY END beginnt mit Handybildern, wahrscheinlich einer französischen Snapchat-Variante. Die zwölfjährige Éve Laurent beobachtet gelangweilt die Routine ihrer Mutter im Bad und beim Gemüseputzen. Ihre Chatkommentare erzählen davon, wie sehr Mutti nervt, und dass sie nie zuhört. Also macht Éve Tabletten-Experimente mit ihrem Hamster, und als der umfällt, mischt sie ihrer Mutter Antidepressiva und Malariatabletten ins Essen, woraufhin die ins Koma fällt. Wir lernen die komplizierten Familienverhältnisse kennen, in die Éve nun gerät. Erst langsam erschließt ... mehr

Veranstaltungen

DARK CIRCUS mit Gast

20.10. / b-ware!ladenkino

Johanna langweilt sich ziellos und uninspiriert inmitten des Berliner Großstadtlebens. Als sie ihren Job in einem Friseursalon verliert, beginnt sie von Tagträumen und Visionen ereilt zu werden. Sie folgt dem mysteriösen Ruf in eine Parallelwelt, in der sie in die Zirkel einer Gothic-Fetisch-Clique und zugleich in die magischen Fänge der „Mistress“ gerät. mehr

Filmkritik

Schnelle Jäger

Toni Ohms über Maleika

MALEIKA erzählt, wie die Gepardenmutter Maleika ihre sechs Kinder - Martha, Malte, Mirelèe, Marlo, Mia und Majet - großzieht. Im Babyalter geht es vor allem darum, den Nachwuchs vor größeren Jägern wie Löwen oder Hyänen zu beschützen. Später lernen die Kleinen Schritt für Schritt, sich selbst durchzuschlagen. Hunger ist ständiger Begleiter der Familie und mehrfach droht die Mutter zu schwach zum Jagen zu werden, einmal wird sie sogar verletzt. Doch Maleika beißt sich durch, auch wenn sie nicht alle ihrer Kinder bis zum Erwachsenenenalter durchbringt. Der Filmemacher und Fotograf ... mehr

Filmkritik

Von Dämonen umstellt

Hannes Stein über The Wailing – Die Besessenen

Die Natur, die das kleine koreanische Dorf Gok-seong umgibt, sieht paradiesisch aus. Aber in Gok-seong ist der Teufel los. Reihenweise werden ganz normale Leute wahnsinnig und bringen ihre eigenen Familien um. Danach sitzen die Täter, blutüberströmt und die Haut mit einem furchtbaren Ausschlag überzogen, katatonisch auf dem Boden. Der pummelige Polizist Ju-Gong kommt meist zu spät zum Tatort, weil seine Frau und seine Schweigermutter ihm noch ein ordentliches Frühstück aufzwingen. Sein Chef hält ihn für einen „Idioten mit erbsengroßen Eiern“. Regisseur Na Hong-Jins Film beginnt ... mehr

Filmkritik

„Wir müssen produzieren!“

Susanne Kim über Muito Romantico

Es beginnt alles auf der Reise über den Atlantik. Das Paar lotet sich selbst fotografisch aus, spielt mit der Architektur des Schiffes, mit den Blautönen des Meeres, mit Überblendungen, Spiegelungen, Schatten. Melissa Dullius und Gustavo Jahn, beide in Brasilien geboren, landen in Berlin. Soweit stimmen die biografischen Eckdaten des Filmpaares, die gemeinsam eine kleine Wohnung beziehen, mit dem Künstlerkollektiv Distruktur überein.

Die beiden reflektieren in ihrem ersten Langfilm die Gemengelage einer Beziehung und das Dasein als Kreative. Wie eine Patchworkdecke breiten sie ... mehr

Filmkritik

Mit einer Spur Cyberpunk

Christian Klose über What happened to Monday?

In der nahen Zukunft sieht die Dystopie zur Abwechslung mal europäisch aus. Weil die Weltbevölkerung explodiert ist und die Ressourcen knapp werden, hat man eine strikte Ein-Kind-Regelung eingeführt. Erwischte Geschwister werden abgeholt und von der zuständigen Behörde eingefroren. Deren Leiterin, Nicolette Cayman (Glenn Close), ist zwar ausdrücklich nicht die Präsidentin, erscheint insgesamt aber wie Theresa May in ihrer zweiten Post-Brexit-Amtszeit, inklusive eigener Todesschwadrone. In diese Welt werden Siebenlinge geboren. Der Vater ist unbekannt und die Mutter stirbt bei der ... mehr

Indiekino Magazin

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