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Fassbinder

Gruppe als Bezugspunkt

Annekatrin Hendels Hommage FASSBINDER fokussiert auf den Aspekt der Gruppe als kreativen Bezugspunkt und als permanentes, direktes Lebensumfeld. Reichhaltiges Archivmaterial zeigt nicht nur Fassbinders Fähigkeiten als Manipulator, sondern auch, was für ein Vakuum der Regisseur hinterließ.

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Als Rainer Werner Fassbinder am 10. Juni 1982 wahrscheinlich an den Folgen von Überarbeitung und eines Drogencocktails starb, kam damit nicht nur eines der aufregendsten filmischen Oeuvres der alten Bundesrepublik zum Erliegen. Auch die goldene Ära des BRD-Autorenkinos hatte ihren Schlusspunkt erreicht: Von diesem Schlag - und einer empfindlichen Neustrukturierung der Filmförderung - sollte sich das BRD-Kino lange nicht erholen. Fraglich, ob es das überhaupt je getan hat.
Typisch für Fassbinders Arbeitsweise war die Gruppe - sowohl als kreativer Bezugspunkt, als auch im Sinn eines permanenten, direkten sozialen Umfelds. Die daraus resultierenden ständigen Auseinandersetzungen und Konfrontationen bildeten, neben einem kritischen Blick auf die Befindlichkeiten der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, einen zentralen Fundus, aus denen Fassbinders immer auch zwischenmenschliche Beziehungen sezierende Filme schöpften. In ihrer Hommage FASSBINDER fokussiert Annekatrin Hendel nun genau auf diesen Aspekt, wenn sie die Weg- und zeitweise auch Lebens- und Bettgefährten des einstigen Bürgerschrecks im Spiegel seiner Filme ausführlich zu Wort kommen lässt: Kenntlich wird dabei nicht nur, wie es Fassbinder verstand, seine unbestrittenen Fähigkeiten als Manipulator für seine Arbeit nutzbar zu machen, sondern auch, was für ein Vakuum der Regisseur hinterließ.
Manche von Hendels ästhetischen Entscheidungen bleiben dabei zunächst unklar. Ist etwa die brachiale Musik von Rammstein wirklich der geeignete Soundtrack für die wuchtigen Szenencollagen aus Fassbinders ja eher spröden und unterkühlten Filmen? Das reichhaltig versammelte Archivmaterial, vieles davon unveröffentlicht, und die zahlreichen Anekdoten der alten Fassbinder-Truppe lassen von solchen Fragen allerdings rasch absehen.

Thomas Groh

Details

Deutschland 2015, 95 min
Genre: Dokumentarfilm, Porträt
Regie: Annekatrin Hendel
Drehbuch: Annekatrin Hendel
Kamera: Martin Farkas
Verleih: Real Fiction
Darsteller: Mit:Hanna Schygulla, Irm Hermann, Harry Baer, Hark Bohm, Volker Schlöndorff, Margit Carstensen, Juliane Lorenz, Thomas Schühly
Kinostart: 30.04.2015

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