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A Star is Born

Körperkarrieren im Pop

Lady Gaga als Barbra Streisand als Judy Garland spielt eine Sängerin, die zum Star wird, während der männliche Star, der sie entdeckte, im Alkohol- und Drogenkonsum zu Grunde geht. Die vierte Version des Stoffes, Variationen wie ALL ABOUT EVE, SHOWGIRLS und MULHOLLAND DRIVE nicht mitgerechnet.

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Bradley Coopers Verfilmung von A STAR IS BORN ist bereits die vierte des gleichen Stoffes. Die erste, 1932 von George Cukor unter dem Titel WHAT PRICE HOLLYWOOD inszeniert, erzählte von einer selbstbewussten Kellnerin, die zum Filmstar wird und mit dem alkoholsüchtigen Regisseur, der sie berühmt gemacht hat, befreundet bleibt, obwohl es ihrer Karriere und ihrem Privatleben schadet. Die zweite Version, nun als A STAR IS BORN, war düsterer. Ein braves Mädel vom Lande wird von einem alkoholsüchtigen Filmstar entdeckt und kommt als neuer „natürlicher“ Typ bei den Filmbossen gut an. Ihren Namen muss sie allerdings von Esther Blodgett zu Vicky Lester ändern. Vicky/Esther wird zum Star, der Ex-Star, mit dem sie nun verheiratet ist, verliert immer mehr die Kontrolle über sein Leben. Die dritte Version von 1954 mit James Mason und Judy Garland, damals 32 und wegen ihrer Alkohol-und Tablettensucht einige Jahre vorher aus ihrem Vertrag mit MGM entlassen, war Garlands Comeback-Projekt: drei Stunden lang, von ihr selbst produziert, aber von Warner bezahlt. Ein größenwahnsinniges Meta-Musical, das Garlands eigene Geschichte in über-glamourösen Shownummern verarbeitete und sie zur Legende machte. 1975 folgte eine Fassung mit Barbra Streisand (damals 34) und Kris Kristofferson, die Streisand ihren zweiten Nummer 1-Hit in den USA bescherte. Streisands Esther ändert ihren Namen nicht, und ihre an den klassischen amerikanischen Musical-Stil angelehnten Songs wurden als direkter Ausdruck ihrer Seele inszeniert.

Nun also Lady Gaga in einem Film von Bradley Cooper, mit Bradley Cooper und mit von Bradley Cooper geschriebenen Songs. Anders als seine Vorgänger interessiert sich der neue A STAR IS BORN mehr für die männliche Figur des an Alkohol, Drogen und Selbstzweifeln untergehenden Rocksängers Jackson Maine. Cooper spielt ihn als eine Art Apologie toxischer Männlichkeit. Maine ist ein eigentlich netter Kerl, mit einer schwierigen Kindheit und einem komplizierten Verhältnis zu seinem älteren Bruder. Seine Rockschwein-Wilder-Mann-Fassade verbirgt einen nicht ganz erwachsen gewordenen Jungen. Wenn er Ally (Lady Gaga) verletzt, weil er selbst narzisstisch gekränkt ist, reicht eine Entschuldigung gerade noch. Die in allen Filmen zentrale Szene, in der der männliche Loser-Star die weibliche Aufsteigerin bei den Oscar/Grammy-Awards blamiert, ist hier besonders erniedrigend. So erniedrigend, dass Jackson und Ally mindestens einmal darüber reden müssen, anders als in früheren Filmen.

Seit 1954 erzählt A STAR IS BORN auch vom Kampf von Frauen mit Körperbildern. Judy Garland passte nicht ins Konzept des Stars der 30er bis 50er Jahre, auch wenn sie für MGM eine Gelddruckmaschine gewesen war, und ihre Songs erzählen im Film davon. Streisand entsprach ebenfalls nicht dem gängigen Schönheitsideal. In ihrer Fassung scheint es einerseits damit kein Problem zu geben, andererseits bleibt kein Körperteil Streisands unkommentiert. Lady Gagas Aussehen wird von Anfang an thematisiert, gemeinsam mit ihrem Verhältnis zu „Wahrheit“ und „Ehrlichkeit“. Bei ihrer ersten Begegnung in einem Drag-Club fragt Jackson Ally, ob er ihr die künstlichen Augenbrauen abziehen darf, und von hier aus geht die Reise in Richtung des „wahren Gesichts“ von Ally/Lady Gaga.

Lady Gaga hat mit 32 eine Karriere als hyper-artifizieller Popstar hinter sich, und inszeniert ihre neugewonnene „Authentizität“ nun in der Rolle als große amerikanische Entertainerin. Die Mischung aus Classic Rock, Grunge und Country, die Jackson spielt, steht für Ehrlichkeit, der Pop, mit dem Lady Gaga einst die Musikwelt revolutionieren wollte, für die Lüge. Die Versöhnung ist am Ende eine aktualisierte Version der Showtunes, mit denen Garland und Streisand ihr Geld verdienten: eine konturlose, geschichtslose, vor allem völlig stillose Musik. Denn Stil, so erzählt es A STAR IS BORN, ist der Anfang allen Übels. Man kann das auch als Verrat an Gagas eigener, queerer Körperpolitik sehen.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: A Star Is Born
USA 2018, 135 min
Genre: Drama, Musikfilm
Regie: Bradley Cooper
Drehbuch: Will Fetters, Bradley Cooper, Eric Roth, Irene Mecchi, Stephen J. Rivele, Christopher Wilkinson
Kamera: Matthew Libatique
Schnitt: Jay Cassidy
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Bradley Cooper, Lady Gaga, Sam Elliott, Bonnie Somerville, Dave Chappelle
FSK: 12
Kinostart: 04.10.2018

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A Star is Born

(A Star Is Born) | USA 2018 | Drama, Musikfilm | R: Bradley Cooper | FSK: 12 | Interview

Lady Gaga als Barbra Streisand als Judy Garland spielt eine Sängerin, die zum Star wird, während der männliche Star, der sie entdeckte, im Alkohol- und Drogenkonsum zu Grunde geht. Die vierte Version des Stoffes, Variationen wie ALL ABOUT EVE, SHOWGIRLS und MULHOLLAND DRIVE nicht mitgerechnet.

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