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Safari

Abschuss garantiert

Ulrich Seidl blickt mit seinem gewohnt offenen, fast offensiven, auf jeden Fall schonungslosen Blick auf das Tun und Denken von Touristen, die in den Jagdfarmen von Namibia auf Safari machen.

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Auf, auf zum fröhlichen Jagen, auf in die Savanne! Dorthin, wo es das richtig große Wild gibt. Hier blickt Ulrich Seidl mit seinem gewohnt offenen, fast offensiven, auf jeden Fall schonungslosen Blick auf das Tun und Denken von Touristen, die in den Jagdfarmen von Namibia auf Safari machen. Ein Elefant: Das wäre schon mal ein Trophäentraum. Löwe auch, allerdings sind die ja so selten. Obwohl: Die treten doch in Rudeln auf, müssten also häufiger sein als der einzelgängerische Leopard…?
Es ist eine seltsame Welt, eine merkwürdige Denkblase, in der die Jagdtouristen stecken. Seidl konfrontiert den Zuschauer mit diesen Lebensanschauungen, typisch für ihn frontal in wohlgeordneten, mittig ausgerichteten Bildaufbauten. Großwildjagd ist inzwischen auch für Otto Normalafrikatourist erschwinglich, und eine gewisse Komik ergibt sich bei dem recht beleibten, älteren Jäger, der mit Trittleiter dem Jeep entsteigt und im Unterstand erstmal Dosenbier zischt. Doch Seidl stellt seine Protagonisten nicht bloß. Er blickt sie an, er zeigt sie uns, und dahinter steht eine Neugierde auf diese Welt, auf ihre Welt. Und diese Welt erfahren wir sinnlich: Denn die Kamera geht mit auf die Pirsch, streift mit den Jägern durch den Busch, späht aus nach dem Wild, und das ist tatsächlich aufregend: Gegen den Wind anschleichen, anvisieren, schießen, dann die Suche nach der Beute – ein heftiger Adrenalinkick für den Jäger, miterfahrbar für den Zuschauer. Vom erlegten Wild wird rasch das Blut abgewischt für ein ordentliches Trophäenphoto, und die Einheimischen als Handlanger transportieren es ab, häuten es, nehmen es aus. Lakonisch nimmt Seidl auch sie in den Blick – Afrikaner als Jagd-Requisiten für die Europäer. Und als Späher bei der Jagd: Denn die Jagdfarm bietet nur die Illusion von Safari. Im geschützten Rahmen ist der Abschuss garantiert; und das unbedingte Lob des Jagdführers auch.

Harald Mühlbeger

Details

Dänemark/Österreich 2016, 90 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Ulrich Seidl
Drehbuch: Ulrich Seidl, Veronika Franz
Kamera: Jerzy Palacz, Wolfgang Thaler
Schnitt: Christof Schertenleib
Verleih: Neue Visionen
FSK: oA
Kinostart: 08.12.2016

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