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Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes

Freude am Denken

Der Film konzentriert sich auf einen Moment im Leben des Philosophen, Erfinders, Mathematikers, Juristen und politischen Aufklärers Gottfried Wilhelm Leibniz: Einige Tage im Jahr 1705, in denen eine niederländische Malerin ein Portrait von ihm anfertigte, das heute verschollen ist.

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Seinen ersten Spielfilm nach der „Heimat“ – Saga widmet Edgar Reitz dem Philosophen, Erfinder, Mathematiker, Juristen und politischen Aufklärer Gottfried Wilhelm Leibniz. Das umfassende Denken und Wirken des Universalgelehrten sind schwer zu fassen, der Film konzentriert sich auf einen spezifischen Moment: Einige Tage im Jahr 1705, in denen eine niederländische Malerin ein Porträt von ihm anfertigte, das heute verschollen ist.
Königin Sophie Charlotte von Preußen (Antonia Bill), die Leibniz´ Schülerin war und im oberflächlichen Berliner Hofleben seine Gedanken vermisst, wünscht sich ein Bild ihres Lehrers. Ein renommierter Hofmaler (Lars Eidinger) wird engagiert, dessen glamouröse Oberflächlichkeit schnell am störrisch tiefgründigen Leibniz (Edgar Selge) zerbröselt. Erst die zweite, ungewöhnlichere Wahl für den Auftrag, die als Mann lebende Malerin Aaltje van de Meer (Aenne Schwarz), schafft es, eine Verbindung zu ihrem Sujet aufzubauen. Ihr Erkenntnisdrang ähnelt dem des Philosophen. Die Porträtsitzungen werden zu tiefgehenden Diskursen über das Wesen der Kunst, die Schöpfung und die menschliche Position darin. Selge und Aenne Schwarz spielen ihre Denk-Dialoge wunderbar lebendig, lassen das Publikum teilhaben am Entstehen von Fragen und Ideen. Es geht um den Drang, in einem künstlerischen Prozess die Phänomene wirklich zu durchdringen, und um die schiere Freude am Denken, eine Haltung, in der sich der Filmemacher Reitz sicherlich wiedererkennt.
Spannend ist auch, wie heutig und relevant Leibniz´ Ideen oft sind. Allein sein Grundgedanke „Jedes in der Schöpfung trägt das Ganze in sich“ hätte bei konkreter Anwendung radikale Konsequenzen: Krieg, Gewalt, Umweltzerstörung verbieten sich. Auch für die europäische Einigung und einen europäischen Gerichtshof war Leibniz ein früher Vordenker.

Susanne Stern

Details

Deutschland 2025, 104 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Gert Heidenreich, Edgar Reitz
Kamera: Matthias Grunsky
Schnitt: Anja Pohl
Verleih: Weltkino
Darsteller: Edgar Selge, Aenne Schwarz, Lars Eidinger, Michael Kranz, Antonia Bill
FSK: 6
Kinostart: 18.09.2025

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