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Im Keller

Ulrich Seidl wühlt im Untergrund

In allen seinen Filmen erforscht der Ulrich Seidl das Abseitige und Verborgene, das, was Menschen für sich behalten, die Orte und Gefühle, an denen sie am verletzlichsten sind. In IM KELLER, der wie immer auf einem schmalen Grat zwischen Dokumentarischem und Inszeniertem balanciert, stellt er nun unterschiedliche Keller und deren Bewohner vor.

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Eigentlich war klar, dass Ulrich Seidl früher oder später IM KELLER landen musste. In allen seinen Filmen erforscht der Österreicher das Abseitige und Verborgene, das, was Menschen für sich behalten, die Orte und Gefühle, an denen sie am verletzlichsten sind. Zu Seidls bisherigen Themen gehörten beispielsweise die fast erotische Liebe zu Hunden in HUNDSTAGE, verborgene Sehnsüchte und Wünsche in JESUS DU WEISST oder jüngst die Suche einer älteren Österreicherin nach Liebe bei kenianischen Callboys im ersten Teil der Spielfilmtrilogie PARADIES: LIEBE, GLAUBE, HOFFNUNG. Nun also: der Keller als Symbol des Untergründigen schlechthin. Seidl stellt im Film, der wie immer auf einem schmalen Grat zwischen Dokumentarischem und Inszeniertem balanciert, unterschiedliche Keller und deren Bewohner vor. Da ist der Schießkeller, in dem patriotische Österreicher über den Islam schwadronieren und in den Pausen ein verhinderter Opernsänger übt. Da ist der Partykeller, in dem nicht mehr gefeiert wird seit die Kinder aus dem Haus sind, der Großwildjägerkeller in dem selbst die Frau des Hauses Leopardenmuster trägt und der Nazikeller, in dessen kuscheligster Ecke das liebste Hochzeitsgeschenk des Besitzers hängt: ein Hitler in Öl. Von den sorgfältig arrangierten Kellerinszenierungen im ersten Teil des Films geht eine faszinierende Wehmut aus, die selbst die großdeutschen Fantasien des Nazikellerbesitzers als sehnsüchtigen Traum eines romantischen Gemütes erscheinen lässt. Im zweiten Teil bricht IM KELLER die Stimmung und widmet sich einer Reihe von SM-Kellerbesitzern. Der Keller, der zuvor als Ort unerfüllter Sehnsüchte erschien, ist nun – um einiges prosaischer – der Ort, an dem sexuelle Fantasien zufrieden ausgelebt werden. Abgründig ist jetzt allenfalls noch die Reaktion des Publikums auf die freundlichen Sadomasochisten.

Hendrike Bake

Details

Österreich 2014, 86 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Ulrich Seidl
Drehbuch: Ulrich Seidl, Veronika Franz
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Christof Schertenleib, Andrea Wagner
Verleih: Neue Visionen
FSK: 16
Kinostart: 04.12.2014

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