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Mann im Spagat

Hängematte des reinen Nonsens

Timo Jacobs neuer Berlin-Film: Cowboy braucht Geld, um die Mutter im Elvis Pflegeheim unterzubringen. Das ist der Ausgangspunkt für ein Sammelsurium des Absurden, in dem immer wieder grandiose Ideen aufblitzen, nur um gleich wieder vom nächsten Quatsch begraben werden.

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Cowboy rides again – und zwar auf dem Fahrrad. Leider bringt das BMXen kein Geld, die Lack & Leder-Szene auch nicht, dabei muss die Mutter ins Elvis-Pflegeheim. Also beginnt Cowboy, die Welt zu retten. Er verkauft levitiertes Freischwingerwasser und organisiert eine Radrallye der Derangierten und Bekloppten, um der Agentur für Weltatem zu beweisen, dass ihm Fördergelder zustehen. Doch wenn's dem bösen Nachbarn nicht gefällt, wird der Teufel vom Hermannplatz auf Cowboy gehetzt…
Timo Jacobs hat 2012 in KLAPPE COWBOY sich selbst in der Titelrolle des hoffnungslosen Jungfilmemachers nach Berlin geschickt. In MANN IM SPAGAT wird Cowboy reanimiert, ein Loser nach wie vor, den freilich nichts stoppen kann. Wie auch der Film sich nicht aufhält mit Kleinigkeiten wie Handlung, Dramaturgie oder technischem Handwerk. Nein: Jacobs läßt die Zügel locker, um seinen ganz eigenen Blick auf die Individuen im Kreuzberg-Chapter der Weltatem-Agentur zu werfen. Hier darf jeder seine Spleens und Macken offen vor sich hertragen, dankbar von der Kamera aufgesogen und in eine atemlose Bilderfolge gepresst. Immer wieder blitzen grandiose Ideen auf, die gleich wieder vom nächsten Quatsch begraben werden, bis dieses Sammelsurium des Absurden in einem Radrennen durch Berlin mündet, begleitet von einem unmotivierten 24-Stunden-Countdown und von einer gewitternden Karma-Wolke. Der Praktikant, den Cowboy zuvor schnöde rausgeworfen und der sich mit dem feindlichen Nachbarn verbündet hat, ist jetzt wieder auf der guten Seite, der Teufel hat den Gegenspieler gefressen (!), Wachtmeister Friedrich Liechtenstein piepst einen Pimmel-Song, Olli Schulz quasselt freiimprovisiert daher, und der King persönlich rettet in seiner Seniorenheim-Hologrammshow den Tag.
Cowboy ist ein Freischwinger, der Film ist es auch: frei in Form und Erzählung, hier kann der Zuschauer tun, was Cowboy tut: Seine Seele baumeln lassen in der wohltuenden Hängematte des reinen Nonsens.

Harald Mühlbeyer

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Details

Deutschland 2015, 90 min
Sprache: Deutsch
Genre: Komödie, Roadmovie
Regie: Timo Jacobs
Drehbuch: Federico Avino, Timo Jacobs
Kamera: Ulf Behrens
Schnitt: Manuel Stettner
Verleih: daredo media
Darsteller: Susanne Wuest, Clemens Schick, Werner Daehn, Natalia Belitski, Timo Jacobs
Kinostart: 08.06.2017

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