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Sworn Virgin

Leben im Dazwischen

Um der rigiden Geschlechterordnung im weltabgeschnittenen Norden Albaniens zu entkommen hat Hana den Weg der „eingeschworene Jungfrau“ gewählt und lebt als Mann, Mark. Als sie nach Italien auswandert, muss sie erneut eine lebbare Geschlechteridentität finden.

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Im armen, weltabgeschnittenen Norden Albaniens, zwischen seinen rauen Bergfalten, gilt seit den 90er Jahren wieder verstärkt eine degenerierte Form des Kanun, des Gewohnheitsrechtes, das neben der Blutrache auch die Dominanz der Männer über die Frauen festschreibt. Frauen werden zwangsverheiratet und sklavisch ausgebeutet. Dieser wenig attraktiven gesellschaftlichen Stellung zu entkommen, ist nur über eine institutionalisierte Form des Geschlechterwechsels möglich. Als „eingeschworene Jungfrau“ kann eine Frau leben wie ein Mann, allerdings muss sie unter Todesandrohung auf sexuelle Beziehungen verzichten. SWORN VIRGIN erzählt die Geschichte von Hana/Mark, die/der hofft, in der erzwungenen Asexualität Freiheit zu finden. Der Film setzt ein, als Mark schon für sich festgestellt hat, dass er auch als Wahlmann in Albanien nicht glücklich werden kann, und nach Italien auswandert, auf den Spuren seiner Cousine Lila, die viele Jahre zuvor der Liebe wegen geflohen ist. Marks Reise zu einem sich selbst noch fremden Ich ist zugleich ein Aufbruch in eine Gesellschaft, die von der albanischen Jahrhunderte entfernt zu sein scheint. Sein Fremdsein zeigt, wie konstruiert vieles ist, was wir als selbstverständlich nehmen – und auch, wie unfrei manche Rituale unserer aufgeklärten, emanzipierten Alltagswelt sind, etwa wenn Mark die Binde, mit der er seine Brüste daran hindert, visuell auffällig zu werden, gegen einen BH tauscht, der das Gegenteil tun soll, aber genauso kneift. In drei ineinander verschränkten Zeitebenen entwickelt Regisseurin Laura Bispuri behutsam ein Porträt voller Ambivalenzen, die erst der Figur des Mark/der Hana zugeschrieben werden, sich aber nach und nach als Ergebnis unbarmherziger Machtdispositive zu erkennen geben. Umso befreiender ist es, wenn Mark/Hana am Ende zu einem lebbaren Dazwischen findet.

Anna Stemmler

Details

Originaltitel: Vergine Giurata
Italien/ Schweiz/ Deutschland/ Albanien/ Frankreich 2015, 87 min
Genre: Drama
Regie: Laura Bispuri
Drehbuch: Laura Bispuri, Francesca Manieri
Kamera: Vladan Radovic
Schnitt: Jacopo Quadri, Carlotta Cristiani
Musik: Denis Séchaud
Verleih: drei-freunde Filmverleih
Darsteller: Alba Rohrwacher, Flonja Kodheli, Lars Eidinger
FSK: oA
Kinostart: 23.06.2016

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