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SPK Komplex

Therapie und Revolution

Das Sozialistische Patientenkollektiv begann 1970 als alternative Therapiegruppe für Psychiatriepatienten, die auch Gesellschaftskritik betrieb. Wie genau es dazu kam, dass ein Kontakt zwischen SPK und RAF entstand, darüber sind sich die interviewten Exmitglieder nicht ganz einig.

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Das Sozialistische Patientenkollektiv begann als Therapiegruppe für Psychiatriepatienten, die der Assistenzarzt Wolfgang Huber 1970 an der Universität Heidelberg gründete. Ganz im Sinne der 68er versuchte die Gruppe einerseits, das traditionelle Arzt-Patient-Verhältnis aufzubrechen und alternative Therapieformen zu finden, betrieb aber andererseits auch eine stark von Hegel beeinflusste Gesellschaftskritik. Kernidee war die These, dass es nicht das Individuum ist, das geisteskrank ist, sondern dass eine wahnsinnige Gesellschaft den Menschen krank macht.
Das Kollektiv wuchs schnell, brachte Huber aber ebenso schnell in Konflikt mit der Uni und die Gruppe unter Beobachtung der Polizei. Wie genau es dazu kam, dass ein Kontakt zwischen SPK und RAF entstand, darüber sind sich die interviewten Exmitglieder nicht ganz einig, aber dass SPK-Mitglieder unter anderem an der Botschaftsbesetzung in Stockholm beteiligt waren, steht außer Frage.
Der Dokumentarfilm von Gerd Kroske (DER BOXPRINZ) zeichnet das SPK als die weniger radikalen und selbstherrlichen kleinen Brüder und Schwestern der RAF. Kroske lässt sowohl Mitglieder als auch die Gegenseite - Richter, Polizisten und Reporter - zu Wort kommen und leistet damit Ähnliches wie Stefan Austs Buch über die Baader-Meinhof-Gruppe, auf das sich der Titel bezieht.
Wolfgang Huber verschwand, nachdem er aufgrund einer fragwürdigen Verurteilung einige Jahre im Gefängnis verbracht hatte, vollends aus der Öffentlichkeit. So sehr wie die Gruppe eine Summe all ihrer Mitglieder sein soll, so oft beziehen sich die Befragten auf Huber. Der ist hier aber nur durch einige zeitgenössische Ton- und Filmaufnahmen vertreten. So wird der Komplex um ihn herum zu einem etwas diffusen Phantom. Der Film zeigt eine interessante Facette des Deutschen Herbstes, drückt sich um einige Antworten aber lieber herum.

Christian Klose

Details

Deutschland 2018, 111 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Gerd Kroske
Drehbuch: Gerd Kroske
Kamera: Susanne Schüle, Anne Misselwitz
Schnitt: Olaf Voigtländer, Stephan Krumbiegel
Musik: Klaus Janek
Verleih: Edition Salzgeber
FSK: 6
Kinostart: 19.04.2018

Website
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