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Das Familienfoto

Zerstreute Geschwister

Als die Großmutter nicht mehr alleine zurechtkommt, müssen die verstreuten und verkrachten Familienmitglieder sich, vielleicht zum allerersten Mal, miteinander beschäftigen.

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„Ich habe keine Lust“, mault Elsa (Camille Clottin). „Es ist eine Beerdigung, dazu hat niemand Lust“, entgegnet resigniert ihr Mann Tom. Wenigstens sind die beiden pünktlich. Garielle (Vanessa Paradis) quetscht sich erst nach Beginn des Gottesdienstes mit Sohn und einer riesigen Strandtasche in die Familienbank - sie hat bei ihrer Arbeit als lebende Statue die Zeit vergessen. Mao (Pierre Deladonchamps), der jüngste der drei Geschwister, kommt erst, als die ganze Gesellschaft schon am Grab steht. Besonders betroffen ist keiner. „Niemand hat den alten Sack“ gemocht“, fasst Elsa zusammen, was alle über den Großvater zu denken scheinen. An „Mamie“, der Großmutter, die milde lächelnd im Mittelpunkt sitzt und nicht mehr allzu viel versteht, hängen dagegen alle sehr. Sie ist das Herz der Familie, und als sie nicht mehr alleine zurechtkommt, müssen die verstreuten und verkrachten Familienmitglieder nicht nur einen Weg finden, für Mamie zu sorgen, sie müssen auch damit klar kommen, dass ihnen bald ihr Zentrum fehlen wird, und sich, vielleicht zum allerersten Mal, miteinander beschäftigen. DAS FAMILIENFOTO erzählt, mal amüsiert, mal anteilnehmend, und ohne besondere Eile, von drei Geschwistern, die alle mit einer Leerstelle zu kämpfen haben. Das große Trauma, zu dem alle immer wieder zurückkehren, ist die Scheidung der Eltern, die dazu geführt hat, dass die Geschwister nicht zusammen aufgewachsen sind. Nun vergräbt sich Mao in seiner Arbeit als Computerspieldesigner und zeichnet Stammbäume für seine Psychotherapeutin, Elsa verzweifelt am unerfüllten Kinderwunsch, und Gabrielle erträgt es nicht, dass ihr Sohn zum Vater ziehen will. Sie selbst machen bevorzugt die dysfunktionalen Eltern für ihr Geschick verantwortlich, aber möglicherweise sieht es so oder so ähnlich hinter jedem Familienfoto aus – alle gucken in verschiedene Richtungen, sind mit eigenem Kram beschäftigt, aber immerhin, mindestens mal für das eine Foto, zusammen.

Toni Ohms

Details

Originaltitel: Photo de famille
Frankreich 2018, 98 min
Genre: Komödie, Drama
Regie: Cécilia Rouaud
Drehbuch: Cécilia Rouaud
Kamera: Alexis Kavyrchine
Schnitt: Fabrice Rouaud
Musik: Alexandre Lier, Sylvain Ohrel, Nicolas Weil
Verleih: Alamode Filmverleih
Darsteller: Vanessa Paradi, Camille Cottin, Pierre Deladonchamps, Jean-Pierre Bacri
FSK: oA
Kinostart: 16.05.2019

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