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Martin Eden

Geschichte eines Aufsteigers

Martin Eden, der Titelheld aus Jack Londons autobiografisch verspiegeltem Bildungsroman, heißt auch in Pietro Marcellos Verfilmung so, der Rest des Romans ist aus dem San Francisco der vorigen Jahrhundertwende in ein Neapel übertragen, in dem nicht genau bestimmbare Zeitläufe des zwanzigsten Jahrhunderts einen Ort formen, der mehr Sinnbild modernistischer Kräfteverhältnisse als genaue Adresse ist.

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Martin Eden, der Titelheld aus Jack Londons autobiografisch verspiegeltem Bildungsroman, heißt auch in Pietro Marcellos Verfilmung so, der Rest des Romans ist aus dem San Francisco der vorigen Jahrhundertwende in ein Neapel übertragen, in dem nicht genau bestimmbare Zeitläufe des zwanzigsten Jahrhunderts einen Ort formen, der mehr Sinnbild modernistischer Kräfteverhältnisse als genaue Adresse ist.
Martin ist ein kluger aber ungehobelter Matrose, der sich nach eher zufälliger Bekanntschaft in eine höhere Tochter verliebt und beschließt, den sozialen Graben, der die beiden trennt, zu überwinden. In seinem Selbstverbesserungsprogramm bildet er sich autodidaktisch, gewinnt an Sicherheit auf dem sozialen Parkett und findet zu einer Stimme. Der ersehnte Erfolg als Schriftsteller allerdings stellt sich erst ein, als die, die sich ihm versprochen hatte, sich bereits abgewandt hat. Ein Weg, den Luca Marinelli diesen Martin in einer faszinierenden Mischung aus ungelenkem Charme, Furiosität und gebrochener Bitterkeit beschreiten lässt.
Anders als in LA BOCCA DEL LUPO und BELLA E PERDUTA, den beiden hypnotisch träumerischen filmischen Hybriden, für die Marcello bisher vor allem bekannt war, übernimmt in MARTIN EDEN die Fiktion die Zügel. Aber auch hier bleibt die Form offen: Archivaufnahmen von Arbeiter:innenalltag und Seefahrt rufen Geschichte auf, wo verwaschene Bilder (fingierter) Privataufnahmen Edens Kindheit evozieren und beides sich verbindet mit den körnigen, farbintensiven 16mm Bildern, die seinen vergeblichen Aufstieg nachzeichnen. Es ist ein Meldoram, das wie bei London von den unauflösbaren Spannungen handelt, die auf einen wirken, der in einer Klassengesellschaft er selbst sein möchte. Marcello erzählt es so, als ob's nichts Dringlicheres gäbe für die Welt, die jetzt die unsere ist.

Details

Italien 2019, 129 min
Sprache: Italienisch, Französisch
Genre: Drama, Literaturverfilmung, Romance
Regie: Pietro Marcello
Drehbuch: Maurizio Braucci, Pietro Marcello
Kamera: Francesco Di Giacomo
Schnitt: Fabrizio Federico, Aline Hervé
Verleih: Piffl Medien GmbH
Darsteller: Luca Marinelli, Jessica Cressy, Carlo Cecchi, Marco Leonardi, Denise Sardisco
Kinostart: 20.05.2021

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