Entfernung über GPS
ab PLZ

Licht

Magnetisches Fluidum

Nach dem Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ erzählt Barbara Alberts Film LICHT von der Behandlung der blinden Musikerin Maria Theresia Paradis bei Franz Messmer, einem Pionier der modernen Psychologie, der glaubte, den „tierischen Magnetismus“ entdeckt zu haben.

Mehr

Es wirkt, als läge eine dicke Staubschicht über den ausladenden Rokoko-Kostümen. Man meint den Schweißgeruch unter all dem Puder, den Perücken und dem Plunder zu riechen. Die Atmosphäre in Barbara Alberts Film über die Behandlung der blinden Musikerin Maria Theresia Paradis, einer Zeitgenossin Mozarts, durch den Entdecker des „tierischen Magnetismus“, Franz Anton Messmer, erinnert an einen Kleiderschrank im Altersheim. Nach dem Roman „Am Anfang war die Nacht Musik“ von Alissa Walser erzählt LICHT eine Geschichte von Zurichtungen des Körpers, von Erkenntnis durch Irrtümer, Wahrnehmung und Kunst. „Resi“, wie Maria Theresia Paradis (Maria Dragus) genannt wird, ist in früher Kindheit erblindet, und wird als Klaviervirtuosin von ihren Eltern herumgereicht wie ein Zirkuspferd. In der adligen Wiener Gesellschaft wird sie als Kuriosität bestaunt, als Person wird sie nie ernstgenommen. Nach zahlreichen obskuren Behandlungen sind ihr die Haare ausgefallen und eine juckende Hautkrankheit macht ihr unter der grotesken Perücke zu schaffen. Ihre Eltern geben sie zur Behandlung bei Messmer (Devid Stresow), dessen Behandlungsmethode in der Wiener Fakultät nicht anerkannt ist. Messmer glaubt an ein magnetisches Fluidum, das den Körper in Beziehung zum Erdmagnetismus und den Sternen setzt, aber seine Behandlung funktioniert vor allem auf psychologischer Basis, dem „Rapport“ zwischen Arzt und Patientin. Ein Pionier der Psychologie, der – ähnlich wie Freud – harte „wissenschaftliche“ Theorien als Beleg seiner Praxis benötigt. Paradis beginnt während der Behandlung zunächst wieder zu sehen, aber sie kann die wahrgenommenen Objekte nicht identifizieren, und ihr Klavierspiel leidet. Barbara Alberts historischer Kostümfilm zeigt, wie neue Erkenntnisse aus dem Dunkeln entstehen, durch Verkennen gezeichnet, durch Herrschaftsverhältnisse geprägt und behindert.

Hannes Stein

Details

Deutschland/Österreich 2017, 97 min
Genre: Drama, Musikfilm, Historienfilm
Regie: Barbara Albert
Drehbuch: Kathrin Resetarits
Kamera: Christine A. Maier
Schnitt: Niki Mossböck
Musik: Lorenz Dangel
Verleih: Farbfilm Verleih
Darsteller: Devid Striesow, Lukas Miko, Maresi Riegner, Maria Dragus, Katja Kolm
FSK: 6
Kinostart: 01.02.2018

Website
IMDB

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.