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Kabul Kinderheim

Fast schon prophetisch

Ende der 1980er Jahre in Afghanistan. Der kinobegeisterte Quodat lebt auf den Straßen Kabuls bevor er von der Polizei aufgegriffen und in ein Kinderheim gebracht wird.

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Kabul 1989: Das Ende der sowjetischen Besatzung Afghanistans naht, und damit auch die Machtübernahme durch die Guerillagruppe Mudjaheddin. Noch aber ist das Land geprägt durch die russischen Invasoren, mit denen sich die afghanische Bevölkerung notgedrungen arrangiert hat. Davon bekommt Straßenjunge Quodrat (Quodratullah Qadiri) wenig mit. Das Leben des 15-Jährigen dreht sich ums Kino: Davor verkauft er Schlüsselanhänger und Eintrittskarten zu Wucherpreisen, darin schaut er die populären Bollywoodfilme mit den coolen Actionhelden und hübschen Sängerinnen, die er so bewundert. Alles ändert sich drastisch, als er aufgegriffen wird und in ein Kinderheim kommt. Dort wird er Teil des Systems – mit seinem Leben und dem Erwachsenwerden muss er trotzdem selbst klarkommen. In KABUL KINDERHEIM (THE ORPHANAGE) bricht Regisseurin Shahrbanoo Sadat mit Klischees. Die Lehrer*innen sind nicht perfekt, wollen aber nur das Beste für ihre Schutzbefohlenen. Natürlich gibt es auch Stress – doch selbst die bösesten Jungs sind, wenn keiner hinschaut, bloß unsichere Pubertierende, die sich nach einer besseren Zukunft sehnen. Wie schon ihr Debüt WOLF AND SHEEP (2016) basiert auch dieser Film auf der Autobiografie von Anwar Hashimi, der hier in der Rolle des engagierten Heimbetreuers zu sehen ist.
Angesichts der Machtergreifung der Taliban wirkt KABUL KINDERHEIM, der bereits 2019 produziert wurde, fast schon prophetisch, und die Beklemmung beim Schauen ist bestürzend real. Dass Krieg auch vor Kindern nicht Halt macht und irgendwann buchstäblich wie eine Bombe einschlägt, daraus macht Sadats Spielfilm keinen Hehl. So sehr die Kunst auch helfen kann: Ihre Macht ist begrenzt. Oder doch nicht? KABUL KINDERHEIM bleibt mit seinem offenen Ende genau auf der Grenze zwischen Schmerz und Hoffnung.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Parwareshghah
Dänemark/ Afghanistan/ Deutschland/ Luxemburg 2019, 90 min
Genre: Drama
Regie: Shahrbanoo Sadat
Drehbuch: Shahrbanoo Sadat
Kamera: Virginie Surdej
Schnitt: Alexandra Strauss
Verleih: Steppenwolf
Darsteller: Hasibullah Rasooli, Masihullah Feraji, Qodratollah Qadiri, Sediqa Rasuli
FSK: 12
Kinostart: 04.11.2021

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