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Ich seh, Ich seh

Die Mutter ist böse

Visuell kommt ICH SEH ICH SEH sehr österreichisch daher, einerseits karg-naturalistisch, andererseits perfide-morbid. Erzählt wird von zwei Zwillingsbrüdern und ihrer Mutter. Die ist gerade aus dem Krankenhaus zurückgekehrt und verhält sich seltsam. Bei den Jungen wächst ein mörderischer Verdacht: die Mutter ist nicht die Mutter.

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Visuell kommt ICH SEH ICH SEH sehr österreichisch daher, einerseits karg-naturalistisch, andererseits perfide-morbid. Die glatten Oberflächen und teuren Alujalousien des Designerbungalows am Wald können das Böse, das da draußen wuchert, kaum in Schach halten. Möglicherweise sind sie es sogar selbst. Erzählt wird von zwei Zwillingsbrüdern, die in engem Kontakt mit dem da draußen stehen. Ständig toben sie im Regen herum. Am Anfang verschwindet ein Bruder in einer Höhle. Die Mutter dagegen ist ein Drinnenwesen. Sie ist gerade aus dem Krankenhaus zurückgekehrt, lässt die Jalousien herunter und niemanden ins Haus. Ihr Gesicht ist vollständig mit Pflastern verklebt und kaum zu erkennen. Sie sagt, sie hätte einen Unfall gehabt, aber bei den Jungen wachsen Zweifel an ihrer Aufrichtigkeit und schließlich der mörderische Verdacht: die Mutter ist nicht die Mutter. Die Mutter tut nur so als ob sie die Mutter wäre. Die Mutter ist böse. Die Mutter muss gezwungen werden, die Wahrheit zu sagen.
Geschickt hält ICH SEH ICH SEH alle Optionen offen. Ja, der Verdacht der Jungen ist natürlich völlig verstiegen. Andererseits geht wirklich etwas Unnahbares von der Mutter aus. Sie agiert seltsam, geheimnisvoll, verdächtig. Überhaupt wabert eine Atmosphäre des Unheimlichen durch den Film, das nach Freud ja eigentlich das Vertraute ist, das auf einmal verdächtig wird. Sie liegt in den seltsam egomanischen Geisterporträts an den Wänden der Schöner-Wohnen-Behausung, in der fast vollständigen Abwesenheit anderer Menschen, in den ekligen Traumsequenzen mit Schaben, von denen man gar nicht so genau weiß, ob es tatsächlich Traumsequenzen sind. Leider sieht sich ICH SEH ICH SEH verpflichtet, das Rätsel am Ende aufzulösen und damit einen sehr gelungenen Arthouse-Horror mit einem ziemlich schlichten Antiklimax zu beenden. Wir empfehlen, einfach 10 Minuten vor Schluss zu gehen.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Ich seh, ich seh
Österreich 2014, 100 min
Genre: Drama, Thriller
Regie: Veronika Franz, Severin Fiala
Drehbuch: Veronika Franz, Severin Fiala
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Michael Palm
Musik: Olga Neuwirth
Verleih: Koch Media
Darsteller: Susanne Wuest, Elias Schwarz, Lukas Schwarz, Hans Escher
Kinostart: 09.07.2015

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