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HERRliche Zeiten

Sklaven in Grunewald

Derbe Farce um Macht, Ohnmacht und Dekadenz der Profi-Provokateure Thor Kunkel und Oskar Roehler.

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Welch Farce! Schönheitschirurg Claus stochert zwecks Fettabsaugung im Leib einer Patientin herum, im heimischen Grunewald hütet seine Anwaltsfrau Evelyn depressiv die Villa und der nette Ölscheich von nebenan feiert bis tief in die Nacht wilde Fetisch-Exzesse. Dann das: Auf eine Putz-Annonce hin bewirbt sich der arbeitslose Altphilologe Bartos als Haussklave der Eheleute und bringt auch seine Frau Svetlana als Sklavin mit. Fortan serviert das Hausdiener-Duo feinste Speisen und Wellness-Kuren, während schwarzarbeitende „Balkan-Menschen“ im Garten einen Pool ausheben. Von Beginn an liegt auf der Hand, dass die Satire von Oskar Roehler kein feines Chirurgen-Skalpell ansetzt, sondern die grobe Kettensäge. Das merkt man schon an der affektierten „He-He-He“-Lache des Claus-Mimen Oliver Masucci und dem Perückenartigen Rotschopf seiner Film-Ehefrau Katja Riemann. HERRliche ZEITEN basiert auf dem 2011-er Roman „Subs“ von Thor Kunkel, der mit seinem Nazi-Porno-Trash „Endstufe“ einen Skandal verursachte und jüngst – leider – die Wahlkampagne der AfD entwarf. Die ausgewiesenen Provokateure Kunkel und Roehler passen wie Arsch auf Eimer. Die vulgäre Szene aus Roehlers JUD SÜẞ – FILM OHNE GEWISSEN, in der ein Jude die laszive Gattin eines KZ-Aufsehers am offenen Fenster von hinten nimmt, könnte genauso gut von Kunkel stammen. Drehbuchautor Jan Berger adaptiert die bissige Parabel als Kette absurder Dialoge und Situationen, in denen irre Reiche eine sklavenbasierte Parallelgesellschaft errichten. Es geht um Macht, Ohnmacht und caesarenhafte Dekadenz. Das nervt im ersten Drittel, wird dann auf trashige Weise lustig und nach der finalen Wendung krass spannend. Zwar wütet die Posse zu flach und eindeutig, um als ernsthafte Gesellschaftskritik zu zünden, aber immerhin kloppt einem Roehler konsequent die Birne weich.

Christian Horn

Details

Originaltitel: Subs
Deutschland 2018, 110 min
Genre: Komödie, Drama
Regie: Oskar Roehler
Drehbuch: Jan Berger, Thor Kunkel
Verleih: Concorde Filmverleih
Darsteller: Oliver Masucci, Katja Riemann, Samuel Finzi, Moritz Bleibtreu, Alexander Beyer
FSK: 16
Kinostart: 03.05.2018

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