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Final Portrait

Cholerisches Genie

Basierend auf den Aufzeichnungen des Schriftstellers James Lord, der dem berühmten Maler und Bildhauer Alberto Giacometti Modell saß, entwickelt Stanley Tucci das facettenreiche Portrait des cholerischen und amüsanten Genies.

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Paris, 1964, ein verwahrlost wirkendes Atelier: Zwischen seinen staksigen, kleinköpfigen, aber mittlerweile sehr begehrten Skulpturen schlurft fluchend Alberto Giacometti umher. Knetet dort ein wenig, raucht, hustet, bevor er völlig außer sich eine misslungene Figur auf den Boden wirft. Sein Bruder Diego, der ihm assistiert, nimmt es gelassen; der junge Schriftsteller James Lord ist vorgewarnt. Wenig später sitzt er Giacometti Modell.
Stanley Tucci beschreibt in seinem unterhaltsamen Künstlerporträt den Alltag des berühmten Schweizer Bildhauers und Malers vor allem als ein inneres Ringen und Leiden. Giacometti zeigte sich anscheinend nie zufrieden mit seiner Arbeit, wusste jedoch auch um die Unmöglichkeit der Vollendung eines Werkes. Genau für dieses emotionale Dilemma brauchte er eine Bühne, nebst geduldigem Publikum, als das Anette, seine Ehefrau, sein Bruder Diego und die wechselnden Modelle James und Caroline, eine überdrehte Prostituierte, dienen.
Basierend auf den Aufzeichnungen Lords entwickelt Tucci das facettenreiche Werktagebuch eines nervenaufreibenden Schaffensprozesses, das nicht nur Einblick in die Gedankenwelt Giacomettis gibt, sondern lustigen Klatsch über Künstlerkollegen – Picasso war ein Popanz! - mit philosophischen Betrachtungen verwebt. Giacometti schuf und zerstörte in einem fort, dazu führte er ein ungesundes Leben, lehnte alles Bürgerliche ab, liebte das Abgründige und leichte Mädchen – mehr Bohème geht also eigentlich nicht. Die Idealbesetzung für dieses cholerische wie amüsante Genie fand Tucci in Geoffrey Rush, der Giacometti zudem auch noch physiognomisch ähnelt. Rush haucht dem ansonsten eher handwerklich soliden, als überraschend erzählten Plot die notwendige Vitalität ein und bespielt virtuos die gesamte Klaviatur des männlichen Egos.

Susanne Kim

Details

Frankreich/Großbritannien 2017, 94 min
Genre: Drama, Liebesfilm
Regie: Stanley Tucci
Drehbuch: Stanley Tucci, Fred Hogge, Deepak Nayar, Michael S. Constable
Kamera: Danny Cohen
Schnitt: Camilla Toniolo
Verleih: Prokino
Darsteller: Tony Shalhoub, Sylvie Testud, Geoffrey Rush, Clémence Poésy, Armie Hammer
FSK: oA
Kinostart: 03.08.2017

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