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Erde (2019)

Schönheit der Kipplader

ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden

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ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. Kommentiert werden die Bilder ausschließlich durch Interviews mit den Arbeiter*innen. Alle lieben ihre Arbeit und sind begeistert dabei, in Teile der Erde vorzudringen, die vor ihnen noch kein Mensch gesehen hat. Gleichzeitig ist ihnen aber auch bewusst, dass sie sich gewissermaßen in das „Fleisch“ der Erde vorsprengen und –schneiden, und unumkehrbare Schäden hinterlassen. Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. In anderen Kapiteln werden Fortschritte im Bereich weniger destruktiver Abbaumethoden erwähnt, aber der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.

Christian Klose

Details

Originaltitel: Erde
Österreich 2019, 114 min
Sprache: Englisch, Deutsch, Ungarisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Nikolaus Geyrhalter
Drehbuch: Nikolaus Geyrhalter
Kamera: Nikolaus Geyrhalter
Schnitt: Niki Mossböck
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Kinostart: 04.07.2019

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