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A War

Moral in Zeiten des Krieges

In seinem intensiven Drama stellt Regisseur und Autor Tobias Lindholm die traumatischen Erlebnisse eines dänischen Offiziers im Afghanistan-Krieg dem Leben seiner Familie Dänemark gegenüber. A WAR wurde für den diesjährigen Oscar für den „Besten Fremdsprachigen Film“ nominiert.

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Irgendwo in der afghanischen Provinz. Eine dänische Einheit auf Patrouille. Die Soldaten sind nervös. Dann tritt einer von ihnen auf eine Mine, die ihm die Beine zerfetzt. Alle Wiederbelebungsversuche sind vergeblich. Tags danach ist die Stimmung in der Truppe angespannt. Mit unverhältnismäßiger Härte gehen die Männer gegen die Bevölkerung vor, zu deren Schutz sie abkommandiert wurden. Jedes Fahrzeug könnte mit Sprengstoff präpariert sein, jeder Ziegenhirte ein potentieller Selbstmordattentäter der Taliban sein. Für Kommandant Claus Michael Pedersen (Pilou Asbæk) ist es selbstverständlich, dass er seiner Truppe beisteht, um die Moral aufrecht zu erhalten. So begleitet er die Einheit in ein nahegelegenes Dorf – und in einen Hinterhalt. Schüsse fallen, die Männer werden in die Enge getrieben, ein Soldat wird schwer verletzt. In dem Chaos trifft Claus eine folgenschwere Entscheidung, die auch das Schicksal seiner Familie beeinflusst, die in Dänemark auf ihn wartet. Daheim ist seine Frau Maria (Tuva Novtony) vollauf damit beschäftigt, den drei Kindern Halt zu geben und dabei selbst nicht in Sorge zu verfallen, wenn sich Claus am Abend nicht wie versprochen meldet. Auch wenn er es sich nicht anmerken lässt, hat der mittlere Sohn Julien am meisten mit der Abwesenheit des Vaters zu kämpfen. In der Schule sucht er immer wieder Konflikte mit seinen Mitschülern. Maria wird zur Schulleitung bestellt. In einem unbeachteten Moment schluckt Elliott, der jüngste Spross der Familie, Schmerztabletten und sie verbringen die Nacht im Krankenhaus. Dann steht Claus überraschend vor der Tür, doch die Freude ist nur von kurzer Dauer.

In A WAR stellt Regisseur und Autor Tobias Lindholm die Erlebnisse der Soldaten der Perspektive der Daheimgebliebenen gegenüber. Bereits in seinem meisterhaften Drama A HIJACKING über die Entführung eines Frachters durch somalische Piraten betrachtete er das Geschehen aus der Sicht eines Kochs an Bord und durch die Augen des Sprechers der Reederei, der die Aufgabe hat, den Schaden zu beurteilen und die Entscheidungen seiner Vorgesetzten vor den Angehörigen zu verteidigen. In seinem Erstling R zeigte Lindholm den Alltag im Knast anhand zweier Insassen unterschiedlicher Herkunft. Bei beiden Filmen stand übrigens Pilou Asbæk vor seiner Kamera und auch hier verkörpert er eindrucksvoll den hilflosen Offizier in einem schweren moralischen Dilemma.

Die Themen Schuld und Moral, die das dänische Kino so oft und so gut im Kino behandelt, stehen in A WAR im Mittelpunkt. Darüber hinaus setzt sich Lindholm in seinem Film mit den Auslandseinsätzen seiner Heimat auseinander. „Seit 14 Jahren ist Dänemark eine Nation, die sich im Krieg befindet“, erklärt der Regisseur. „Es hat meine Generation mehr als alles andere geprägt, dass wir junge Männer in Kriege schicken, in denen es nicht darum geht, die Grenzen Dänemarks zu verteidigen, sondern deren Beweggründe auf abstrakteren politischen Entscheidungen basieren.“ A WAR ist ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über die Rechtmäßigkeit dieser Einsätze und stellt die richtigen Fragen. Auf diese Fragen Antworten zu finden, mag schmerzhaft sein, es ist aber essentiell.

Lars Tunçay

Details

Originaltitel: Krigen
Dänemark 2015, 115 min
Genre: Drama, Kriegsfilm
Regie: Tobias Lindholm
Drehbuch: Tobias Lindholm
Kamera: Magnus Nordenhof Jønck
Schnitt: Adam Nielsen
Verleih: StudioCanal Deutschland
Darsteller: Pilou Asbæk, Tuva Novotny, Dar Salim
FSK: 12
Kinostart: 14.04.2016

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