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Zwischen den Zeilen

iPads und Affären

Olivier Assayas‘ neuer Film spielt in der bürgerlichen Pariser Literaturwelt. An der Oberfläche wird über Google und KI, Überwachung und Big Data geplaudert, unter der Hand werden Beziehungen angefangen, beendet und rejustiert.

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Wer schon immer der Ansicht war, dass in französischen Filmen zu viel geredet wird, sollte lieber einen weiten Bogen um ZWISCHEN DEN ZEILEN machen. Wer allerdings gerne dabei ist, wenn gewitzte und gutaussehende Menschen der bürgerlichen Mittel- und Oberschicht charmant die Welt verhandeln und dabei unter der Hand persönliche Spitzen austauschen, ist hier gut aufgehoben. In Olivier Assayas‘ neuem Film dreht sich alles um Literatur und Digitalisierung, möglicherweise auch um Liebe und Sex. Alain (Guillaume Canet) ist Chef eines großen Pariser Verlages. Die Veränderungen der Branche betrachtet er mit interessierter Sorge, seine brandneue und sehr junge Assistentin Laure (Christa Théret) dagegen mit großem Wohlgefallen. Die schwärmt von der Poesie von Twitter, würde den Buchdruck am liebsten ganz zugunsten von Online-Veröffentlichungen abschaffen, und ist einer Affäre nicht abgeneigt. Léonard (Vincent Macaigne), einer von Alains ältesten Autoren und Freunden, hasst die neue digitale Welt. In seinen Romanen baut er dagegen kaum verschleierte Bruchstücke der guten alten realen Welt ein – so zum Beispiel jüngst einen Blowjob im Kino, aber mit DAS WEISSE BAND statt STAR WARS als Film im Hintergrund - weshalb seine Exfrau immer noch sauer ist und seine langjährige Freundin Valérie (Nora Hamzawi) eigentlich ahnen müsste, dass Léonard eine langjährige Affäre mit Alains Frau Sélena (Juliette Binoche) unterhält. Allerdings müsste sie dafür etwas interessierter an seinem Leben sein…
Während an der Oberfläche in wechselnden Konstellationen über Google und KI, Überwachung und Big Data, auktoriales Erzählen und den Wert von Druckwerken geplaudert wird, werden nach dem Motto „plus ça change“ Beziehungen angefangen, beendet und rejustiert. Der sprachliche Reigen ist virtuos arrangiert, und im Hintergrund tanzen die Laptops, iPads, Handys und Textnachrichten ihren ganz eigenen Tanz.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Doubles Vies
Frankreich 2018, 100 min
Genre: Komödie, Drama
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas
Kamera: Yorick Le Saux
Schnitt: Simon Jacquet
Verleih: Alamode Filmdistribution
Darsteller: Guillaume Canet, Juliette Binoche, Vincent Macaigne, Nora Hamzawi, Christa Theret, Pascal Greggory
FSK: 6
Kinostart: 06.06.2019

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