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Zum Tod meiner Mutter

Nichts beschönigt

Kerstin, 64, ist schwer krank und verweigert die Nahrungsaufnahme. Ihr Tochter Juliane ist bei ihr und begleitet sie beim langsamen Sterben. Regisseurin Jessica Krummbacher rekonstruiert ihre Erfahrung beim Sterben ihrer eigenen Mutter.

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Ganz sanft, ganz leise flüstert Juliane (Birte Schöink) ihrer Mutter ins Ohr. Sie frage sich, wie er wohl aussieht, der Tod. Die Antwort, eine mögliche von vielen, gibt Jessica Krummacher in ihrem Film. Es ist das Schicksal der eigenen Mutter, dass die aus Bochum stammende Regisseurin in ihrer zweiten Regiearbeit beschreibt. Sie zeigt eine Frau, Kerstin (Elsie de Brouw), die in einem katholischen Pflegeheim liegt. Kaum 64 Jahre ist sie alt, aber schwer und unheilbar krank. Sie kann nicht mehr, will nicht mehr. Aber der behandelnde Arzt darf ihr nicht helfen, das Leiden vorzeitig zu beenden. Also bleibt Kerstin nur ein Ausweg: Sie muss Nahrung und Flüssigkeit verweigern, um ihrem Dasein auf diesem Weg ein Ende zu bereiten. Ihre Tochter Juliane ist bei ihr, begleitet sie, pflegt sie, Tag und Nacht. Manchmal singt sie Kerstin etwas vor.
Zu Beginn ist Juliane noch zuversichtlich. Doch je länger sich der Kampf ihrer Mutter gegen das Leben hinzieht, umso schwerer fällt es ihr, das Sterben zu begreifen. Krummbachers Versuch, die eigene Erfahrung künstlerisch umzusetzen, schafft Freiräume für Reflexion. In langen, tableauhaften Einstellungen rekonstruiert die geschulte Dokumentarfilmerin den zunehmend unerträglichen Prozess. Die formale Strenge der Bilder entspricht dem Ernst der Lage. In den wenigen Fluchtmomenten sieht man Juliane oft beim Essen oder Trinken, während ihre Mutter sich standhaft gegen das Pflegepersonal wehrt, das verpflichtet ist, ihr regelmäßig Mahlzeiten anzubieten. Eine Tour de Force ist ZUM TOD MEINER MUTTER nicht nur für die Beteiligten. Nichts wird verdrängt, nichts ausgeblendet, beschönigt oder verkürzt. Der Tod kommt langsam für Kerstin. Wenn er schließlich eintritt, ist man auch als Zuschauer erleichtert. Aber man bereut es nicht, dabei gewesen zu sein.

Pamela Jahn

Details

Originaltitel: Zum Tod meiner Mutter: The Death of My Mother
Deutschland 2022, 135 min
Genre: Drama
Regie: Jessica Krummacher
Drehbuch: Jessica Krummacher
Kamera: Gerald Kerkletz
Schnitt: Anne Fabini
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Birte Schnöink, Elsie de Brauw, Johanna Orsini, Susanne Bredehöft, Gina Haller
Kinostart: 09.06.2022

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