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Zuhurs Töchter

In Frieden Frau sein

Samar und Lohan sind trans und lebten in Syrien als Jungen, in Deutschland wollen sie endlich in Frieden als Frauen leben. Für die Eltern sind sie „zwei Söhne, die sich in Frauen verwandeln.“

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„Haram, haram!“, hat ein Mann am Bahnhof ihnen hinterhergerufen – Sünde. „Sie wussten, wie frei dieses Land ist, warum sind sie hier hergekommen?“, sagt Samar. Sich unterkriegen zu lassen, ist keine Option: „Ich werde sie alle erziehen“, verkündet Lohan. Samar und Lohan, die mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen sind, haben Einiges gemeinsam: So auch, dass sie beide trans sind und in Syrien als Jungen lebten. Der Dokfilm ZUHURS TÖCHTER zeigt ihr Leben mit Eltern und Geschwistern in einer Gemeinschaftsunterkunft in Stuttgart. Ob beim Schminken, beim Friseur, beim Tanzen im Club oder bei der Kernspintomografie, die Schwestern sind unzertrennlich. Die Kameras begleiten sie ein stückweit während ihrer Transition und beim Erwachsenwerden.
„Wir schämen uns natürlich wegen dieser Sache“, sagt Vater Talib in die Kamera. Mutter Zuhur sagt da nichts, aber man sieht ihr den Kummer an. Für die Eltern sind Samar und Lohan „zwei Söhne, die sich in Frauen verwandeln.“ Das klänge fast schon märchenhaft, wenn es nicht so traurig wäre. Diskriminierung erfahren die beiden Mädchen auf der Straße ebenso wie im Deutschkurs, und das oft durch andere (muslimische) Geflüchtete. Dabei wollen sie doch bloß in Frieden leben, als Frauen. Bis dahin ist es ein weiter Weg, den das deutsche Gesundheitssystem zwar ermöglicht, aber (im Rahmen des veralteten „Transsexuellengesetzes“) zugleich auch krass erschwert.
Trotz der so unlösbaren innerfamiliären Konflikte sind alle Familienmitglieder erstaunlich offen und erlauben dem Filmteam tiefe Einblicke in ihre Lebens- und Gefühlswelt. Dass da viel Liebe ist, spürt man; dass das nicht immer reicht, auch. ZUHURS TÖCHTER urteilt nicht, stellt sich aber doch klar an die Seite seiner beiden Heldinnen, die sich von all den Widrigkeiten nicht unterkriegen lassen.

Eva Szulkowski

Details

Deutschland 2021, 89 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Laurentia Genske, Robin Humboldt
Kamera: Laurentia Genske, Robin Humboldt
Schnitt: Carina Mergens
Verleih: Camino
FSK: 12
Kinostart: 04.11.2021

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