Entfernung über GPS
ab PLZ

Wie ich lernte, die Zahlen zu lieben

Gefangen im System

Ohne Selbstmitleid oder Scheu vor der Kamera gewährt der an magischen Zwangsgedanken leidende Filmemacher Oliver Sechting einen intimen Einblick in seine Innenwelt. Auch Gesprächspartner wie Tom Tykwer und Ira Sachs ermutigt er zur Preisgabe von Eigenschaften, die man lieber ausblenden will.

Mehr

In den Straßen von New York steht ein Mann, der fahrig sich selbst und seine Umgebung filmt. Ein Meer von Zahlen, Farben und anderen Informationen strömt auf ihn ein und hält ihn gefangen, gefangen in einem System, dass er selbst kreieren muss, um dem "sozialen Tod" zu entgehen.

WIE ICH LERNTE, DIE ZAHLEN ZU LIEBEN ist ein Dokumentarfilm der beiden Freunde und Filmemacher Oliver Sechting und Max Taubert. Oliver und Max fahren nach New York, auf der Suche nach den Künstlern einer Szene, die Rosa von Praunheim, der Lebensgefährte von Oliver, bereits in den Achtzigern porträtiert hatte. Mit der Ankunft in der schnelllebigen Millionenmetropole eskalieren auch Olivers magische Zwangsgedanken, eine Krankheit, unter der er seit seiner Kindheit leidet. 58 und 9 ist eine der unendlichen „Todeskombination“, die Oliver sofort kompensieren muss, indem er nach neuen Zahlen sucht. Auch eine rote Ampel bei Nacht ist gefährlich. Zur Kompensation muss die Farbe Weiß her, aber noch besser wäre es, einen reinigenden Brillanten zu schlucken.
Ohne Selbstmitleid oder Scheu vor der Kamera gewährt der zusehends fragiler werdende Sechting einen intimen Einblick in seine Innenwelt. Auch seine Gesprächspartner ermutigt er zur Preisgabe von Eigenschaften, die man lieber ausblenden will. So erfahren wir zum Beispiel, dass Tom Tykwer die Anzahl der Schritte festlegt, die er von Tür zu Stuhl brauchen darf. Die Künstlerin Ultra Violet versucht kraft ihrer Lebenserfahrung und Spiritualität Oliver zu heilen, doch sein Zustand bleibt unverändert. Am Ende steht seine Freundschaft mit Max vor dem Aus und es ist ungewiss, ob sie nach der gemeinsamen Reise wiederbelebt werden kann. Was bleibt, sind die gnadenlos ehrlichen und mitunter humorvollen Eindrücke einer Reise in das Innenleben eines Menschen, der in seinen eigenen Gedanken gefangen ist.

David Herger

Details

Originaltitel: How I Learned To Love The Numbers
Deutschland 2014, 88 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Oliver Sechting, Max Taubert
Drehbuch: Oliver Sechting, Max Taubert
Kamera: Max Taubert, Oliver Sechting, Wayne Xavier
Schnitt: André Krummel
Musik: Andreas Wolter, Maike Rosa Vogel
Verleih: MISSING FILMS
FSK: 12
Kinostart: 27.11.2014

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.