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Westend

Völkerverständigung

Ein mittelaltes Ehepaar im Berliner Westend beschließt, ein Romakind aufzunehmen. Anstatt des Kindes zieht eine junge Frau bei ihnen ein und bald darauf tauchen ihr Mann, ihr Sohn und ihr Vater auf.

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Sigi und Conny und ihre 18-jährige Tochter Miriam bewohnen eins von diesen weißen Würfel-Gründerzeit-Häusern im Westend. Ihre Hippievergangenheit sieht man an den zahlreichen Halsketten, die Conny trägt, an ihren weiten Röcken und am weitgehend naturbelassenen Garten. Wenn die Familie zum Familienmeeting zusammen kommen soll, erfolgt die Einberufung per Gong. Die Stimmung in der Familie ist so lala, Miriam ist gerade mit der Schule in Zürich und wird ohnehin bald das Haus verlassen und zwischen den Eheleuten ist ein bisschen die Luft raus. Aus dieser Leerstelle, so legt es der Film nahe, entwickelt Conny die Idee, ein Roma-Kind aufzunehmen. Aus dem Kind wird eine junge Frau, Kishope, die eines Tages mit ihrem Koffer im Garten steht. Bald darauf tauchen ihr Mann Bela und ihr Sohn Latica auf, wenig später der Nichtsnutz von Vater und schließlich auch noch dubiose Geschäftspartner ihres Mannes.
WESTEND verbindet den überdrehten Plot eines Screwball-Dramas, bei dem die Dinge immer mehr aus dem Ruder laufen, mit einer weitgehend realitätsnahen Erzählweise. Beispielsweise stehen die Familienmitglieder und die neuen Mitbewohner aus Ungarn, die sich gerade neu kennenlernen und wenig gemeinsame Sprache haben, ausführlich gehemmt in Fluren und Küchen herum und sind ein bisschen peinlich. Der Film ist die zweite Kinoarbeit der Ungarin Mari Cantu, hat aber etwas von einem Debütfilm. Man merkt das schmale Budget an der Ausstattung des Westend-Einfamilienhauses, das seltsam unbewohnt wirkt, oder an der reduzierten Inszenierung, von der nicht immer klar ist, ob sie das Understatement sucht, sich nicht mehr traut, oder sich nicht mehr leisten kann. Schön sind die Dialoge: Sigi: „Hast du heute das Feuilleton der Zeit gelesen?“ Schweigen. Sigi: „Dein Desinteresse an der Welt ist phänomenal.“ Conny: „OK, wir gehen zur Paartherapie.“

Hendrike Bake

Details

Deutschland 2015, 74 min
Genre: Drama
Regie: Mari Cantu
Drehbuch: Mari Cantu
Kamera: Ágnes Pákozdi
Verleih: Arsenal Institut Distribution
Darsteller: Martina Schiesser, Hermina Fátyol, Rainer Kirberg, Bence Máté, Szerafina Schiesser, Gábor Altorjay
Kinostart: 23.03.2017

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