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Wer wir sind und wer wir waren

Auseinandergelebt

Grace (Annette Bening) fällt aus allen Wolken als ihr Ehemann Edward (Bill Nighy) ihr nach 29 Ehejahren eröffnet, dass er sich trennen möchte, weil er eine andere Frau kennengelernt hat.

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Es passiert immer wieder. Man glaubt, einen Menschen zu kennen. Man lebt, liebt, lacht und leidet, verbringt Zeit miteinander, manchmal ein halbes Leben. Doch plötzlich, ohne dass einer es wollte, gerät die Zweisamkeit aus ihrem harmonischen Gleichgewicht. Für Grace (Annette Bening) und Edward (Bill Nighy) ist dieser Moment nach fast 29 Ehejahren gekommen. Wirklich was zu sagen haben sie sich schon eine ganze Weile nichts mehr und, wenn, dann endet die Unterhaltung meist mit Stachelleien oder im Streit. Dabei muss vor allem Edward viel einstecken, weil Grace sich viel zu sehr an ihrem Ideal vom behaglichen Familienleben festklammert, um zu merken, dass ihr Mann nicht mehr glücklich ist – es vielleicht niemals war. Und so lädt er zum Wochenende den einzigen Sohn (Josh O'Connor) ins idyllische Zuhause an der Südküste Englands ein, um den Schock abzufedern, wenn er seiner Frau gesteht, dass er sie wegen einer anderen verlässt.

Was bleibt, nachdem Edward mit geschrumpften Schultern seine Hiobsbotschaft verkündet hat, ist weniger die Frage, was tatsächlich schief gelaufen ist in dieser Ehe, als vielmehr, wie er es überhaupt so lange mit seiner Frau ausgehalten hat. Bening, der fast nie eine Rolle aus der Hand gleitet, kämpft hier weniger mit ihren Gefühlen als mit einem Akzent, der ihr einfach nicht gelingen will. Da hilft es auch nicht, dass sie einige der besten Pointen im Drehbuch des Autors und Regisseurs William Nicholson bekommt. Viele Szenen wirken gestelzt, die Dialoge hölzern, was jedoch nicht an den sonst stets wundervollen Schauspielern liegt, sondern der Tatsache verschuldet ist, dass Nicholson sich sichtbar schwer daran getan hat, sein eigenes Theaterstück für die Leinwand zu adaptieren. Das härteste Los hat jedoch O'Connor gezogen, der als verkorkster Mitzwanziger zwischen Nighy und Bening schlichten und retten soll, was längst verloren ist, und mit seinem ewigen Hundeblick die Sache nur noch schlimmer macht.

Pamela Jahn

Details

Originaltitel: Hope Gap
Großbritannien 2019, 100 min
Genre: Drama
Regie: William Nicholson
Drehbuch: William Nicholson
Schnitt: Pia Di Ciaula
Musik: Alex Heffes
Verleih: Tobis Filmverleih
Darsteller: Annette Bening, Bill Nighy, Josh O’Connor, Aiysha Hart, Nicholas Burns
Kinostart: 10.12.2020

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