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Viva

Queer in Havanna

Jesús findet Erfüllung in einer Travestie-Show in Havanna. Dann taucht sein lange verschollener Vater, ein Ex-Boxer plötzlich auf, in dessen Macho-Weltbild der schwule Sohn nicht passt.

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„Viva“, so nennt sich Jesús als er auf die Bühne eines karg beleuchteten Nachtclubs tritt – er trägt eine Langhaarperücke, zum Zopf nach oben gebunden, dazu roten Lipgloss, ein weißes Abendkleid und bewegt den Mund noch zögerlich zu einem traurigen spanischen Lied. Diese Situation ist neu für den jungen Mann. Er steht zum ersten Mal vor einem Publikum, er ist zum ersten Mal eine Frau und er begreift zum ersten Mal, was „viva“ bedeutet: Er fühlt sich lebendig.
Der irische Regisseur Paddy Breathnach, bisher eher für unter dem Radar laufende Hollywood-Produktionen bekannt, zeigt mit VIVA eine neue Facette. Der queere Film beschreibt die immer noch schwierige Lage der LGBTI-Community in Kuba. Dafür begleitet die Kamera Jesús, einen schwulen Mittzwanziger in Havanna: Tagsüber verdient er Geld, indem er den älteren Damen der Nachbarschaft die Haare schneidet. Abends streift er alleine durch die Seitenstraßen der Hauptstadt.
Bis ihn „Mama“, der Chef einer Transvestiten- und Travestie-Show, auf die Bühne bringt. Eigentlich könnte der Film an diesem Punkt schon zu Ende sein: Jesús ist glücklich. Eines Abends steht jedoch sein Vater im Publikum. Vor Jahren ließ er die Familie im Stich, nun ist der ehemalige Boxer zurück und verkörpert ein durch und durch stereotypes Männerbild – den Gegenentwurf zu seinem einfühlsamen Sohn. Er säuft, ist gewalttätig und verbietet Jesús die für ihn so wichtigen Gesangsdarbietungen.
VIVA zeigt ein Kuba im Wandel. 1979 wurde Homosexualität hier offiziell legalisiert, dennoch leben lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle Menschen in anhaltenden diskriminierenden Strukturen. Havanna ist dabei ein Ort im Dazwischen. Die dort erstarkende LGBTI-Community kämpft für ein freies Leben. Dafür braucht es viel Courage – das muss auch Jesús lernen. Und sein Vater ebenfalls.

Christine Stöckel

Details

Irland/Kuba 2016, 100 min
Genre: Drama
Regie: Paddy Breathnach
Drehbuch: Mark O'Halloran
Kamera: Cathal Watters
Schnitt: Stephen O'Connell
Musik: Stephen Rennicks
Verleih: Edition Salzgeber
Darsteller: Jorge Perugorria, Luis Alberto Garcia, Héctor Medina Valdés
FSK: 12
Kinostart: 15.09.2016

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