Entfernung über GPS
ab PLZ

Verlorene.

Dörfliche Doppelmoral

VERLORENE, den Regisseur Felix Hassenfratz selbst als „modernen Anti-Heimat-Film“ bezeichnet, zeigt, dass sexueller Missbrauch überall stattfindet, auch hinter braven, christlich-provinziellen Fassaden.

Mehr

In einem Dorf im Kraichgau leben die Schwestern Maria (Maria Dragus) und Hannah (Anna Bachmann) allein mit ihrem Vater (Clemens Schick), der einen Zimmereibetrieb führt. Die 18-jährige, verantwortungsbewusste Maria liebt es, Orgel zu spielen, und träumt davon, an einer Musikhochschule zu studieren. Doch sie hat ein Geheimnis. Immer wieder sucht ihre jüngere, unbeschwertere Schwester Hannah das Gespräch, doch Maria schweigt beharrlich. Als die Familie Valentin (Enno Trebs), einen jungen Zimmermann auf der Walz, aufnimmt und Maria Gefühle für ihn entwickelt, kann sie die Wahrheit immer schlechter verheimlichen: Sie wird sexuell missbraucht.
In seinem behutsamen, in gedeckten Farben und starken Bildern umgesetzten Langfilmdebüt siedelt Regisseur und Drehbuchautor Felix Hassenfratz ein Missbrauchsdrama in seiner Heimat, der badischen Provinz, an. Die Figuren sprechen Dialekt und bewegen sich ausschließlich in dörflichen Szenerien. In der vermeintlichen Idylle ist die Doppelmoral allgegenwärtig. Eben noch sieht man Täter und Opfer gemeinsam in der Kirche singen, schon folgt eine Missbrauchsszene. VERLORENE, den Hassenfratz selbst als „modernen Anti-Heimat-Film“ bezeichnet, zeigt, dass sexueller Missbrauch überall stattfindet, auch hinter braven, christlich-provinziellen Fassaden. Das Drehbuch entwickelte er, nachdem die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule an die Öffentlichkeit kamen. Marias aufwühlende Geschichte, eindrücklich gespielt von Maria Dragus (TIGER GIRL), verdeutlicht, wie schwer es fällt, über sexuellen Missbrauch zu sprechen, selbst mit nahestehenden Menschen. VERLORENE ist auch vor dem Hintergrund aktueller Debatten über Missbrauch wie #MeToo ein wichtiger Film, der Verständnis für die Angst oder Scham der Opfer und für ihr oft jahrelanges Schweigen schafft.

Stefanie Borowsky

Details

Originaltitel: Verlorene
Deutschland 2018, 91 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama
Regie: Felix Hassenfratz
Drehbuch: Felix Hassenfratz
Kamera: Bernhard Keller
Schnitt: Barbara Toennieshen
Musik: Paul Eisenach, Gregor Schwellenbach
Verleih: W-Film
Darsteller: Maria Dragus, Anna Bachmann, Clemens Schick, Enno Trebs, Meira Durand
FSK: 16
Kinostart: 17.01.2019

Website
IMDB

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.