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Untimely

Hypnotisch schöne Bilder

In UNTIMELY werden geografische und moralische Grenzen, trotz strenger Bewachung immer wieder überschritten. Die Welt scheint so gleichgültig wie das Meer, auf das der Wachturm vom Wüstenkliff herabblickt.

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Am Golf von Oman, an der Grenze zwischen Iran und Pakistan tötet der Soldat Hamid auf einem Wachturm seinen Vorgesetzten, einen Hauptmann, der ihm keinen Urlaub gewähren wollte, um zur Hochzeit der Schwester zu reisen. Pouya Eshtehardis Film UNTIMELY erzählt achronologisch, in hypnotisch schönen Bildern, wie es dazu kommen konnte. Eine Kinderstimme spricht aus dem Off immer wieder: „Das Feuer ist erloschen“. Eine Frau geht, mit einem roten Schleier angetan, immer tiefer in ein beinahe organisch zerklüftet wirkendes Wadi hinein. Erst am Ende des Films wird klar, wie das alles zusammenhängt, aber allmählich schält sich aus den traumhaften Bildern die Geschichte von Hamid und seine Schwester Mahin heraus, die ihre Mutter verloren und bei gleichgültigen Verwandten aufwuchsen. Hamids Versuch, den Vater ausfindig zu machen, gelingt zwar, aber was auch immer Hamid versucht, reicht nicht, um seiner Schwester zu helfen. Ein Trance-Ritual, bei dem ein Derwisch über dem Körper einer Frau im wörtlichen Sinne Feuer isst, hilft auch nicht.
In UNTIMELY werden geografische und moralische Grenzen trotz strenger Bewachung immer wieder überschritten. Die Welt scheint so gleichgültig wie das Meer, auf das der Wachturm vom Wüstenkliff herabblickt. Pouya Eshtehardis kurzer (71 min.), konzentrierter und visuell spektakulärer Film ist bei zahlreichen Filmfestivals ausgezeichnet worden. Wenn Eshtehardis Stil an die frühen Filme der asiatischen neuen Welle der frühen 90er Jahren erinnert, kann das daran liegen, dass der Regisseur in Malaysia studierte. Der letzte Filmclip, den der Regisseur im Internet eingestellt hat, zitiert aber auch die französische Nouvelle Vague, vor allem Godard und Varda. UNTIMELY ist auf jeden Fall Kino, wie man es aus dem Iran schon lange nicht mehr gesehen hat.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Bigah
Iran 2019, 78 min
Genre: Drama
Regie: Pouya Esthehardi
Drehbuch: Pouya Esthehardi
Kamera: Reza Hemasi
Musik: Navid Jaberi
Verleih: déjà-vu film UG
Darsteller: Iman Afshar, Ayoub Afshar, Mousa Afshar, Shayan Afshar, Aiwa Azaripa
Kinostart: 10.03.2022

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