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Tommaso und der Tanz der Geister

Ferrara, metatextuell

Tommaso (Willem Dafoe) hat beschlossen, die Kunst hinter sich zu lassen und sich als Hausmann seiner Familie zu widmen, aber insgeheim wird die Sehnsucht nach seinem alten Leben immer größer.

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Seit Jahren lebt der amerikanische Regisseur Abel Ferrara in Rom, ist mit der Schauspielerin Cristina Chiriac verheiratet. Das Paar hat eine Tochter Namens Anna und arbeitet immer wieder an einem aufwändigen Filmprojekt, das in Sibirien spielen soll. In TOMMASO UND DER TANZ DER GEISTER, dem neuen Film von Abel Ferrara spielt Willem Dafoe den amerikanischen Regisseur Tommaso, der in Rom mit seiner Frau Nikki und der Tochter Deedee lebt (gespielt von Chiriac und Anna Ferrara) und angesichts der Probleme, einen aufwändigen Film, der in Sibirien spielen soll, zu drehen, zunehmend verzweifelt und in Wahnvorstellungen abdriftet. Das auch noch ein großer Teil des Films in Ferraras ausladendem römischen Appartement gedreht wurde, muss man kaum erwähnen.
Ein filmisches Selbstporträt also oder doch ein fiktiver Film über einen Filmregisseur? Ganz sicher kann man sich da nicht sein, zumal Dafoe auch noch ein guter Freund Ferraras ist und seine Figur deutlich an die Macken und Abgründe des New Yorkers anlehnt. Allerdings auch an sich selbst, etwa wenn er als Tommaso einen Schauspielworkshop leitet, in dem er seinen Schülern Ratschläge gibt, die ziemlich genau den Ansatz spiegeln, den Dafoe immer wieder beschrieben hat.
Mit Bildern von Werner Herzogs Stammkameramann Peter Zeitlinger, ist TOMMASO ein improvisierter, schnell gedrehter Film, mal authentisch, wenn reale Orte und Personen eingebunden werden, mal artifiziell, wenn etwa Tommaso seine Kreuzigung imaginiert, was wiederum deutlich auf eine von Dafoes bekanntesten Rollen als Christus verweist.
Doch all die Metatextualität sollte nicht übersehen lassen, dass Ferrara und Dafoe hier einen faszinierenden, auch ernüchternden Blick auf den kreativen Prozess werfen, der meist wenig glamourös und statt dessen schwer und voller Hindernisse abläuft, Hindernisse, die zum Teil von außen kommen, vor allem aber von innen, im Kampf mit den eigenen Dämonen.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Tommaso
Italien 2019, 115 min
Genre: Drama
Regie: Abel Ferrara
Drehbuch: Abel Ferrara
Kamera: Peter Zeitlinger
Schnitt: Fabio Nunziata
Musik: Joe Delia
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Willem Dafoe, Cristina Chiriac, Anna Ferrara
FSK: 12
Kinostart: 13.02.2020

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