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The Neon Demon

Extremste Künstlichkeit

In traumhaften Tableaus von extremster Künstlichkeit, mit grellbuntem Licht, Stroboskopeffekten, und unterlegt mit harten Electro-Klängen von Cliff Martinez, inszeniert Nicolas Winding-Refn eine Horrorstory in der Modeindustrie von Los Angeles.

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„Schönheit ist nicht alles, es ist das Einzige!“, heißt es einmal in Nicolas Winding-Refns wildem, durchgedrehten, exaltierten THE NEON DEMON, womit eigentlich alles gesagt ist. Zumal Winding-Refn damit in gewisser Weise die offensichtlichste Kritik an seinem Film gleich vorwegnimmt, nämlich die, dass THE NEON DEMON reine Oberfläche ist. Was auf den ersten Blick nicht falsch ist, aber auch wieder als Teil des Konzepts verstanden werden kann, denn Schauplatz ist Los Angeles, Thema die Modeindustrie. In diese Welt taucht die junge Jenny ein, die Elle Fanning anfangs mit jener unfassbaren Unschuld spielt, die sie schon in Sofia Coppolas SOMEWHERE oder Sally Potters GINGER & ROSA zu so einer unwirklichen, engelsgleichen Gestalt gemacht hat. Genau diese Qualität, dieses gewisse Etwas, fasziniert in THE NEON DEMON Fotografen und Modeschöpfer und ruft den Neid von nur gewöhnlichen oder durch Schönheitsoperationen attraktiv gewordenen Models hervor, die Jenny im allerwahrsten Sinn des Wortes an die Gurgel wollen. In traumhaften Tableaus inszeniert Winding-Refn diese Geschichte, in extremster Künstlichkeit, mit grellbuntem Licht, Stroboskopeffekten, unterlegt mit harten Electro-Klängen von Cliff Martinez. Schon in VALHALLA RISING und ONLY GOD FORGIVES war Winding-Refn dann am besten, wenn er sich fast vollständig von Plot, Figuren, Psychologie löste und in impressionistischen Bilderfolgen einen hypnotischen Zustand erreichte, der völlig frei von Sinn und Verstand funktionierte. Immer wieder schwingt sich THE NEON DEMON in solche Höhen auf, bietet sich zwar zu vielfältigen Interpretationen an, mag als Reflektion über die Oberflächlichkeit der Mode- und der Schönheitsindustrie verstanden werden, kann aber auch einfach als pure Oberfläche genossen werden. Und wenn eine Oberfläche so brillant ist wie hier, kann man den Worten eines Modeschöpfers im Film kaum widersprechen: „Schönheit ist Alles!“

Michael Meyns

Details

USA/Dänemark/Frankreich 2016, 117 min
Genre: Horror, Thriller
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Mary Laws, Polly Stenham
Kamera: Natasha Braier
Schnitt: Matthew Newman
Musik: Cliff Martinez
Verleih: Koch Media
Darsteller: Elle Fanning, Abbey Lee, Keanu Reeves, Christina Hendricks, Jena Malone, Alessandro Nivola
FSK: 16
Kinostart: 23.06.2016

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