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Tanz ins Leben

Flucht zur Hippie-Schwester

Als Sandra (Imelda Staunton) entdeckt, dass ihr etablierter Göttergatte seit Jahren eine Affäre hat, flüchtet sie zu ihrer älteren, lebenslustigen Polit-Hippie-Schwester Bif (Joanna Lumley).

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Der „Best-Ager“-Film ist nach dem Erfolg von BROT UND TULPEN (2000) entstanden, in dem eine Frau nach Venedig fährt und Bruno Ganz kennenlernt. Alle Filme des neuen Genres haben die gleiche Botschaft: Es ist nie zu spät für einen neuen Aufbruch. Richard Loncraine, Regisseur von TANZ INS LEBEN (OT: FINDING YOUR FEET) hat seine Karriere einst mit Filmen über Piratenradio-DJs und die Glam-Rockband Slade begonnen. In TANZ INS LEBEN reicht die Musikauswahl, zu der eine Seniorentanzgruppe auftritt, von Swing über Rock’n’Roll bis zu Disco – eine Pop-Jugend, die sich irgendwann zwischen den 40er und 70er Jahren abgespielt hat. Das waren Zeiten erheblicher kultureller Umbrüche, und so erzählt der Film von unterschiedlichen Lebensentwürfen. Die Hauptpersonen sind Sandra (Imelda Staunton) die gerade „Lady Abbott“ geworden ist, aber entdeckt, dass ihr etablierter Göttergatte seit Jahren eine Affäre hat. Ihre ältere, lebenslustige Polit-Hippie-Schwester Bif (Joanna Lumley) nimmt sie in ihrer Sozialwohnung auf, und deren Kumpel Charlie (Timothy Spall), ein freundlich-chaotischer Bastler, der auf einem Hausboot lebt, bietet sich für eine neue Romanze an. Wer gewinnt, wenn in einem englischen Film Establishment und Individualisten aufeinandertreffen, dürfte sich von selbst verstehen. Hier sitzen die Pointen besser als die Anzüge, dafür eiert der Plot ein wenig herum und entsorgt Hindernisse – auch, wenn es sich um demente Ehefrauen handelt – etwas zu zügig. Es wird spannend, zu beobachten, was mit dem „Best-Ager“-Film passiert, wenn die Generationen alt werden, die im Neoliberalismus der 80er Jahre und danach ihre Jugend verbrachten – die „flexiblen Menschen“ (Richard Sennett), denen schon immer erzählt wurde, dass man sich ständig neu erfinden muss. Vielleicht war MAGICAL MYSTERY (2017) schon ein Vorbote dessen, was kommt: einerseits Spaß, andererseits wesentlich mehr stoische Ruhe.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Finding Your Feet
Großbritannien 2017, 111 min
Genre: Komödie, Drama
Regie: Richard Loncraine
Drehbuch: Meg Leonard, Nick Moorcroft
Kamera: John Pardue
Schnitt: Johnny Daukes
Musik: Michael J. McEvoy
Verleih: eOne
Darsteller: Imelda Staunton, Celia Imrie, Timothy Spall, David Hayman, John Sessions
FSK: 12
Kinostart: 31.05.2018

Website
IMDB

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