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Die Zähmung der Bäume

Monumentales Gartenprojekt

Für einen öffentlichen Garten an der Schwarzmeerküste Georgiens lässt Bidsina Ivanishvili, der ehemalige Premier und einer der reichsten Männer Georgiens im ganzen Land Laubbäume mit einem Alter über 100 Jahren ausgraben und verschiffen.

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Bidsina Ivanishvili ist der vermutlich mächtigste Mann Georgiens. Während der Perestroika machte er in Russland ein Vermögen mit Import- und Kreditgeschäften sowie in der Metallindustrie. 2012 wurde er für die von ihm gegründete Partei Georgischer Traum zum Premierminister gewählt. Doch auch nach dem Ende seiner politischen Karriere 2021 („Ich habe mein Ziel erreicht“), verfügt Ivanishvili über erheblichen Einfluss, allein schon da sein Privatvermögen es durchaus mit dem georgischen BIP aufnehmen kann. In TAMING THE GARDEN tritt Ivanishvili jedoch nicht als Politiker oder Geschäftsmann in Erscheinung, sondern als Sammler seltener Bäume: Für einen öffentlichen Garten an der Schwarzmeerküste Georgiens lässt Ivanishvili im ganzen Land Laubbäume mit einem Alter über 100 Jahren ausgraben und verschiffen. Der ungeheuer mühsame Transport dieser Bäume ist die Grundlage für Salomé Jashis souveränen, zurückhaltenden Film.

Genaugenommen tritt Ivanishvili hier jedoch nicht einmal als Bäumesammler in Erscheinung, sondern gar nicht. Statt dem Auftraggeber, der als gottgleicher Lenker über Mittelsmänner seinen Paradiesgarten einrichtet, porträtiert DIE ZÄHMUNG DER BÄUME die Mühsal, durch die seine Vision Realität werden kann. Er zeigt Arbeiter mit Kettensäge, die über den Zweck ihres Tuns rätseln, ebenso wie die Landbevölkerung, die durch Verkäufe von Land und jüngeren Bäumen – abzuholzende Hindernisse für die älteren – den Transport erst ermöglicht.
Jashi filmt die Momente der Unsicherheit, wenn die Möglichkeit und der Druck zum Verkauf die Frage nach dem Wert ihrer Bäume, ihres Grundstücks, ihrer Identität völlig neu aufwerfen, und wenn die Baumtransporte Reaktionen der Trauer, der Freude, der Wut und der Belustigung gleichermaßen hervorrufen.

Das Motiv des fahrenden Baums erzeugt dankbare Metaphern der Verbundenheit, Entwurzelung und Mobilität im Kapitalismus – nicht zuletzt war Ivanishvili des öfteren nationalistischer Kritik an seinen russischen und französischen Staatsbürgerschaften ausgesetzt. Hinter dem Baum als sozialer Metapher, über dessen Verkauf und Transport zwischenmenschliche Beziehungen ausgehandelt werden, steht jedoch auch der Baum als ökologische Realität. Damit ist der Film auch ein Kommentar zu Absurdität und Größenwahn eines Naturschutzes mit primär ästhetischem Interesse.

Yorick Berta

Details

Originaltitel: Taming The Garden
Georgien/Deutschland/Schweiz 2021, 86 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Salomé Jashi
Drehbuch: Salomé Jashi
Kamera: Salomé Jashi, Goga Devdariani
Schnitt: Chris Wright
Verleih: Film Kino Text
Kinostart: 02.12.2021

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