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Sture Böcke

Von Brüdern und Schafen

STURE BÖCKE eine schrullige, aber durchaus nicht unrealistische Tragikomödie über zwei isländische Brüder und Schafzüchter, Gummi und Kiddi, die nach Jahren des Schweigens erst miteinander reden, als ihre Herden bedroht sind.

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Der letzte isländische Film, der unsere Kinos erreichte, war Benedikt Erlingssons VON MENSCHEN UND PFERDEN und erzählte vom Verhältnis der Isländer zu ihren Reittieren. STURE BÖCKE von Grímur Hakonarson handelt von Brüdern und Schafen. Gummi und Kiddi sind zwei verfeindete Brüder, die auf nebeneinander liegenden Höfen in einem einsamen Tal Prachtwidder züchten, die abwechselnd den Preis für den schönsten, kräftigsten Bock abstauben. Als Kiddis Bock gewinnt, säuft Gummi, bis er ohnmächtig im Schnee liegen bleibt. Gummi rettet ihn zwar vor dem Erfrieren, aber Worte wechseln die Brüder noch lange nicht. Erst als die Maul- und Klauenseuche im Tal ausbricht, und die eigentlich beliebte Amtstierärztin verlangen muss, dass alle Herden geschlachtet werden, bringt die existenzbedrohende Lage die Brüder zusammen. Ohne Schafe gibt es keine Lebensgrundlage in ihrem abgeschiedenen Tal.
Während VON MENSCHEN UND PFERDEN wie eine Sammlung moderner und alter Legenden und Mythen wirkte, ist STURE BÖCKE eine realistische Tragikomödie. Gummi und Kiddi sind zwar ein wenig schrullig, aber nicht schrulliger, als man es vermutlich wird, wenn man sein Leben lang in der kalten Einsamkeit eines isländischen Tals gelebt hat. Die spektakuläre isländische Landschaft wirkt hier eher absurd als mythisch. In einem großen Panorama fängt die Kamera das Tal, die Berge und die beiden Höfe ein. Endloses, feindliches Nichts mit zwei Hütten. Wie soll man hier überhaupt leben, wie kann man hier auch noch leben, ohne miteinander zu reden, fragt man sich, und andererseits kann man sich nirgendwo sonst eine so abgrundtiefe Feindschaft vorstellen. Die gegenseitige Verachtung und die Wut aufeinander verbinden die Brüder wie eine tiefe, unteilbare Liebe. Was anderes als brüderliche Liebe könnte auf dem Grund des jahrzehntelangen Schweigens liegen?

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Hrútar
Island 2015, 90 min
Genre: Drama
Regie: Grímur Hákonarson
Drehbuch: Grímur Hákonarson
Kamera: Sturla Brandth Grøvlen
Schnitt: Kristján Loðmfjörð
Musik: Atli Örvarsson
Verleih: Arsenal Filmverleih
Darsteller: Theodór Júlíusson, Charlotte Bøving, Sigurður Sigurjónsson, Gunnar Jónsson, Jon Benonysson
FSK: 6
Kinostart: 31.12.2015

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