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Stella. Ein Leben

Zum Verrat gezwungen

Stella Goldschlag war eine deutsche Jüdin aus Berlin, die 1943 von der Gestapo gezwungen wurde, als Informantin zu dienen. Kilian Riedhof („Gladbeck“) hat Stella Goldschlags Geschichte nun verfilmt.

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Stella Goldschlag war eine deutsche Jüdin aus Berlin, die 1943 von der Gestapo gezwungen wurde, als Informantin zu dienen. Kilian Riedhof hat Stella Goldschlags Geschichte nun verfilmt. Riedhof ist ein Filmemacher, der nicht zum ersten Mal Extremsituationen in seinen Filmen (re-)inszeniert. Er inszenierte fürs Fernsehen die Mehrteiler „Gladbeck“ und „Barschel“: Prestigeprojekte, die aus den Medien bekannte Szenen nachstellten und den medialen Voyeurismus kritisieren wollten, den sie selbst wiederholten. Sein letzter Film MEINEN HASS BEKOMMT IHR NICHT beruhte auf einem Text des Pariser Journalisten Antoine Leiris, dessen Ehefrau Hélène von islamistischen Terroristen im Bataclan ermordet wurde.
Riedhoff versuchte mit STELLA vermutlich, einen Film zu drehen, in dem das Publikum Stella einerseits bemitleiden, andererseits verachten soll. Riedhoff unterstellt seiner Figur von Anfang an Narzissmus: Zu Beginn und am Ende zeigt der Film Stella (Paula Beer) sich schminkend vor dem Spiegel. Mit einer Jazzband singt sie Cole Porters Standard „Let’s Misbehave“ – auch ein sarkastischer Kommentar zu ihrem späteren Verrat. Als Gestapo-Informantin übt sie später Agenten-Posen, die sie während der Verhaftungen mit selbstgefälliger Coolness aufführt. Stellas Zwangslage zeigt Riedhoff im Film vor allem in einer langen Foltersequenz. Zwei Gestapo-Männern schmettern Paula Beers Gesicht immer wieder gegen eine Betonwand, bis nur noch eine blutige Masse zu sehen ist, in die sie immer noch treten. Weder die so voyeuristische wie brutale Sequenz, noch die Erpressung der Gestapo, die Stellas Eltern zu schonen verspricht, wenn sie andere Juden, darunter ihre Freunde, verrät, wiegt aber Riedhoffs Inszenierung von Stella als selbstverliebte, oberflächliche Persönlichkeit auf. Der Film fällt ein Urteil, das ihm nicht zusteht.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Stella. Ein Leben. – Stella. A Life.
Deutschland 2023, 113 min
Genre: Drama, Historienfilm
Regie: Kilian Riedhof
Drehbuch: Marc Blöbaum, Jan Braren, Kilian Riedhof
Kamera: Benedict Neuenfels
Schnitt: Andrea Mertens
Musik: Peter Hinderthür
Verleih: MAJESTIC
Darsteller: Paula Beer, Jannis Niewöhner, Katja Riemann, Lukas Miko, Bekim Latifi, Damian Hardung, Joel Basman
Kinostart: 25.01.2024

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Stella. Ein Leben

(Stella. Ein Leben. – Stella. A Life.) | Deutschland 2023 | Drama, Historienfilm | R: Kilian Riedhof

Stella Goldschlag war eine deutsche Jüdin aus Berlin, die 1943 von der Gestapo gezwungen wurde, als Informantin zu dienen. Kilian Riedhof („Gladbeck“) hat Stella Goldschlags Geschichte nun verfilmt.

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