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Spuren – Tracks

Allein durch die Wüste

In den 70er Jahren beschließt Robyn Davidson, alleine und zu Fuß die australische Wüste zu durchqueren. Aus Geldmangel muss sie sich jedoch regelmäßig mit einem Fotografen des National Geographic Magazines treffen. Es entstehen beindruckende Bilder, und ein Reisebericht, die als Inspiration für SPUREN dienten.

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Stolz, den Blick beharrlich nach vorne gerichtet, sitzt Robyn Davidson auf dem Rücken Goliaths. Außer einem weißen Hut mit schwarzem Band, den sie gegen die unbarmherzigen Strahlen der Sonne auf dem Kopf trägt, ist ihr hagerer und gegerbter Körper lediglich von einer dünnen Decke umschlungen. Sie führt die eigenartige Karawane an: hinter ihr trotten drei weitere beladene Kamele, Bub, Zeleika und Dookie. Ein anderer treuer Wegbegleiter, der schwarze Hund Diggy, folgt der Reisegesellschaft mit einigem Abstand durch die karge Wüstenlandschaft, die mit ihrem rötlich leuchtenden Sand einen unwirklichen Kontrast zum strahlend-blauen Himmel bildet. Es ist ein Bild von Fotograf Rick Smolan, das er einige Monate später im National Geographic Magazine veröffentlichen wird. Eines von vielen, das die unglaubliche Reise dieser 27jährigen „Kamelfrau“ dokumentiert, von der sie in dem „Alone“ betitelten Artikel selbst berichtet, der sie im Mai 1978 weltberühmt machen wird.

Der Mensch im Angesicht der Natur, alleine und auf sich selbst zurückgeworfen: Filme wie INTO THE WILD (Sean Penn, 2007), 127 HOURS (Danny Boyle, 2010), DIE SUMME MEINER EINZELNEN TEILE (Hans Weingartner, 2011), DIE WAND (Julian Pölsler, 2012) oder ALL IS LOST (J.C. Chandor, 2013) widmeten sich zuletzt der freiwilligen und unfreiwilligen Zivilisationsflucht als Konfrontation des Individuums mit den unbarmherzigen Urkräften, und damit sich selbst. Auch Robyn Davidson (Mia Wasikowska) passt in die Reihe der Protagonisten, die in der Isolation ihre eigene Lebensphilosophie in Frage stellen müssen. Wenige Wochen zuvor hat sie noch unbeirrt diesen einzigartigen Trip geplant: 2700 Kilometer durch das australische Outback und die Wüste, von der Kleinstadt Alice Springs bis zum Indischen Ozean – nur sie und ihre nicht-menschlichen Begleiter. Aus Geldmangel muss sie sich widerwillig darauf einlassen, sich von dem weltberühmten Geographiemagazin sponsern zu lassen, und im Gegenzug über ihre Reise zu berichten. Als Kompromiss trifft sie während ihrer Exkursion in regelmäßigen Abständen auf Smolan (Adam Driver), der für die notwendigen Fotografien sorgen soll. Regisseur John Curran und Kamerafrau Mandy Walker haben sich bei der Bildgestaltung von SPUREN – TRACKS an seinen außergewöhnlichen Portraits orientiert, um der Adaption von Davidsons Memoiren gerecht zu werden.

Der Filmemacher inszeniert diesen einzigartigen „Roadtrip“ der selbstbewussten Frau dabei als Geste der Rebellion und Emanzipation, aber auch als Akt der gesellschaftlichen und metaphysischen Buße. Wenn Davidsons geschundener Körper nach Wochen des Verzichts in der Badewanne eines freundlichen alten Farmerehepaars irgendwo im Nirgendwo gereinigt wird, entfaltet sich ihr eine vollkommen neue zivilisatorische Nähe. Auch im Umgang mit den an den Rand gedrängten Aborigines, und ihren oftmals befremdlichen Traditionen und Ritualen eröffnen sich der jungen Frau neue Perspektiven auf ihr eigenes Leben, und so wird aus dem scheinbaren Rückzug auch ein behutsamer erneuter Eintritt.

SPUREN entwickelt fast unbemerkt einen narrativen Sog, weil er seinen menschlichen und tierischen Akteuren mit einer liebevollen, aber auch schonungslosen Aufrichtigkeit begegnet: „And there’s no more need for the mask your wear / When the last goodbyes have been said“ singt Mary Black in dem Song „Crusader“, den der irische Songwriter Mick Hanley Davidson Robyn Davidson und ihrem „Kreuzzug“ gewidmet hat. Mit der Verfilmung von SPUREN, wird der Mythos von der „Kamelfrau“ einmal mehr weitergeschrieben.

Jens Mayer

Details

Originaltitel: Tracks
Australien 2013, 112 min
Genre: Abenteuer, Biografie, Drama
Regie: John Curran
Drehbuch: Marion Nelson (nach einem Buch von Robyn Davidson)
Kamera: Mandy Walker
Schnitt: Alexandre De Franceschiase
Musik: Garth Stevenson
Verleih: Ascot Elite Filmverleih
Darsteller: Mia Wasikowska, Adam Driver, Rainer Bock, Rolley Mintuma, John Flaus, Robert Coleby, Tim Rogers
FSK: 6
Kinostart: 10.04.2014

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