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Sicario

Wie ein böses schlafendes Tier

DEA-Agentin Kate wird in eine geheime Einsatztruppe im Kampf gegen mexikanische Drogenkartelle berufen. Ihre Rolle dort ist völlig unklar, noch unklarer ist, warum der geheimnisvolle Südamerikaner Alejandro die Truppe begleitet. Nicht das stärkste Drehbuch, aber virtuose Regie von Denis Villeneuve.

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Ein SICARIO ist ein Auftragskiller der lateinamerikanischen Drogenmafia. In Denis Villeneuves neuem Film scheint aber zunächst gar kein Auftragskiller aufzutreten. Die DEA-Agentin Kate wird nach einem Einsatz in Arizona, bei der ihre Einheit eine grausame Entdeckung macht, in eine geheime Spezialeinheit berufen. Was dort eigentlich ihre Aufgabe sein soll, bleibt ihr völlig unklar. Die Truppe besteht aus hartgesottenen Söldnern, ihr Kommandant wirkt ebenso autoritär wie geheimnisvoll, und dann ist da noch der Südamerikaner Alejandro (Benicio del Toro), dessen Rolle nebulös ist, der sich aber schnell als extrem gefährlicher Mann erweist.
Denis Villeneuves Filme sehen immer originell aus, seine Schauspielerführung lebt von intensivem Understatement. Das macht sie vielen anderen überlegen, zumal, wenn Villeneuve mit wirklich guten Autoren zusammen arbeitet wie in ENEMY, PRISONERS und INCENDIES. SICARIO ist dagegen ein Film, der fast ausschließlich von Villeneuves Stärken leben muss. Das Drehbuch, Autorendebüt des Schauspielers Taylor Sheridan, pendelt unentschlossen zwischen Genre-Pop und Polit-Thriller mit dokumentarischem Anspruch. Aber Villeneuve macht die schwächelnde Story virtuos wett. Wenn Kate mit ihren neuen Chefs in die Grenzstadt El Paso fliegt, wirkt die Landschaft unter ihr wie ein großes, böses schlafendes Tier, das sich im nächsten Moment erheben wird. Alles ist belebt, und alles ist gefährlich. Das Böse durchdringt in Villeneuves Filmen das Reale und bedroht ständig die Identität der Personen. In SICARIO ist es vor allem Kates moralische Gewissheit, die auf dem Spiel steht. Das ist ein spannendes Motiv, zumal im Kontext des „War on Drugs“, und Villeneuve ist ein besserer Regisseur als Oliver Stone, der mit der Don Winslow-Verfilmung SAVAGES vor drei Jahren ein ähnliches Feld bearbeitete. Hätte nur Don Winslow das Drehbuch geschrieben.

Tom Dorow

Details

USA 2015, 121 min
Genre: Action, Drama, Krimi
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Taylor Sheridan
Kamera: Roger Deakins
Schnitt: Joe Walker
Musik: Jóhann Jóhannsson
Verleih: Studiocanal
Darsteller: Benicio Del Toro, Emily Blunt, Josh Brolin, Jeffrey Donovan, Victor Garber, Daniel Kaluuya, Jon Bernthal, Raoul Trujillo, Maximiliano Hernández
FSK: 16
Kinostart: 01.10.2015

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