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Jean Seberg – Against All Enemies

Erlesene Melancholie

Durch ihre Unterstützung der Black Panther Party und des NAACP gerät Jean Seberg 1970 ins Fadenkreuz des FBI, dessen COINTELPRO-Programm darauf ausgerichtet ist, den Ruf linker Aktivisten zu vernichten.

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1970 ist die US-Schauspielerin Jean Seberg in Europa ein Superstar und eine Nouvelle-Vague-Ikone. In den USA dagegen waren ihre Filme mit dem Regisseur Otto Preminger wenig erfolgreich. Seberg fliegt in die USA, um für eine Rolle in einem Western vorzusprechen und begegnet auf dem Flug dem charismatischen Bürgerrechtsaktivisten Hakim Jamal. Bei der Ankunft in Los Angeles stellt sie sich neben Jamal und zeigt den Black-Power-Gruß. Damit, und durch ihre Unterstützung der Black Panther Party und des NAACP gerät sie ins Fadenkreuz des FBI, dessen COINTELPRO-Programm darauf ausgerichtet ist, den Ruf linker Aktivisten zu vernichten bzw. sie zu „neutralisieren“.
SEBERG ist visuell ein sehr schöner Film. Die Kameraarbeit von Rachel Morrison (FRUITVALE STATION, MUDBOUND, BLACK PANTHER) hüllt Kristen Steward als Jean Seberg in ein golden strahlendes Licht, das ihre farbenfrohen Dior-Kostüme wie Erinnerungen an ein unmögliches Glück erstrahlen lässt. Der verträumte Soundtrack von Jed Kurzel und Popsongs aus dem Katalog erlesenster Melancholie setzen die Stimmung. Wenn Seberg/Steward in einem rosafarbenen Gewand zu Scott Walkers Song „It’s raining today“ in ein Restaurant schwebt, wirkt sie wie im Blick gefangen, den sie selbst auf sich zieht. Das ist ein ungewöhnlicher Stil für einen Film über einen Polit-Skandal, aber SEBERG ist weniger ein Biopic, als eine Elegie und eine Warnung an heutige Aktivist*innen, sich zu wappnen. Sollte die Klimabewegung sich eines Tages politisieren, werden ähnliche Reaktionen der Staatsgewalt folgen. Weniger überzeugend ist ein Erzählstrang, in dem ein junger FBI-Agent, der Seberg überwacht, Gewissenbisse bekommt. Immerhin bietet er aber die Gelegenheit den alltäglichen Sexismus und Rassismus in der FBI-Kultur zu zeigen, wo noch hasserfülltere Beleidigungen als das N-Wort zum Umgangston gehörten.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Seberg
USA 2019, 96 min
Sprache: Englisch, Französisch
Genre: Biografie, Drama
Regie: Benedict Andrews
Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse
Kamera: Rachel Morrison
Schnitt: Pamela Martin
Musik: Jed Kurzel
Verleih: Prokino
Darsteller: Kristen Stewart, Jack O’Connell, Anthony Mackie, Vince Vaughn, Zazie Beetz, Colm Meaney
Kinostart: 26.03.2020

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