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Scultura – Hand. Werk. Kunst.

Die Gesten der Hände beim Bronzegießen

Der auf der Berlinale mit dem Preis der Filmkritik ausgezeichnete Dokumentarfilm folgt dem Prozess der Herstellung einer Bronzeplastik - vom Modell in Wachs über die verschiedenen Stadien der Gussformerzeugung bis hin zum Gießens und Nachbearbeiten.

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Bei „Skulptur“ denkt man meist an ein fertiges Kunstwerk und bei dessen Entstehung vielleicht an den ursprünglichen künstlerischen Entwurf. Im Dokumentarfilm SCULTURA wird entgegen solcher vom Titel geweckten Erwartungen ganz konkret der Prozess der Herstellung einer Bronzeplastik geschildert. Ausgehend vom Modell in Wachs über die verschiedenen Stadien der Gussformerzeugung, des Gießens und Nachbearbeitens folgt die filmische Erzählung wie einem roten Faden einer Skulptur von Velasco Vitali, der in Italien berühmt ist für seine Hundeplastiken. Die vielschichtige Tonmischung stellt hierbei durch Geräusche aus dem Off schon Arbeitsschritte akustisch in den Raum, bevor sie im Blickfeld sind. Dabei enthält sich der Film jeglichen erklärenden Kommentars. Auch die Handwerker der Fonderia Artistica Battaglia sprechen selten während ihrer ruhigen, konzentrierten Arbeit. Allein aus der Beobachtung ihrer routinierten Gesten ergibt sich ein Gefühl für die Kunstfertigkeit, die für das Vollenden einer Bronze vonnöten ist. Das jahrtausendealte Verfahren des Bronzegießens wird von jeher durch Zuschauen erlernt. Daran knüpft Regisseur Francesco Clerici mit seinem zurückhaltenden und dennoch nahen Blick an. Archivmaterial aus derselben Gießerei in den 60er Jahren unterstreicht die Beständigkeit des beobachteten handwerklichen Vorgehens. Zugleich entwickelt sich durch die Rücksprünge eine Ahnung davon, dass in einem filmischen Zeitzeugnis, wie es SCULTURA ist, immer auch der drohende Verlust des Dargestellten mitschwingt. Was früher alltägliche und damit fast unsichtbare Handgriffe waren, wird nun aufgezeichnet, weil es zu verschwinden droht. Clericis Respektsbekundung für eine rar werdende Handwerkskunst wurde übrigens selbst gewürdigt – mit dem Preis der Kritiker auf der 65. Berlinale.

Anna Stemmler

Details

Originaltitel: Il gesto delle mani
Italien 2014, 80 min
Genre: Dokumentarfilm, Historienfilm
Regie: Francesco Clerici
Drehbuch: Francesco Clerici, Martina De Santis
Kamera: Francesco Clerici
Schnitt: Francesco Clerici
Musik: Claudio Gotti
Verleih: drei-freunde Filmverleih
FSK: oA
Kinostart: 22.10.2015

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