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Schachnovelle

Psychogramm eines Unbeugsamen

Das beindruckende, das teils erschütternde Psychogramm eines Unbeugsamen. Philip Stölzl hat Stefan Zweigs letzten Text, die „Schachnovelle“ verfilmt.

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Das beindruckende, das teils erschütternde Psychogramm eines Unbeugsamen. Die Neuverfilmung der „Schachnovelle“. Jenem Text, der zu einer Art Abschiedsbrief Stefan Zweigs werden sollte: Nur Monate nach Fertigstellung des kaum 90 Seiten langen Werks wählte der Humanist und Pazifist im brasilianischen Exil den Freitod. Ähnlich wie das literarische Vorbild beginnt auch die Adaption von Philipp Stölzl (NORDWAND) damit, dass sich der Protagonist zur Nazizeit ins südamerikanische Exil begibt (O-Ton Stefan Zweig: „Auf dem großen Passagierdampfer, der um Mitternacht von New York nach Buenos Aires abgehen sollte…“). Der bald einsetzende Rückblick offenbart all die Torturen, die er zuvor hat erleiden müssen. Darunter vor allem die monatelange „Sonderbehandlung“ im Hotel Métropole durch die Nazis - im Film vor allem repräsentiert durch einen ebenso fies höflichen wie zutiefst diabolischen Albrecht Schuch. Wie Bartok (in der Text-Vorlage: „Dr. B.“) mittels nachgespielter Schachpartien der geistigen Deprivation in der Isolationshaft zu trotzen sucht: dafür findet der Film zutiefst bewegende Bilder. Die freilich nicht von dieser Wirkkraft wären, wenn in ihnen nicht mit Oliver Masucci (WERK OHNE AUTOR) ein Mime agieren würde, der sich in den letzten Jahren zu einem der spannendsten hiesigen Kinodarsteller hat mausern können. Viel mehr als etwa an Ingmar Bergmans Klassiker des Schach-Kinos, DAS SIEBENTE SIEGEL muss man an Terrence Malicks famosen, wenn auch viel zu wenig beachteten Film A HIDDEN LIFE denken. Dort gibt August Diehl einen Geistesverwandten Bartoks – einen dem Nazi-Terror gegenüber ähnlich Standhaften. „Alles, was ich zu geben fähig war“, so heißt es in einem Brief Stefan Zweigs, „verdanke ich einer gewissen Begeisterung; ich verstand es, andere mitzureißen…“. Wie wahr.

Matthias von Viereck

Details

Deutschland/Österreich 2020, 111 min
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Regie: Philipp Stölzl
Drehbuch: Eldar Grigorian
Kamera: Thomas W. Kiennast
Verleih: STUDIOCANAL
Darsteller: Oliver Masucci, Albrecht Schuch, Birgit Minichmayr, Rolf Laasgård
FSK: 12
Kinostart: 23.09.2021

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Deutschland/Österreich 2020 | Drama, Literaturverfilmung | R: Philipp Stölzl | FSK: 12

Das beindruckende, das teils erschütternde Psychogramm eines Unbeugsamen. Philip Stölzl hat Stefan Zweigs letzten Text, die „Schachnovelle“ verfilmt.

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Delphi LUX

21.09. – Di

20:00

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