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Sauacker

Ob der Hof im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen sein dreihundertjähriges Bestehen feiern kann, hängt allein von Philipp Kienle ab. Seit 1725 ist das kleine Gut im Besitz seiner Familie, und wenn es nach dem 30-jährigen geht, bliebe das auch in der nächsten Generation so; er will die Tradition fortführen und der zehnte Bauer des kleinen Betriebs werden.

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Ob der Hof im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen sein dreihundertjähriges Bestehen feiern kann, hängt allein von Philipp Kienle ab. Seit 1725 ist das kleine Gut im Besitz seiner Familie, und wenn es nach dem 30-jährigen geht, bliebe das auch in der nächsten Generation so; er will die Tradition fortführen und der zehnte Bauer des kleinen Betriebs werden. Diesem Ziel ordnet er sein gesamtes Leben unter, und unterwirft sich dafür einer eigens auferlegten Methode der Selbstausbeutung und Aufopferung. Wenn seine Schicht im Stahlwerk vorbei ist, geht es nach Feierabend zum Hof der Eltern, wo er zusammen mit Vater Konrad weiterschuftet, selbstverständlich auch an jedem Wochenende. Vater-Sohn-Konflikte stehen auf der Tagesordnung, und auch seine Beziehung zu Manuela leidet unter der enormen Kraftanstrengung, die er täglich aufbringen muss. So drängt sich schnell die Frage nach dem Sinn auf: Der Betrieb ist einer der letzten in der Region, und längst ein Verlustgeschäft. Selbst Konrad muss jeden Morgen bei Wind und Wetter den Weg durch die Dorfstraßen antreten, um Zeitungen auszutragen, bevor er sich in den Stall begibt, weil er auf die wenigen Euro angewiesen ist. An der Stelle seines Sohnes, das gibt Bauer Kienle unumwunden zu, würde er die scheinbar aussichtslose Bürde, den Hof in die Zukunft zu führen heute nicht mehr auf sich nehmen wollen. Regisseur Tobias Müller hat mit SAUACKER ein einfühlsames und emphatisches Portrait einer Familie und eines landwirtschaftlichen Kleinbetriebs gezeichnet, das nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen von Strukturwandel und zum Teil unsinnigen globalisierungsbedingten Rationalisierungsmaßnahmen veranschaulicht, sondern auch den kräftezehrenden Kampf einer Generation, um ihren selbstbestimmten Platz in der post-industriellen Gesellschaft.

Jens Mayer

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