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Rojo – Wenn alle schweigen, ist keiner unschuldig

Ein Hippie verschwindet

1976, kurz vor dem Militärputsch in Argentinien, verschwindet ein ungehobelter Hippie, der sich mit einem Berater der Regierung angelegt hat. Benjamin Naishat thematisiert erneut den Zerfall der Gesellschaft in seinem Land.

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Argentinien, Mitte der Siebziger – Ein Land von innen nach außen gekehrt. Nationalstolz wird wie ein Abzeichen an der Brust getragen, Recht und Gesetz sind ausgehebelt. Stattdessen sucht ein jeder in der gut situierten Mittelklasse seinen eigenen Vorteil. In diese dysfunktionale Gesellschaft stolpert Dieguito (Diego Cremonesi), ein Rüpel ohne Manieren, der eines Abends in ein Restaurant einfällt und sich mit Claudio (Darío Grandinetti) anlegt. Der einflussreiche Berater fühlt sich dem ungehobelten Hippie überlegen und spielt diese Karte aus. Vor den gesammelten Gästen macht er Dieguito lächerlich, bis der wie ein geprügelter Hund von dannen zieht. Draußen lauert er Claudio und seiner Frau auf und es kommt zum Showdown, an dessen Ende Dieguito verschwindet.

Die Eröffnungsszene von ROJO ist nicht die einzige Referenz zum Western in Benjamin Naishtats düsterer Allegorie auf die Verkommenheit der Spezies Mensch. Es gibt auch einen Sheriff, den Fernsehdetektiv Sinclair (Alfredo Castro), der in die Stadt einreitet, um das Verschwinden Dieguitos zu untersuchen. Das alles spielt sich in den Monaten vor dem Staatsstreich von 1976 ab, ein Zeitrahmen, den der argentinische Autor und Regisseur Naishtat bewusst wählte. Es herrscht eine Atmosphäre aus Angst und Überwachung. Menschen verschwinden und werden in der Wüste gefunden. Der Putsch des Militärs wird die Bevölkerung über Jahre hinweg dem Staatsterror unterwerfen. Mit seinen Filmen thematisiert Naishtat immer wieder den Zerfall der Ordnung in seinem Heimatland in verschiedenen Epochen. Die Angst hinter den Mauern der Wohlhabenden im Berlinale-Beitrag HISTORIA DES MIEDO, Anarchie und Chaos im 19. Jahrhundert in EL MOVIMIENTO – nur scheinbar wirkt die Gesellschaft in ROJO distinguierter. Unter der Oberfläche fault die Ordnung. Das ist mit ruhigen, langen Einstellungen inszeniert, die Geduld abfordern. ROJO ist voll unbequemer Faszination.

Lars Tunçay

Details

Originaltitel: Rojo
Argentinien 2018, 109 min
Sprache: Spanisch
Genre: Drama, Thriller
Regie: Benjámin Naishtat
Drehbuch: Benjámin Naishtat
Kamera: Pedro Sotero
Schnitt: Andrès Quaranta
Musik: Vincent van Warmerdam
Verleih: Cine Global
Darsteller: Darío Grandinetti, Andrea Frigerio, Alfredo Castro
FSK: 12
Kinostart: 15.10.2020

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Rojo - Wenn alle schweigen, ist keiner unschuldig

(Rojo) | Argentinien 2018 | Drama, Thriller | R: Benjámin Naishtat | FSK: 12

1976, kurz vor dem Militärputsch in Argentinien, verschwindet ein ungehobelter Hippie, der sich mit einem Berater der Regierung angelegt hat. Benjamin Naishat thematisiert erneut den Zerfall der Gesellschaft in seinem Land.

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