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Republic of Silence

Fragiles Dokument

In ihrem sehr persönlichen Dokumentarfilm erzählt Diana El Jeiroudi, die heute in Berlin im Exil lebt, von Kindheit, vom Leben in einem autokratischen Regime, von Krieg und Flucht.

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Stille. Ein Paar sitzt sich gegenüber, ein weißer Vorhang, wie eine Leinwand gespannt, scheint sie zu trennen und gleichzeitig zu verbinden. Es sind Diana El Jeiroudi und Orwa Nyrabia. El Jeiroudi ist die Regisseurin, aber beide sind Filmschaffende, Filmenthusiast*nnen, Begründer*innen des ersten unabhängigen Filmfestivals in Syrien, DOX BOX, im Exil in Berlin gestrandet. „Du bist weit weg vom Krieg, du bist in Sicherheit, du kannst dir den Luxus leisten zusammenzubrechen. Richte dich auf und sehe was du tun kannst.“ sagt die Filmemacherin an einer Stelle dieses dreistündigen Versuches, eine angemessene filmische Form für verlorene Heimat, Krieg, gestorbene und verschleppte Freund*innen und Kolleg*innen zu finden. Das eigene Trauma zu bearbeiten und das Gefühl, so weit weg von allem zu sein, und es trotzdem ständig wie eine Wunde im Herzen zu tragen El Jeiroudi verdichtet noch in Syrien entstandenes Material, Beobachtungen von Familienangehörigen und befreundeten Filmschaffenden, Arbeitsbesprechungen, Archivaufnahmen aus dem syrischen Fernsehen, Festivalreisen und intime Beziehungsmomente zu einem stilistisch rohen aber gleichzeitig sehr fragilen Dokument, das einen starken Sog entfaltet.

Dabei erscheint der Syrienkonflikt ganz undurchdringlich. Ist aber doch sehr einfach: Es herrscht Krieg, Menschen sterben, sie brauchen Hilfe. Aber wo blieben die Solidaritätsbekundungen in der Welt? Orwa Nyrabia kann eine gewisse Kriegsmüdigkeit verstehen, aber eine Solidaritätsmüdigkeit? Und immer tickt irgendwo eine Uhr, die Zeit verrinnt. Die Welt hat im Syrienkonflikt auf Zeit gespielt. Aus dem Off: Stimmen voller Ignoranz, Rassismus und Ressentiments gegenüber den Geflüchteten aus syrischen Kriegsgebieten. Müde sieht das Paar vor dem weißen Vorhang aus. Aber sie werden sich immer wieder aufrichten.

Susanne Kim

Details

Deutschland/ Frankreich/ Syrien/ Italien 2021, 183 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Diana El Jeiroudi
Drehbuch: Diana El Jeiroudi
Kamera: Sebastian Bäumler
Schnitt: Diana El Jeiroudi, Katja Dringenberg
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 11.08.2022

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