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Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte.

Großschriftstellerporträt

Nach ihrem Film über Gerhard Richter porträtiert Dokumentarfilmerin Corinna Belz den Schriftsteller Peter Handke in seinem Haus bei Paris.

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Vor ein paar Jahren porträtierte sie den deutschen Großkünstler Gerhard Richter in GERHARD RICHTER PAINTING, nun widmet sich die Dokumentarfilmerin Corinna Belz dem österreichischen Großliteraten Peter Handke. In ihren Filmen ist sie selbst sehr präsent, zwar nicht visuell, aber akustisch. Immer wieder hört man die Regisseurin aus dem Off Fragen stellen, die Peter Handke in ihrem Bemühen, ihn und sein Werk psychologisch zu erklären, zu irritieren scheinen. Ein ganz unterschiedliches Denken zeigt sich hier, die oft unbedarft wirkenden Einwürfe der Regisseurin treffen auf das extrem bedächtige, nachdenkliche, reflektierte Wesen des Autors. Jedes Wort scheint Handke abzuwägen, spricht langsam, liest in ganz eigener Satzmelodie Passagen aus seinem Werk vor. Ein Werk, das inzwischen über 60 Romane, Stücke, Reiseberichte und Anderes umfasst und vom genauen Nachdenken über den Mensch und die Welt, die er mehr schlecht als Recht bevölkert, lebt. Belz Film wiederum lebt von der Reibung zwischen Regisseurin und Autor, der die Anwesenheit eines (kleinen) Filmteams in seinem Haus unweit Paris zwar zuließ, aber offenbar schon nach kurzer Zeit als massiven Einbruch in seine Privatsphäre empfand.
Im Gegensatz zum Richter-Film, der immer dann überzeugte, wenn man den Maler beim Schaffensprozess beobachten konnte, ist die Arbeit eines Autors natürlich höchst unfilmisch, auch wenn Handke immer noch vor allem mit Stift und Notizheften arbeitet. Interessanter ist es hier, einfach nur Handke beim Sein zu beobachten, beim Bewundern von besonders schönen Pilzen oder dem Einfädeln eines Fadens ins Nadelöhr. Scheinbar banale Tätigkeiten, doch die Aufmerksamkeit, mit der Handke sich ihnen widmet, erzählt dann doch auch viel über den Autor, sein Wesen und sein Denken.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte
Deutschland 2016, 89 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Corinna Belz
Drehbuch: Corinna Belz
Kamera: Axel Schneppat, Piotr Rosolowski, Nina Wesemann
Schnitt: Stephan Krumbiegel
Verleih: Piffl Medien GmbH
FSK: oA
Kinostart: 10.11.2016

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