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Patriotinnen

Seele, Nachdenklichkeit und Inbrunst

Porträt der in der baltischen Sowjetrepublik Lettland geborenen russischen Sängerin Elena Frolowa, ihrer sozialistischen Mutter Maja, und ihres großen Vorbildes, der Dichterin Marina Zwetajewa.

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Die in der baltischen Sowjetrepublik Lettland geborene russische Sängerin Elena Frolowa singt, wie sie sagt „geistliche Lieder“, darunter viele Vertonungen der Dichterin Marina Zwetajewa. Frolowa, 40, lebt heute in Moskau, ihr früheres Leben in Riga versteht sie als Emigration. Ihr Leben in Riga sei „sehr gut, sehr menschlich, aber ohne Spiritualität, ohne Kirchen, ohne Ikonen“ gewesen. In Russland sei die religiöse Begegnung „ ganz direkt“. Frolowa ist eine mystische Ekstatikerin, die ein Leben „wie im Märchen“ als Ideal benennt, und von einem inneren Licht spricht, das alles erleuchte, wenn man nur die Zeichen erkennt. In jedem Menschen, sagt Elena Frolowa, vereinigt sich eine Kraft der Leidenschaft, die ihn ganz verbrennen kann. Diesen Zustand, so Frolowa, erlebte Russland zu Zeiten Zwetajewas, und erlebe ihn immer wieder.
Ihre Mutter Maja, pensionierte Lehrerin, Chemikerin und Physikerin, kann mit der Leidenschaft ihrer Tochter für Zwetajewa nicht viel anfangen und hält nichts von politischer Mystik. Das sei alles nur aufs Jenseits ausgerichtet, sagt sie. Im Sozialismus hätten die Menschen noch diesseitige, materielle Werte des Lebens und der Gemeinschaft gehabt, heute im Kapitalismus rennten sie alle in die Kirchen, aber jede bete nur für sich.
Irina Roerigs Film folgt der Sängerin auf Reisen und bei Begegnungen mit ihrer Mutter und einer sehr entrückten Instrumentenbauerin, die das altrussische Saiteninstrument Gusli herstellt. Aus Briefen Zwetajewas, die mit Spielszenen und Dokumentarmaterial illustriert sind, rekonstruiert Roerig auch Teile der Geschichte Marina Zwetajewas. Die Regisseurin sagt: „Wir Deutschen könnten in Rußland so etwas wie Seele, Nachdenklichkeit oder Inbrunst – lauter unmoderne Eigenschaften – suchen. Dafür muss man aber den Mut haben, Anachronist zu sein.“

Hannes Stein

Details

Deutschland 2013, 84 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Irina Roerig
Drehbuch: Irina Roerig
Kamera: Axel Brandt
Schnitt: Axel Brandt
Darsteller: Elena Frolowa, Maja Stepanowna Frolowa, Tanja Kuprianowa
Kinostart: 21.08.2014

Vorführungen

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