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Parchim International

Provinzposse mit globalen Ausmaßen

2007 hat der chinesische Investor Jonathan Pang den Provinzflughafen Parchim für 30 Millionen Euro erworben, um hier seine Vision von einem internationalen Luftverkehrs-Drehkreuz zwischen Peking und Deutschland zu verwirklichen. Sieben Jahre später ist noch nichts vom prognostizierten Wirtschaftswunder zu sehen.

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Beharrlich dreht sich die Signalleuchte auf dem Dach des provisorischen Towers aus Wellblech. Der monoton quietschende Klang ist zum Soundtrack des Flughafens geworden, hier, im 18.000 Einwohner-Städtchen Parchim, zwischen Berlin und Hamburg. Ansonsten ist es nämlich meistens ruhig. Hasen hoppeln über die Startbahn, hin und wieder nutzen Piloten von Passagiermaschinen die Möglichkeit, hier die „Touch-and-go-Landung“-Prozedur zu üben, bei der das Flugzeug zwar mit dem Fahrwerk aufsetzt, anschließend aber wieder ohne Stillstand durchstartet und abhebt. Tausende Kilometer entfernt absolviert Jonathan Pang seine morgendliche Joggingrunde. Sein Laufstil ist ungewöhnlich und sicher nicht gelenkschonend, doch ebenso ausdauernd wie die quietschende Leuchte zieht er sein Programm durch. Ein skurriler Anblick mit einer klaren Botschaft: immer weitermachen! 2007 hat der chinesische Investor den vor sich hinschlummernden Provinzflughafen für 30 Millionen Euro erworben, um hier seine Vision von einem internationalen Luftverkehrs-Drehkreuz zwischen Peking und Deutschland zu verwirklichen: Hotels, Gewerbeparks, Casinos und Shoppingmalls mit Luxusgütern sollen täglich Tausende von Passagieren in die Region bringen. Der Wirtschaftsfaktor wäre enorm, Arbeitsplätze im vierstelligen Bereich würden entstehen. Nur ist auch sieben Jahre nach dem Erwerb Pangs nichts vom prognostizierten Wirtschaftswunder zu sehen, der Frust der wenigen Mitarbeiter wächst, die regionale Politikprominenz lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Filmemacher Stefan Eberlein hat die Entwicklung dieser Provinzposse mit globalen Ausmaßen sieben Jahre lang begleitet und dabei die Protagonisten sehr gut kennen gelernt. So wird PARCHIM INTERNATIONAL auch zum sympathischen Gegenentwurf zum parallel ablaufenden Hauptstadt-Trauerspiel.

Jens Mayer

Details

Deutschland 2015, 90 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Stefan Eberlein, Manuel Fenn
Drehbuch: Stefan Eberlein
Kamera: Manuel Fenn
Schnitt: Antonia Fenn
Musik: Eckart Gadow
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
FSK: oA
Kinostart: 19.05.2016

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