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Der Junge und die Welt

Brillante Animation

DER JUNGE UND DIE WELT ist ein brasilianischer Animationsfilm, der trotz seines kindlichen Helden eher etwas für Jugendliche und Erwachsene ist. Der Film erzählt von einem kleinen Jungen, der sich auf die Suche nach seinem Vater macht, und reflektiert dabei die Erfahrung südamerikanischer Militärdiktaturen.

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DER JUNGE UND DIE WELT ist ein brasilianischer Animationsfilm, der trotz seines kindlichen Helden eher etwas für Jugendliche und Erwachsene ist. Für Kinder ist diese Geschichte schlichtweg zu traurig, und aufgrund der zahlreichen Traumvisionen, Rückblenden und einer seltsam selbstreflexiven Volte am Ende auch zu unverständlich. DER JUNGE UND DIE WELT ist ein Film ohne Dialoge, der sich seines Materials extrem bewusst ist, und mit ganz eigenen Techniken so noch nie gesehene Filmbilder schafft. Mit wenigen Strichen des Kohlestifts und ein paar breiten Wachskreide-Streifen ist ein kleiner Junge gezeichnet, der nach einem psychedelisch bunten Prolog auf der weißen Leinwand erscheint und einen bunten Stein betrachtet. Die Leinwand wird sich im Lauf des Films immer mehr füllen, mit farbenprächtigen Hintergründen, oft ebenfalls mit Wachskreiden gemalt, und breiten Panoramen, in denen sich gezeichnete Bildelemente mit Collagen verbinden, wobei die Collageteile die Warenwelt repräsentieren. Der kleine Junge vermisst seinen Vater, der die Familie verlassen muss, um anderswo Geld zu verdienen. Er sieht den Vater überall, auf dem Feld, am Küchentisch, und macht sich schließlich auf den Weg, um ihn wiederzufinden. Sein Weg führt ihn auf die Spur der industriellen Baumwollproduktion, von der Ernte über die Weberei bis hin zu einer futuristischen Vision der Kleiderproduktion. Städte sind gewaltige künstliche Berge, in denen Militär und Polizei das Bild bestimmen und jeden Widerstand, der hier durch Karnevalsmotive und folkoristische Musik repräsentiert wird, brechen. Die Musik des Widerstands wird zu farbigen Tupfen auf der Leinwand, die des Militärs zu schwarzen Flecken, aus denen jeweils kämpfende Vögel werden, ein bunter und ein schwarzer. Ein Film ohne Happy-End, der die Erfahrung südamerikanischer Militärdiktaturen reflektiert.

Hannes Stein

Details

Originaltitel: O Menino e o Mundo
Brasilien 2013, 82 min
Genre: Animation
Regie: Alê Abreu
Drehbuch: Alê Abreu
Schnitt: Alê Abreu
Musik: Ruben Feffer, Gustavo Kurlat
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Vinicius Garcia, Marco Aurélio Campos, Lu Horta
Kinostart: 26.11.2015

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